Familienzentrum

Familienzentren (oder: Kinder- und Familienzentren) bieten für Kinder, Eltern und Familien Angebote einer leicht zugänglichen Unterstützung und Förderung. Der Begriff Familienzentrum bezieht sich in dieser Definition auf Kindertagesstätten, die Knotenpunkte in einem Netzwerk bilden, das Kinder individuell fördert sowie Familien umfassend berät und unterstützt. Ziel ist die Zusammenführung von Bildung, Erziehung und Betreuung als Aufgabe der Kindertageseinrichtungen mit Angeboten der Beratung und Hilfe für Familien.

Um Wirkung im Sozialraum zu entfalten, sollten Familienzentren zentraler Bestandteil der kommunalen Kinder- und Jugendhilfeplanung sein. Kinder- und Familienzentren sind Bildungs- und Erfahrungsorte, die an nachbarschaftliche Lebenszusammenhänge anknüpfen, Selbsthilfepotentiale von Eltern aktivieren und soziale Netzwerke unterstützen und fördern. Das Bildungs- und Beratungsangebot sollte sich jeweils an den konkreten Bedürfnissen vor Ort orientieren. Das bedeutet, dass Familienzentren sehr unterschiedliche Angebote für spezifische Zielgruppen entwickeln.

Ziele von Kinder- und Familienzentren

Formen von Kinder- und Familienzentren

Es können verschiedene Modelle von Kinder- und Familienzentren unterschieden werden, unter anderem "Alles unter einem Dach", Lotsenmodell und Verbundmodell. Zumeist werden im Rahmen des Ausbaus einer bestehenden Kindertageseinrichtung zum Kinder- und Familienzentrum sowohl eigene familien- und sozialraumorientierte Angebote entwickelt und darüber hinaus die Kooperation mit externen Fachkräften angestrebt, z. B. mit Familienbildungseinrichtungen, Vereinen oder Erziehungsberatungsstellen.

Fördermodelle nach Bundesländern

Die Entwicklung von Kinder- und Familienzentren bezieht sich u. a. auf die Early Excellence Centres im Vereinigten Königreich. Vorbild für das erste deutsche Familienzentrum, das 2001 vom Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus eröffnet wurde, war das Familienzentrum Pen Green im englischen Corby. Ein anderes frühes Modellprojekt, „Mo.Ki – Monheim für Kinder“, wurde 2002 mit der Zielsetzung Armutsprävention gestartet. Die nordrhein-westfälische Initiative wurde 2004 mit dem ersten Deutschen Präventionspreis ausgezeichnet. Unabhängig davon wurde bereits 1996 in Brüggen am Niederrhein der Verein Familienzentrum e. V. (eine private Initiative, die bereits seit 1990 unter dem Namen „Kinderzentrum“ bestand) gegründet, mit der Zielsetzung, Bildungs-, Betreuungs- und Beratungsangebote für die ganze Familie innerhalb und außerhalb der Gemeinde anzubieten. Im Sommer 1997 eröffnete der Verein die Einrichtung Familienzentrum Vennmühle mit zunächst zwei Kindergartengruppen, Spiel- und Krabbelgruppen. In den Jahren danach wurde das Angebot sukzessive erweitert.

Inzwischen existieren in Deutschland zahlreiche niedrigschwellige Angebote für Kinder und Familien. Familienzentren werden unter verschiedenen Namen in unterschiedlichen Organisationsformen und Zielgruppen initiiert.

Viele Bundesländer haben eigene Fördermodelle für den Aufbau von Familienzentren entwickelt.

Familien- und sozialraumorientierte Angebote

Kinder- und Familienzentren orientieren sich jeweils an den konkreten Bedarfen des Sozialraums, die kontinuierlich erhoben werden.

Im Zentrum der Bemühungen um die Förderung der Kinder stehen bisher im Vordergrund:

Das Angebot für Eltern und Familien konzentriert sich in Familienzentren auf:

Qualifizierung und Interessensvertretung

Um den vielfältigen Anforderungen in Kinder- und Familienzentren gerecht zu werden, kommt der Fort- und Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte immer größere Bedeutung zu. Die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie bietet Weiterbildungen zur Multiplikator/in Familienzentrum im Odenwaldinstitut an: Die Heinz und Heide Dürr Stiftung sowie die Karl-Schlecht-Stiftung unterstützen Weiterbildungen in Berlin und Stuttgart zur Berater/-in für Early Excellence Centres an.

Der Bundesverband Familienzentren wurde 2012 gegründet und hat folgende Ziele:

Literatur

Familienzentrum allgemein

Praxisbezogen

Fachzeitschriften

Einzelnachweise

  1. ↑ vgl. Holz u. a. 2005
  2. ↑ zu Organisationsformen von Kinder- und Familienzentren vgl. ausführlich Schlevogt, in: Schlevogt/Vogt 2014, S. 14 ff.
  3. ↑ vgl. Schlevogt, in: Schlevogt/Vogt (Hg.) (2014), S. 11f
  4. ↑ Rheinische Post vom 25. August 1997
  5. ↑ https://familienzentrum-vennmuehle.de
  6. ↑ vgl. Schlevogt, in: Schlevogt/Vogt (Hg.) (2014), S. 18 ff.
  7. ↑ zu Sozialraum- und Bedarfsermittlung vgl. Schlevogt, in: Schlevogt/Vogt 2014, S. 63 ff.
  8. ↑ Weiterbildungen im Odenwaldinstitut:https://www.odenwaldinstitut.de/kursleitende/kollegium/schlevogt
  9. ↑ vgl. https://early-excellence.de/
  10. ↑ https://www.bundesverband-familienzentren.de/