Die Freie Universität Bozen (englischFree University of Bozen-Bolzano; italienischLibera Università di Bolzano; ladinischUniversitá Liedia de Bulsan), 1997 in Bozen gegründet, umfasst fünf Fakultäten. Im Gegensatz zu anderen Universitäten in Italien wird sie nicht vom italienischen Staat, sondern von der Autonomen Provinz Bozen– Südtirol betrieben und finanziert. Sie gehört zusammen mit den Universitäten Innsbruck und Trient zu den größten Bildungseinrichtungen der Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino. Neben ihrem Hauptsitz in Bozen unterhält die Universität auch einen Standort in Brixen. Zudem ist die Hochschule mit mehreren Einrichtungen am NOI Techpark Südtirol vertreten.
Siegel der Universität
Die Universität bietet ihre Lehrveranstaltungen in den verschiedenen Studiengängen auf Deutsch, Englisch und Italienisch an. Außerdem werden an der Fakultät für Bildungswissenschaften einzelne Lehrveranstaltungen in ladinischer Sprache angeboten. Die Studienbewerber müssen sich sprachlichen Aufnahmeverfahren unterziehen.
Geschichte
Rektoratsgebäude in BozenUniversitätsbibliothek in Bozen
Die Gründung der Universität durch die Südtiroler Landesregierung erfolgte 1997 mit zwei Fakultäten, jener für Wirtschaftswissenschaften in Bozen und jener für Bildungswissenschaften in Brixen. Der Gründungsakt wurde am 31.Oktober unterzeichnet. 1998 wurde die Bibliothek der Freien Universität Bozen eröffnet. Es folgten die jeweils in Bozen angesiedelten Fakultäten für Informatik (2001), für Design und Künste (2002) und zuletzt die Fakultät für Naturwissenschaften und Technik (2007). Von 2001 bis 2027 bot die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften einzelne Studiengänge an einem dritten Standort in Bruneck an. 2023 wurden die Fakultäten für Informatik und Naturwissenschaften und Technik restrukturiert und in die zwei neuen Fakultäten für Ingenieurwesen und Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften überführt.
Der innerstädtisch gelegene Gebäudekomplex in Bozen zwischen Universitätsplatz, Sparkassenstraße und Spitalgasse, der auch das Rektoratsgebäude im Alten Krankenhaus umfasst, wurde von den Zürcher Architekten Matthias Bischoff und Roberto Azzola geplant, die 1998 einen international ausgeschriebenen Architekturwettbewerb für sich entscheiden konnten; errichtet bzw. adaptiert wurden die Baulichkeiten in vier Baulosen von 2000 bis 2010. Der Brixner Standort wurde ebenfalls als Ergebnis einer internationalen Auslobung nach einem Entwurf der Stuttgarter Architekten Regina Kohlmayer und Jens Oberst von 2001 bis 2004 erbaut. Der Bau des Gebäudes der Fakultät für Ingenieurwesen als Teil des NOI Techparks im Industriegebiet Bozen erfolgte von 2022 bis 2024.
Bachelor in Kommunikations- und Kulturwissenschaften
Master in Bildungswissenschaften für den Primarbereich
Master in Soziale Arbeit und Sozialpolitik
PhD in Bildungs- und Sozialwissenschaften
PhD in Linguistik
Forschungszentren
2004 wurde das Kompetenzzentrum Sprachen eingerichtet, das sich mit Spracherwerb, Sprachenlernen und generell mit mehrsprachigen Interaktionsformen befasst. Von 2013 bis 2024 bestand an der unibz auch das Zentrum für Regionalgeschichte, dessen Leitung der Historiker Oswald Überegger innehatte.
Rankings
In den THE World University Rankings lag die Freie Universität Bozen 2021 in der Platzgruppe 401–500, im Jahr 2024 in der Platzgruppe 351–400.
Die Wahlen der Studentenvertreter finden im Regelfall alle zwei Jahre statt. Sie können jedoch auch zwischen zwei Wahlterminen im Zeitraum von November bis Januar auf Antrag der Studentenvertreter ausgerufen werden, wenn Ämter unbesetzt sind. Gewählt werden gemäß der Wahlordnung in der Fassung vom Oktober 2010 studentische Vertreter für den Universitätsrat (ein Sitz), den Senat (zwei Sitze – einer für Bozen, einer für Brixen), die Fakultätsräte (zehn Sitze, zwei pro Fakultät), die Studiengangsräte sowie den Beirat für Chancengleichheit (zwei Sitze). Die ersten Studentenvertreterwahlen haben 2002 stattgefunden.
Kikero
Kikero (Eigenschreibweise kikero) ist ein Freizeit- und Kulturverein, der bereits kurz nach Gründung der Universität ins Leben gerufen wurde. Er organisiert regelmäßige Veranstaltungen wie beispielsweise den Debattierclub und feste jährliche Projekte wie den Universitätsball. Auch das Print-Magazin flyer wird von kikero herausgegeben.
S.C.U.B.
Der Sports Club University Bolzano kümmert sich um die Organisation regelmäßiger sportlicher Aktivitäten und Trainings. Einmal im Jahr werden die Bolzano Snowdays veranstaltet, zu denen Studenten aus zahlreichen Universitäten Europas eingeladen werden. Mit dabei waren unter anderem Studenten von Universitäten aus Spanien, Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien.
Südtiroler HochschülerInnenschaft
Die Südtiroler HochschülerInnenschaft ist die größte Südtiroler Studentenvertretung. Neben dem Hauptsitz in Bozen gibt es sieben Außenstellen in großen Universitätsstädten in Österreich und Italien. Die sh.asus wurde 1955 gegründet, das Hauptaugenmerk der Tätigkeit ist die gewerkschaftliche Interessensvertretung der in Südtirol Studierenden und der Südtiroler Studierenden im Ausland. Die sh.asus definiert sich als interethnischer Verein.
Literatur
Universitas est: Essays und Dokumente zur Bildungsgeschichte in Tirol/Südtirol – Saggi e documenti sulla storia della formazione in Tirolo/Alto Adige – Essays and documents on the history of education in Tyrol/South-Tyrol – Articui y documenc sun la storia dla formazion tl Tirol/Südtirol, hrsg. von Hans Karl Peterlini und Hannes Obermair, 2 Bde., Bozen: Bozen-Bolzano University Press – Edition Raetia 2008, 972 S. mit zahlreichen Abb. ISBN 978-88-7283-316-2
Jens Woelk: Forschung und Lehre in Südtirol: Europäische Akademie und Freie Universität Bozen. In: Die Verfassung der Südtiroler Autonomie, Baden-Baden: Nomos 2005, S. 435–448.
Klaus Kempf, Franz Berger:The Library as a Service Point. The Case of the Bozen University Library: Planning, Building, Financing. In: LIBER Quarterly. Band10, Nr.2. K. G. Saur, 2000, ISSN1435-5205, S.108–116 (englisch, Seitenansicht[abgerufen am 17.September 2022]).
Christine Plieger-De Biasi, Thomas Simma: Freie Universität Bozen – Libera Universita di Bolzano – Free University of Bozen/Bolzano. The Architecture Competition for the Main Site, Wien/Bozen: Folio 1998. ISBN 978-3-85256-105-9
↑Universität.In:provinz.bz.it.Südtiroler Landesverwaltung,abgerufen am 15.Mai 2021.
↑Genehmigung der Vereinbarung "Bildungs- und Forschungsplattformen" zwischen der Autonomen Provinz Bozen Südtirol und der Freien Universität Bozen. Beschluss der Südtiroler Landesregierung.