Seitenwagen-Weltmeisterschaft

Seitenwagen-Weltmeisterschaft
Aktuelle Saison Seitenwagen-Weltmeisterschaft 2025
Fahrzeugtyp Motorradgespann
Land oder Region Weltmeisterschaft
Aktueller Name FIM Sidecar World Championship
Bisherige Namen FIM Superside Sidecar World Championship
Erste Saison 1949
Offizielle Website https://www.fim-moto.com/en/sports/view/fim-sidecar-world-championship-4332

Die Seitenwagen Weltmeisterschaft ist eine von der FIM ausgetragene internationale Weltmeisterschaft für Motorradgespanne. Die Serie wird vorwiegend auf Rennstrecken in Europa ausgetragen, in der Vergangenheit wurden aber auch Rennen in Laguna Seca, in Kyalami und auf Phillip Island ausgetragen.

Reglement

Seit der Saison 2017 sind nur Gespanne mit einem Hubraum von bis zu 600 cm³ zugelassen. Es dürfen nur Viertaktmotoren mit vier Zylindern eingesetzt werden, außerdem müssen sie von der FIM nach Supersport/Superstock 600-cm³-Reglement homologiert sein. Fahrer müssen 18 Jahre alt sein, Beifahrer dürfen ab 16 Jahren in der Seitenwagen-WM mitfahren.

2021 besteht ein Rennwochenende aus einem freien Training, zwei Qualifyings, einem Warm-up und zwei Rennen. Die Renndistanz beider Rennen liegt je zwischen 70 und 85 Kilometern. Alle Rennen werden für die Gesamtwertung gewertet, das Team mit den meisten Punkten wird Weltmeister.

Geschichte

Prägende Jahre

Als die Seitenwagen-Weltmeisterschaften 1949 entstand, wurde sie von eindeutigen, orthodoxen Outfits dominiert, bei denen ein Beiwagen an einem herkömmlichen Solo-Motorrad befestigt war. Starrheit und Festigkeit der Maschinen wurden kaum verstanden und Vorkriegsmaschinen wurden als „Gerüste auf Rädern“ beschrieben. Die weitere Entwicklung basierte auf der Gewichtsreduzierung, der Entwicklung einer flachen Plattform für den Beifahrer und der Verringerung des Luftwiderstands um das Seitenwagenrad und an der Vorderseite des Seitenwagens. Als sich die Entwicklung von Vollverkleidungen auf Solomaschinen als erfolgreich erwies, um den Luftwiderstand zu verringern, war es naheliegend, ähnliche stromlinienförmige Gehäuse für die Seitenwagen anzupassen. In den folgenden Jahren veränderte sich die Position von Fahrer und Beifahrer. Der Schwerpunkt verlagerte sich nach unten, um die Kurvengeschwindigkeiten zu erhöhen.

Technischer Fortschritt

Ab 1977 gab es eine Abkehr von der traditionellen Technik, die die Beiwagen-Technologie bis zu diesem Zeitpunkt unterstrichen hatte. Es begann, als George O’Dell die Meisterschaft mit einem Hub-Center-Lenkseitenwagen (gebaut von Rolf Biland) namens Seymaz gewann. O’Dell gewann, obwohl die Seymaz während der Saison selten gefahren wurde, da er zum Großteil des Jahres einen traditionellen Windle-Rahmen verwendete. 1978 gewann Biland die Meisterschaft mit einem BEO-Yamaha TZ500-Beiwagen, der im Grunde ein Trike mit Heckmotor und Heckantrieb war.

1979 reagierte die FIM auf diese technologischen Innovationen, indem sie die Beiwagenmeisterschaft in zwei Wettbewerbe aufteilte:

Bruno Holzer gewann die B2B-Meisterschaft mit einem Beiwagen von LCR-BEO-Yamaha, der das Motorradfahren eher zum Autofahren machte, da die Maschine einen Fahrersitz, ein Lenkrad und Pedale hatte. Es erforderte auch kaum die Beteiligung des Beifahrers, der nur flach auf der Passagierplattform liegen musste.

Aufgrund der revolutionären Änderungen, die die Konstrukteure an ihren Maschinen vorgenommen hatten, verbot die FIM 1980 alle Beiwagen-Prototypen, weil sie befürchtete, dass die Entwicklungen die Passagiere zu nicht aktiven Teilnehmern machten und die Maschinen nicht mehr wie Motorräder aussahen.

Ein Jahr später hob die FIM jedoch seine Entscheidung auf und erzielte nach Protesten der Teams einen Kompromiss. Prototypen dürfen nach folgenden Regeln fahren:

Die Regeln 1981 blieben weitgehend unverändert. Zum Beispiel sind Trikes immer noch verboten. Es gab jedoch einige Änderungen und Lockerungen der Regeln. In den späten 1990er Jahren erlaubte die FIM am Vorderrad eine Federung im Automobilstil (z. B. Querlenker). Ebenso dürfen Seitenwagen, die außerhalb der technischen Regeln liegen, an Rennen teilnehmen, aber ihre Ergebnisse und Punkte gehen nicht in die Wertung ein.

Nach den FIM-Bestimmungen kniet der Fahrer vor dem Motor, mit den Händen in der Nähe des Vorderrads, während sich der Beifahrer hinten über die Plattform bewegt und sein Gewicht je nach Kurve von links nach rechts und nach vorne oder hinten verlagert, um die Traktion zu verbessern. Der Beifahrer hilft dem Fahrer auch beim Driften und ist normalerweise die erste Person, die Motorprobleme bemerkt, da er sich neben dem Motor befindet, während sich der Fahrer davor befindet. Die beiden müssen zusammenarbeiten, um ein erfolgreiches Team zu sein. Heutzutage ist es üblich, den Fahrer den „Piloten“ zu nennen, während der Passagier als „Beifahrer“ oder „Co-Pilot“ betitelt wird. Weit verbreitet ist auch die Bezeichnung „Schmiermaxe“.

Traditionelle Beiwagenrennen sind in mehreren Ländern nach wie vor beliebt, insbesondere in Großbritannien, wo sie als Formel-2-Gespanne (600-cm³-Motoren) bekannt sind. Sie werden im Allgemeinen bei Straßenrennen wie der Isle-of-Man-TT-Rennen eingesetzt. Trotz ihrer niedrigeren Höchstgeschwindigkeiten behalten diese Maschinen bessere Kurvengeschwindigkeiten als 1.000-cm³-Gespanne.

Heutiges Zeitalter

Tim Reeves mit Grégory Cluze 2016 in Oschersleben

Zwischen 1981 und 2016 waren Superside-Maschinen als Formel-1-Beiwagen bekannt, die ein unverändertes Grunddesign aufwiesen. Diese modernen High-Tech-Maschinen sind nur durch die Klassifizierung der von ihnen verwendeten Motoren mit Motorrädern verbunden. Alle Chassis sind speziell gebaut, die Reifen sind breit und haben ein flaches Profil.

Der erfolgreichste Beiwagenrennfahrer in der Superside war Steve Webster, der zwischen 1987 und 2004 vier Weltmeisterschaften und sechs Weltcups gewonnen hat. Bis 1996 startete die Seitenwagen-WM im Rahmen der Motorrad-Weltmeisterschaft, anschließend gastierte sie bei der Superbike-WM und wurde später eigenständig. Das erfolgreichste Chassis ist LCR, der Schweizer Beiwagenhersteller, dessen Gründer Louis Christen zwischen 1979 und 2006 35 Meisterschaften gewonnen. Der BMW Rennsport RS54-Motor gewann von 1955 bis 1973 19 Konstrukteurstitel hintereinander, er ist damit der erfolgreichste Motor der Seitenwagen-WM.

2014 gewann zum ersten Mal eine Maschine mit Kawasaki-Antrieb den Titel. Tim Reeves und Gregory Cluze beendeten einen elfjährigen Suzuki-Lauf. Reeves ist bis heute achtfacher Seitenwagen-Weltmeister.

2016 wurde Kirsi Kainulainen als erste Frau Motorrad-Weltmeisterin, sie war Passagierin von Pekka Päivärinta.

Im Jahr 2017 wurde der Hubraum der F1-Beiwagen von 1000 cm³ auf 600 cm³ reduziert. Dies war eine bewusste Anregung der FIM, um mehr Teilnehmer zu gewinnen, die immer noch das traditionelle F2-Chassis bevorzugten. Durch die Reduzierung der Motorgröße hoffte man, dass dies einen gleichberechtigten Wettbewerb bedeuten würde. Trotzdem wurde die Meisterschaft 2017 immer noch von Wettbewerbern dominiert, die das F1-Chassis verwendeten. Das bestplatzierte F2-Team war das von Eckart Rösinger und Steffen Werner die mit ihrer Baker-Suzuki auf Platz 12 landeten.

Im Jahr 2025 siegten zunächst das Duo Payne / Rousseau. Nach technischer Prüfung wurde ihnen jedoch dies jedoch revidiert und so ging der Titel an die Brüder Sam und Tom Christie.

Gespann-Weltmeister

JahrFahrer / BeifahrerHersteller
1949  Eric Oliver /  Denis JenkinsonNorton
1950  Eric Oliver / Italien Lorenzo DobelliNorton
1951  Eric Oliver / Italien Lorenzo DobelliNorton
1952  Cyril Smith / Vereinigtes Königreich Bob ClementsNorton
1953  Eric Oliver / Vereinigtes Königreich Stan DibbenNorton
1954  Wilhelm Noll /  Fritz CronBMW
1955  Willi Faust /  Karl RemmertBMW
1956  Wilhelm Noll /  Fritz CronBMW
1957  Fritz Hillebrand / Deutschland Manfred GrunwaldBMW
1958  Walter Schneider / Deutschland Hans StraußBMW
1959  Walter Schneider / Deutschland Hans StraußBMW
1960  Helmut Fath / Deutschland Alfred WohlgemuthBMW
1961  Max Deubel / Deutschland Emil HörnerBMW
1962  Max Deubel / Deutschland Emil HörnerBMW
1963  Max Deubel / Deutschland Emil HörnerBMW
1964  Max Deubel / Deutschland Emil HörnerBMW
1965  Fritz Scheidegger / Vereinigtes Königreich John RobinsonBMW
1966  Fritz Scheidegger / Vereinigtes Königreich John RobinsonBMW
1967  Klaus Enders / Deutschland Ralf EngelhardtBMW
1968  Helmut Fath /  Wolfgang KalauchURS
1969  Klaus Enders / Deutschland Ralf EngelhardtBMW
1970  Klaus Enders /  Wolfgang Kalauch bzw. Deutschland Ralf EngelhardtBMW
1971  Horst Owesle / Deutschland Julius Kremer bzw. Vereinigtes Königreich Peter RutterfordURS
1972  Klaus Enders / Deutschland Ralf EngelhardtBMW
1973  Klaus Enders / Deutschland Ralf EngelhardtBMW
1974  Klaus Enders / Deutschland Ralf EngelhardtBMW
1975  Rolf Steinhausen / Deutschland Josef HuberBusch-König
1976  Rolf Steinhausen / Deutschland Josef HuberBusch-König
1977  George O’Dell / Vereinigtes Königreich Kenny Arthur bzw. Vereinigtes Königreich Cliff HollandSeymaz-Yamaha /
Windle-Yamaha
1978  Rolf Biland / Vereinigtes Königreich Kenny WilliamsTTM-Yamaha /
BEO-Yamaha
1979 (Kat. B2A)  Rolf Biland / Kurt WaltispergSchmid-Yamaha
(Kat. B2B)  Bruno Holzer / Karl MeierhansLCR-Yamaha
1980  Jock Taylor /  Benga JohanssonWindle-Yamaha
1981  Rolf Biland / Kurt WaltispergLCR-Yamaha
1982  Werner Schwärzel / Deutschland Andreas HuberSeymaz-Yamaha
1983  Rolf Biland / Kurt WaltispergLCR-Yamaha
1984  Egbert Streuer / Niederlande Bernard SchniedersLCR-Yamaha
1985  Egbert Streuer / Niederlande Bernard SchniedersLCR-Yamaha
1986  Egbert Streuer / Niederlande Bernard SchniedersLCR-Yamaha
1987  Steve Webster / Vereinigtes Königreich Tony HewittLCR-Yamaha
1988  Steve Webster / Vereinigtes Königreich Tony HewittLCR-Yamaha
1989  Steve Webster / Vereinigtes Königreich Tony HewittLCR-Krauser
1990  Alain Michel / Vereinigtes Königreich Simon BirchallLCR-Krauser
1991  Steve Webster / Vereinigtes Königreich Gavin SimmonsLCR-Krauser
1992  Rolf Biland / Kurt WaltispergLCR-Krauser
1993  Rolf Biland / Kurt WaltispergLCR-Krauser
1994  Rolf Biland / Kurt WaltispergLCR-ADM
1995  Darren Dixon / Vereinigtes Königreich Andy HetheringtonWindle-ADM
1996  Darren Dixon / Vereinigtes Königreich Andy HetheringtonWindle-ADM
1997  Steve Webster / Vereinigtes Königreich David JamesLCR-ADM
1998  Steve Webster / Vereinigtes Königreich David JamesLCR-Honda
1999  Steve Webster / Vereinigtes Königreich David JamesLCR-Suzuki
2000  Steve Webster / Vereinigtes Königreich Paul WoodheadLCR-Suzuki
2001  Klaus Klaffenböck / Österreich Christian ParzerLCR-Suzuki
2002  Steve Abbott / Vereinigtes Königreich Jamie BiggsWindle-Yamaha
2003  Steve Webster / Vereinigtes Königreich Paul WoodheadLCR-Suzuki
2004  Steve Webster / Vereinigtes Königreich Paul WoodheadLCR-Suzuki
2005  Tim Reeves / Vereinigtes Königreich Patrick FarranceLCR-Suzuki
2006  Tim Reeves / Vereinigtes Königreich Patrick FarranceLCR-Suzuki
2007  Tim Reeves / Vereinigtes Königreich Patrick FarranceLCR-Suzuki
2008  Pekka Päivärinta / Timo KarttialaLCR-Suzuki
2009  Ben Birchall / Vereinigtes Königreich Tom BirchallLCR-Suzuki
2010  Pekka Päivärinta /  Adolf HänniLCR-Suzuki
2011  Pekka Päivärinta /  Adolf HänniLCR-Suzuki
2012  Tim Reeves / Vereinigtes Königreich Ashley HawesLCR-Suzuki
2013  Pekka Päivärinta /  Adolf HänniLCR-Suzuki
2014 (F1)  Tim Reeves / Frankreich Gregory CluzeLCR-Kawasaki
(F2)  Tim Reeves / Frankreich Gregory CluzeDMR
2015 (F1)  Bennie Streuer / Niederlande Geert KoertsLCR-Suzuki
(F2)  Tim Reeves / Vereinigtes Königreich Patrick FarranceDMR-Honda
2016 (F1)  Pekka Päivärinta / Kirsi KainulainenLCR-BMW
(F2)  Ben Birchall / Vereinigtes Königreich Tom BirchallLCR-Honda
2017  Ben Birchall / Vereinigtes Königreich Tom BirchallLCR-Yamaha
2018  Ben Birchall / Vereinigtes Königreich Tom BirchallLCR-Yamaha
2019  Tim Reeves / Vereinigtes Königreich Mark WilkesAdolf RS-Yamaha
2020 Saison abgesagt wegen COVID-19-Pandemie
2021  Markus Schlosser / Marcel FriesLCR-Yamaha
2022  Todd Ellis / Frankreich Emmanuelle ClémentLCR-Yamaha
2023  Todd Ellis / Frankreich Emmanuelle ClémentLCR-Yamaha
2024  Harry Payne / Frankreich Kevin RousseauARS-Yamaha
2025  Sam Christie /  Tom Christie CES-Yamaha

Notizen

Einzelnachweise

  1. ↑ BMW Group: Historic world championship title for BMW sidecar Duo Pekka Päivärinta/Kirsi Kainulainen. www.press.bmwgroup.com, 19. Juni 2016, abgerufen am 6. April 2021.
  2. ↑ Rudi Hagen: Neues Reglement: Ab 2017 nur noch 600 ccm erlaubt. www.speedweek.com, 27. August 2016, abgerufen am 6. April 2021.
  3. ↑ Rowena Hinzmann: FIM Sidecar: Payne/Rousseau wird WM-Titel aberkannt. In: EURO MOTO. 18. November 2025, abgerufen am 7. April 2026.