F-Plasmid

Das F-Plasmid (Abk. für Fertilitätsplasmid, auch Fertilitätsfaktor oder F-Episom genannt) ist ein Plasmid, das Bakterien die Fähigkeit zur Konjugation (horizontaler Gentransfer) verleiht. Das F-Plasmid ermöglicht einen gerichteten Gentransfer vom Spender (dieser besitzt den F-Faktor, wird auch als F+ bezeichnet) zum Empfänger (F−). Dabei wird auch das F-Plasmid selbst mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf den Empfänger übertragen. Dadurch wird der Empfänger (Rezipient) ebenfalls zu einem Spender (Donator). Daher sind alle Bakterienzellen, die ein F-Plasmid besitzen, potenzielle Spenderzellen. Nach der Konjugation haben sowohl Spender als auch Empfänger ein F-Plasmid.

Esther Lederberg und Luigi Luca Cavalli-Sforza entdeckten den F-Faktor und publizierten die Entdeckung zusammen mit dem späteren Nobelpreisträger Joshua Lederberg.

Strukturmerkmale

Verwendung

Die Entdeckung, dass das F-Plasmid in das bakterielle Chromosom integrieren kann, eröffnete der Genetik neue Möglichkeiten. U. a. ermöglichte sie die Genkartierung mittels unterbrochenem Chromosomentransfer. Weiter war es nun erstmals möglich, bestimmte Gene von einem Bakterium in ein anderes zu befördern. Heute gibt es dafür spezielle Vektoren, die allerdings immer noch Bestandteile des F-Plasmids nutzen z. B. zwei Vektorsysteme (ein Plasmid mit OriT ohne tra-Region mit Selektionsmarkern und MCS für das zu klonierende Gen, das andere wesentlich größere, von F abgeleitetes Plasmid ohne OriT mit tra-Genen).

Ein (ähnlicher) konjugativer Transfer ist auch zwischen Bakterien und z. B. Hefezellen, oder Bakterien und Pflanzenzellen möglich (vgl. Agrobacterium tumefaciens).

Ein weiterer Grund, sich eingehender mit dem F-Plasmid zu befassen, ist, dass F-Plasmide oder andere konjugativ übertragbare Plasmide eine Rolle bei der schnellen Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen spielen (auch zwischen nicht näher verwandten Bakterienstämmen) (das F-Plasmid weist mehr als einen OriV auf, die mit verschiedenen Bakterienstämmen kompatibel sind bzw. der OriV wird auch von verschiedenen Bakterienstämmen verwendet). Das bedeutet, dass ein Transposon mit Antibiotikaresistenzgenen z. B. aus dem bakteriellen Chromosom oder einem anderen Plasmid von Stamm A auf ein konjugatives Plasmid „springen“ (transponieren) kann, von dort kann es konjugativ auf Stamm B übertragen werden. Falls nun das Gen in Stamm B einen evolutiven Vorteil erbringt (z. B. unter Selektionsdruck durch Antibiotikagebrauch), überleben die Bakterien, die das Plasmid erhalten haben. Dadurch können sogenannte R-Plasmide mit sehr vielen Resistenzgenen auf ein und demselben Plasmid entstehen, die auch auf pathogene Bakterien übertragen werden können.

Durch Acridinfarbstoffe lässt sich das F-Plasmid während der Zellteilung aus einer Bakterienzelle entfernen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Lederberg, J., Cavalli, L. L., and Lederberg, E. M., Nov. 1952, "Sex compatibility in Escherichia coli", Genetics 37(6):720-730