Abraumförderbrücke F60

Die Museums-F60 in Lichterfeld, Aufnahme über die gesamte Länge

Die Abraumförderbrücke F60 ist eine Förderbrücke, die vom ehemaligen VEB TAKRAF Lauchhammer gebaut wurde und im Lausitzer Braunkohletagebau zum Einsatz kommt. Sie ist die größte bewegliche technische Arbeitsmaschine der Welt. Als Abraumförderbrücke transportieren sie den Abraum, der über dem Kohleflöz lagert. Die ursprünglich maximale Abtragsmächtigkeit beträgt 60 Meter, daher auch die Bezeichnung F60. Mit einer Länge von 502 Meter wird sie auch als liegender Eiffelturm bezeichnet. Insgesamt ist sie bis zu 80 Meter hoch und 240 Meter breit. Im betriebsfähigen Zustand wiegt die Abraumförderbrücke (ohne Bagger) 13.500 Tonnen.

Im Lausitzer Braunkohlerevier sind heute noch drei F60 in Betrieb: in den Braunkohletagebauen Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde. Anfang 2024 wurde die im Tagebau Jänschwalde im Einsatz befindliche F60 nach rund 47 Jahren Betriebszeit außer Betrieb genommen. Am 5. Februar 2026 wurde die Brücke schließlich gesprengt. Die fünfte und letzte gebaute Förderbrücke ist für Besucher begehbar und steht im Besucherbergwerk Abraumförderbrücke F60 bei Lichterfeld-Schacksdorf. Nach dem Ausbau von Baugruppen wiegt diese noch 11.000 Tonnen.

Technik

Die F60 hat zwei Fahrwerkskomplexe, die auf drei baggerseitigen und zwei kippenseitigen Gleisen in Normalspur fahren. Zusätzlich zu den zwei baggerseitigen Gleisen gibt es zwei Gleise für den Trafo- und Kabelwagen sowie für die angeschlossenen Eimerkettenbagger. Die Brücke läuft auf 760 Fahrwerksrädern, von denen 380 angetrieben werden. Die maximale Geschwindigkeit der F60 beträgt 13 m/min, die Arbeitsgeschwindigkeit 9 m/min.

Die Förderbrücke wird von zwei vorgelagerten Baggern der Bauart Es 3150 oder Es 3750 als „Zuarbeiter“ versorgt. Es befindet sich jeweils ein Bagger an den beiden Querförderern. Beide zusammen haben eine Förderleistung von etwa 17.000 m³/h (Es 3150) bzw. 23.000 m³/h (Es 3750). Auf der Brücke laufen neun verschiedene Abraumförderbänder mit einer Geschwindigkeit von bis zu 9 m/s.

Die elektrische Anschlussleistung der F60 inklusive der beiden Bagger beträgt 27.000 kW. Zum Fördern von einem Kubikmeter Abraum von der Baggerseite bis zum Versturz in 75 m Höhe werden 1,2 kWh Elektroenergie umgesetzt.

Die F60 in Nochten betreibt noch einen weiteren Bagger, der durch eine Zubringerbrücke direkt mit der Hauptbrücke gekoppelt ist. Durch diese Kombination wird die maximale Förderhöhe vergrößert und die maximale Förderleistung auf bis zu 25.600 m³/h (3 Bagger Typ Es 3150) bzw. 34.600 m³/h (3 Bagger Typ Es 3750) erhöht. Die F60 im Tagebau Welzow-Süd wurde 1977 zur Leistungssteigerung mit einer Zubringerbrücke, wie sie an der F60 im Tagebau Nochten im Einsatz ist, ausgerüstet. Dieser Zubringer wurde im Oktober des Jahres 2011 wegen der geänderten Abraumverhältnisse im Teilfeld Süd wieder demontiert und ist zur Verschrottung vorgesehen.

Gebaute Abraumförderbrücken vom Typ F60

Abraumförderbrücke F60 Nr. 32 im Tagebau Welzow-Süd, vor der Demontage des Zubringers
Abraumförderbrücke F60 Nr. 32 im Tagebau Welzow-Süd, ohne Zubringer
Abraumförderbrücke F60 Nr. 33 im Tagebau Nochten
Einsatz der Förderbrücke F60 Nr. 34 im Tagebau Jänschwalde
Abraumförderbrücke F60 Nr. 35 im Tagebau Reichwalde
Panorama der Förderbrücke F60 Nr. 36 im Besucherbergwerk in Lichterfeld

Siehe auch

Portal: Bergbau – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bergbau
Commons: Abraumförderbrücke F60 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten und Einzelnachweise

  1. ↑ Bergleute begehen feierlichen Schichtwechsel im Tagebau Jänschwalde, auf leag.de
  2. ↑ Tagebau Jänschwalde: Letzte Fahrt der Förderbrücke F60 – zum Schrottplatz der Grube, auf lr-online.de
  3. 1 2 Benjamin Kühn: Förderbrücke F60 im Tagebau Jänschwalde erfolgreich gesprengt. In: Niederlausitz aktuell. 5. Februar 2026, abgerufen am 5. Februar 2026.
  4. 1 2 Die Brücke im Detail. In: f60.de. Abgerufen am 24. Mai 2016.