
Eyal Sivan (* 9. September 1964 in Haifa, Israel) ist ein israelischer Filmemacher, Regisseur und Kritiker verschiedener Auswirkungen der Politik seines Landes. Er lebt heute in Frankreich.
Eyal Sivan ging in Jerusalem zur Schule, ohne diese abzuschließen. Er begann zu fotografieren und fand Arbeit als Modefotograf in Tel Aviv. 1985 verließ er seine Heimat und ging nach Paris, da er dort ein toleranteres Umfeld für seine Ansichten fand. Er ist ein erklärter Antizionist und ruft zum zivilen Ungehorsam in Israel auf. Als Alain Finkielkraut ihn 2006 als „jüdischen Antisemiten“ bezeichnete, verklagte er diesen wegen Beleidigung.
In den letzten Jahren war Sivan Reader außerordentlicher Professor für Medienproduktion an der School of Arts and Digital Industries an der University of East London, wo er den MA-Studiengang für Film, Video und neue Medien mit leitete. Derzeit ist Sivan Honorary Fellow an der University of Exeter, unterrichtet im Masterstudiengang Film an der Niederländischen Filmakademie in Amsterdam und ist Mitglied des Redaktionsausschusses des Pariser Verlags La Fabrique Editions.
Sivan wurde vorgeworfen, in seinem Film Ein Spezialist (1999) über den Eichmannprozess in Jerusalem das zugrunde liegende Archivmaterial teilweise manipulativ zusammengefügt zu haben während andere den Hannah Arendt gewidmeten Film als „intensives Zeitdokument“ loben.
Gegen die Aufführung des sich als „Mahnmal“ verstehenden und keine Partei ergreifen wollenden Dokumentarfilm Route 181 protestierten 2004 in Paris Intellektuelle wie Bernard-Henry Lévy, worauf sich linke Intellektuelle und Kulturschaffende von Étienne Balibar bis Jean-Luc Godard zusammenschlossen, um die Wiederaufnahme von Route 181 ins Filmprogramm des Centre Pompidou zu erwirken.
Eyal Sivan leugnet nicht den erstarkenden Antisemitismus in Frankreich, er sieht diesen aber in einem kausalen Zusammenhang mit dem, was Israel „im Namen der Juden“ – also auch in seinem Namen – tut. Er beabsichtigt deshalb, die jüdische Diaspora vor diesem Israel aber auch vor der Vereinnahmung durch die weltweite extreme Rechte zu schützen. Folglich bezeichnet er Zionisten, die Judentum als Rechtfertigung für staatlichen Nationalismus nutzen, in Anlehnung an die Islamisten, die den Islam instrumentalisieren, als „Judaisten“. In diesen sieht er die größte Bedrohung für das Judentum, weil sie es nationalisieren und damit den Verdacht des weißen Suprematismus auf alle Juden lenken würden.
Er sieht den Zionismus sehr kritisch und vertritt die Meinung, es sei nicht primär eine jüdische, sondern vorab eine kolonialistische Bewegung. Den Krieg Israels in Gaza seit 2023, den er als Genozid bezeichnet, sieht er nicht als Folge der Politik eines messianischen Zionismus, wie er seit den 1970er Jahren in Israel entstanden ist, sondern als die Verlängerung einer von Anfang an auf ethnische Säuberung angelegten Vorgehensweise Israels seit der Staatsgründung im Jahr 1948. Sivan ist überzeugt: „Bevor der Zionismus Palästina kolonisierte, hat er das Jüdischsein kolonisiert.“ Die säkularen Gründer des Zionismus beschuldigt er, die jüdische Religion geplündert zu haben, um sich von ihr nur herauszupicken, was darin als nützlich erschien.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sivan, Eyal |
| KURZBESCHREIBUNG | israelischer Filmemacher, Autor und Politikkritiker |
| GEBURTSDATUM | 9. September 1964 |
| GEBURTSORT | Haifa, Israel |