
Fanny van Hees (geboren 8. Oktober 1817 in Köln; gestorben 6. Juni 1870 in Iserlohn) war eine deutsche Lehrerin, die sich für die Schulbildung von Mädchen einsetzte und in Iserlohn eine Höhere Mädchenschule gründete.
Fanny van Hees wurde am 8. Oktober 1817 in Köln als zehntes Kind des Ehepaares Johann Herrmann Ludwig van Hees und Johanna Caroline Francke geboren. Ihre Mutter war die zweite Frau des Fabrikanten van Hees. Fanny van Hees wuchs in bürgerlichen Verhältnissen in Köln, Barmen, Essen und Solingen auf. Aus ihren Aufzeichnungen lässt sich schließen, dass sich ihre Eltern zeitweise getrennt hatten, jedoch nicht geschieden waren. Die Grundschule besuchte sie in Köln und als sie 10 Jahre alt war in Essen, in der sie auch das Nähen lernte. Zwei Jahre später verließ sie diese Schule. Wie ihre älteren Schwestern Juliane und Henriette Caroline musste sie ab einem Alter von etwa 13 Jahren durch Näharbeiten zum Familieneinkommen beitragen. Ihre Mutter zog mit ihr zurück nach Barmen, als sie 14 Jahre alt war und ein Jahr später 1832 wurde sie dort konfirmiert. Die Familie lebte auch da in Armut. Ihre Schwester Henriette Caroline lebte in Wald bei Solingen und besuchte dort die Schule, vermutlich das Lehrerinnenseminar und Fanny van Hees besuchte sie regelmäßig.
1833 wurde sie nach Roetgen bei Aachen zu Verwandten als Haushaltshilfe geschickt. Dort erkrankte sie schwer und ihre Mutter holte sie 1834 wieder ab und brachte sie zurück nach Wald, zu ihrer Schwester Henriette. Sie kehrte zu Ostern 1835 zurück nach Barmen, zu ihren Eltern, die wieder zusammen lebten. Ihr Mutter war schwer erkrankt und Fanny van Hees übernahm die Führung des Haushaltes und die Pflege der Mutter. Ihre Mutter starb zu Pfingsten 1835. Danach nahm sie mehrere Stellungen bei Verwandten als Pflegekraft an und 1836 kam sie vermutlich erstmals nach Iserlohn, dort kümmerte sie sich um die Mutter ihres späteren Schwagers und nach deren Tod kehrte sie zu ihrer Schwester nach Wald zurück. Nachdem diese geheiratet hatte und nach Solingen gezogen war, zog auch Fanny van Hees dorthin, bis sie erneut eine Anstellung in Iserlohn fand. Nach etwa sechs Jahren in Iserlohn, holte ihr Bruder Gustav van Hees sie 1845 nach Paris, wo er seit 1833 als Privatlehrer gearbeitet hatte. Für Fanny van Hees war dies eine gute Gelegenheit die Sprache zu lernen und weitere Studien zu betreiben.
In Paris lebte sie bei ihrem Bruder und seiner Frau. Diese führten dort ein Café und ihr Bruder arbeitete daneben weiter als Privatlehrer. Fanny van Hees jedoch fiel zunehmend ihrem Bruder zur Last, sie hatte kein eigenes Einkommen und es fiel ihr auch schwer, die französische Sprache zu erlernen und eine Anstellung zu bekommen. So kehrte sie 1846 schließlich nach Deutschland zurück. Ihr Schwager, der Mann ihrer Schwester Henriette, hatte ihr eine Stellung in einer Jungenschule in Mönchengladbach besorgt. Dort stand sie einer Gruppe von 53 Personen als Haushälterin vor. Nach einem Jahr verließ sie die Schule und nahm eine Stelle in einem privaten Haushalt an. Nachdem es zu Zerwürfnissen mit der Frau des Hauses gekommen war, kehrte sie zu ihrer Schwester zurück.
1849 zog Fanny van Hees erneut nach Iserlohn. Dort bot sie, mithilfe ihres Vetters, des Justizrates Franz Ludwig Nohl, Mädchen aus bestem Haus Nähunterricht an. Dafür inserierte sie auch im Iserlohner Wochenblatt. Schulbildung für Mädchen war zu der Zeit noch sehr randständig. In der Zeit nach 1848 gab es einige Versuche eine Schule für höhere Töchter in Iserlohn zu gründen. Fanny van Hees reichte diesbezüglich 1852 einen Antrag ein, in dem sie erklärte, eine Schule für Mädchen eröffnen zu wollen, die bereits die Elementarschule besucht haben. Diesem Antrag legte sie eine Liste von Iserlohner Bürgern bei, die ihr ihre Töchter anvertrauen würden. Eine Ausbildung zur Lehrerin hatte Fanny van Hees vermutlich nicht. Sie erhielt die Genehmigung für eine Höhere Töchterschule in Iserlohn am 22. Juni 1852.
Am 5. Juli 1852 wurde die Höhere Töchterschule eröffnet. Zu den Fächern gehörten Religion, biblische Geschichte, Universalgeschichte, Deutsch, Englisch, Französisch, Rechnen, Geografie, Naturkunde, Schönschreiben, Gesang, Zeichnen und Handarbeiten. Dazu stellte sie eine examinierte Lehrerin ein, der Iserlohner Pfarrer Schrimpf übernahm den Religionsunterricht und der Konrektor der mittleren und höheren Stadtschule übernahm den Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern. Fanny van Hees selbst unterrichtete Handarbeiten und französische Konversation. Sie startete mit zwei Klassen in den Räumen ihrer eigenen Wohnung. Bereits ein Jahr später wurde die Schule erweitert, Räume wurden angemietet und weitere hauptamtliche Lehrerinnen wurden eingestellt. Die Schule wuchs beständig und 1864 wurde ein eigenes Schulgebäude in der Gartenstraße 33 errichtet. Im oberen Geschoss des Gebäudes befand sich eine Wohnung für Fanny van Hees, in der sie mit ihrem Bruder Gustav lebte, der nach dem Tod seiner Frau aus Paris nach Iserlohn gekommen war, um an ihrer Schule Französisch und Englisch zu unterrichten. Gustav van Hees veröffentlichte auch Lehrbücher für den französischen Unterricht und Besprechungen zu Kunst- und Theateraufführungen sowie Essays zu politischen Themen in der Iserlohner Tageszeitung.
Nachdem sie 17 Jahre die Schule geleitet hatte, gab sie aus gesundheitlichen Gründen die Führung der Schule an den Pfarrer Friedrich Ernst Reinhrad Großcurth ab. Bereits am 16. April 1869 verkaufte sie die Schule mitsamt des Gebäudes für 7800 Taler an den Magistrath der Stadt Iserlohn. Als ehemalige Direktorin wurde ihr eine Pension von 250 Talern zugesagt, welche ihr jedoch von der Regierung in Arnsberg nicht ausgezahlt wurden.
Fanny van Hees starb am 6. Juni 1870 in Iserlohn. Ihr Vermögen hinterließ sie ihrem Bruder Gustav, der dadurch ein ordentliches Auskommen hatte. Ihre Schule entwickelte sich weiter und ist heute das Gymnasium An der Stenner.
Fanny van Hees wurde im Rahmen des Projekts Frauenorte in die Liste der FrauenOrte NRW aufgenommen. In Iserlohn wurde vor ihrem Wirkungsort, der Gartenstraße 33, 58636 Iserlohn, am 26. September 2026 eine Gedenktafel eingeweiht.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hees, Fanny van |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Lehrerin |
| GEBURTSDATUM | 8. Oktober 1817 |
| GEBURTSORT | Köln |
| STERBEDATUM | 6. Juni 1870 |
| STERBEORT | Iserlohn |