Falkensteinkirchlein

Wallfahrtskirchlein auf der Falkensteinwand

Das Falkensteinkirchlein am Wolfgangsee ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche in der Gemeinde Sankt Gilgen im Bezirk Salzburg-Umgebung, die Unserer Lieben Frau und dem hl. Wolfgang geweiht ist. Das Kirchlein auf der Falkensteinwand, dem markanten Felsabbruch in den Wolfgangsee, ist der Hauptpunkt einer Gruppe von Gedenkkapellen entlang des St.-Rupert-Pilgerweges von Sankt Gilgen nach St. Wolfgang im Salzkammergut.

Geschichte

Eine Wolfgangskapelle auf dem Falkenstein wurde 1350 das erste Mal urkundlich erwähnt. 1626 ließ der Salzburger Pfleger von Hüttenstein, Johann Wilhelm Lueger, um eine Höhle in der Falkensteinwand mit einer Durchschlupfstelle, einem sogenannten Schliefstein, die heutige Kirche erbauen. Im 16. Jahrhundert war der Falkenstein eine der wichtigsten Pilgerstätten Europas. In Spitzenjahren waren etwa 300.000 Pilger am Falkenstein. Die Pilger durchschloffen die Durchschlupfstelle ungeschaut und ungeschrien, das heißt ohne zurückzuschauen und schweigend. Von einem Schliefstein hieß es, dass auch der „Dickste, wenn er frei von Sünden ist,“ durch ihn hindurchkomme. Schwangere erhofften sich eine leichtere Entbindung. Um 1692 wurde das Kirchlein erneuert. Restaurierungen waren 1923, 1937 und 1958.

Von 1659 bis 1811 lebten Einsiedler in der Nähe der Kirche. Auf der Lichtung unterhalb des Kirchleins wurde die Fundamente einer Klause entdeckt (2012), welche ehemals mit zwei Eremiten besetzt war.

Architektur

Abgegitterter Chor mit Altar

Die an einen Felsabbruch seitlich angebaute Kirche umfasst eine Unterkonstruktion mit einem darüberliegenden Saalbau mit einem Chor mit Rundbogenfenstern und einem Dachreiter. In der Längsachse schließt ein Anbau mit einem Stiegenhaus mit Rundbogenfenstern unter einem Pultdach an. Dem Saalraum des Kirchleins mit einem Kreuzgratgewölbe folgt ein eingezogener Triumphbogen und dahinter ein querrechteckiges Chorjoch mit einer eingezogenen Halbkreisapsis. Der Plattenboden der Kirche mit Rotmarmor zeigt bei der Stufe zum Chor die Jahresangabe 1692. Die seitliche Mauer ist in voller Höhe mit Rundbogenarkaden zur Felswand geöffnet und wird durch einen breiten schräg auch in den Saalraum hineinstehenden Stiegenaufgang durchbrochen, welcher zur erhöht gelegenen Felsnische führt, mit einem Raum analog eines Oratoriums mit einem Rundbogenfenster zum Chor.

Ausstattung

Der Altar um 1630 ist eine freistehende Säulenädikula mit Sprenggiebel und seitlichen Ornamentflügeln in Schwarz-Gold-Fassung. Das Altarbild zeigt Christus und die Heiligen Maria und Wolfgang über Wolfgangspilgern. Es stammt von Adam Pürkmann und wurde um 1630 gemalt.

Weitere Wegkapellen am Falkenstein

Brunnkapelle

Literatur

Commons: Falkensteinkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hrsg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 280.
  2. ↑ Franz Lindenmayr: Lochsteine und Durchkriechbräuche. Der „Teigstein“ und der heilige Wolfgang. In: lochstein.de. Abgerufen am 25. August 2023.
  3. ↑ Falkenstein bei St. Wolfgang, Salzburg. In: sagen.at. Abgerufen am 25. August 2023.
  4. ↑ Emmanuel Hessler (Europakloster Gut Aich): Der Mensch beseelt die Pilgerwege (Memento vom 8. Mai 2014 im Internet Archive). Referat anlässlich eines Projekttreffens des europäischen Jakobsweges in Eugendorf
  5. ↑ Grabungsleiter Wolfgang Neubauer: Archäologische Grabungen am Falkenstein in St. Gilgen brachten Fundamente und Keller einer vergessenen Klause ans Tageslicht. Salzburger Landeskorrespondenz, 18. Juli 2012.
  6. ↑ Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden, Band 5, Wien 1958, S. 158.

Koordinaten: 47° 45′ 37,3″ N, 13° 23′ 58,5″ O