Fausto De Stefani

Fausto De Stefani (* 11. März 1952 in Asola) ist ein italienischer Extrembergsteiger. Er wird von verschiedenen Seiten als der sechste Mensch und der zweite Italiener nach Reinhold Messner geführt, der alle Achttausender der Erde bestiegen hat, was ihm im Zeitraum von 1983 bis 1998 gelang; jedoch nicht generell anerkannt wird. De Stefani engagiert sich im sozialen und ökologischen Bereich.

Werdegang

De Stefani wuchs in der Po-Ebene in der Provinz Mantua auf. Als Kind waren die Berge für ihn ein ferner Horizont, der sich am Profil des Monte Baldo abzeichnete. Ein Ort, der ihn faszinierte und der sein Reisefieber weckte. Verstärkt wurde seine Leidenschaft für das Reisen durch die Begegnung mit dem Obdachlosen Mandelo, die De Stefani selbst mehrfach als die wichtigste seines Lebens bezeichnet hat. Mandelo hatte die Gabe, unglaubliche und spannende Geschichten von Abenteuern an den entlegensten Orten der Erde zu erzählen, auch wenn er sich wahrscheinlich nie weiter als ein paar Kilometer von Asola entfernt hatte. Von seinen Geschichten angeregt, begann Di Stefano mit seinen Freunden die Bergwelt zu erkunden. Von zu Hause wanderten sie zu Fuß bis auf den Monte Baldo, später bis zum Adamello.

Noch nicht 20 Jahre alt, unternahm er seine ersten Klettertouren in der Brenta und innerhalb weniger Jahre kletterte er den 6. Schwierigkeitsgrad. 1972 wurde er Regional-Trainer für Klettern in Fels und Eis und 1981 Trainer für Bergsteigen des Club Alpino Italiano (CAI).

De Stefani bewegte sich zunächst in den West- und den Zentralalpen, auf denen er neue Routen öffnete. Ab 1979 dehnte er seinen Aktionskreis auf außereuropäische Gebiete aus, mit Besteigungen und Begehungen in Afrika, in Nord- und Südamerika sowie in Asien.

1983 bestieg er mit dem K2 seinen ersten Achttausender. In einer Seilschaft mit Sergio Martini gelang ihm dabei ohne Gebrauch von zusätzlichem Sauerstoff die erste Wiederholung des Nordgrates. Die Besteigung des Denali 1984 in Alaska war nur ein Zwischenspiel, da sein Interesse nun auf die Besteigung der anderen Achttausender fiel, die er in den folgenden Jahren mit Ausnahme des Mount Everest 1996, alle ohne zusätzlichen Sauerstoff und zum Teil im Alpinstil bestieg. Als letzten Achttausender gelang ihm 1998 die Besteigung des Kangchenjunga.

Neben seiner Aktivität als Bergsteiger engagiert sich De Stefani im sozialen und ökologischen Bereich. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der internationalen Umweltschutzorganisation Mountain Wilderness, der er in Italien mehrere Jahre als Präsident vorstand. Zudem organisierte er 1990 die Aktion Free K2, die den am K2 hinterlassenen Abfall sowie die zurückgelassene Ausrüstung früherer Expeditionen beseitigte. Als Atomkraftgegner setzte er sich zudem gegen den Bau von Kernkraftwerken in der Po-Ebene ein und ließ sich mit Antiatomkraftplakaten bei seinen Expeditionen fotografieren.

Im sozialen Bereich setzt er sich für eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Expeditionsträger ein. Seit 1996 unterstützt er zudem die Rarahil Memorial School, ein Schulprojekt in Kirtipur in Nepal, mit dessen Hilfe mehrere Schulen errichtet wurden. In öffentlichen Vorträgen und mit Veröffentlichungen versucht er, sein Publikum auf soziale und ökologische Themen aufmerksam zu machen.

Achttausender

Lhotse

Umstritten ist seine Besteigung des Lhotse zusammen mit Sergio Martini im Jahr 1997. Zwar wurde die Besteigung offiziell von nepalesischer Seite bestätigt, erscheint aber nicht im damals von Liz Hawley geführten Himalayan Database. Die von De Stefani und Martini vorgelegten Fotos und Beschreibungen wurden nie als ausreichend für eine Bestätigung ihrer Darstellung angesehen. Zudem behauptete ein ein paar Tage nach ihnen aufgestiegener koreanischer Bergsteiger, dass die Aufstiegsspuren der beiden vor dem eigentlichen Gipfel endeten.

Zehn Jahre später kehrte er zum Lhotse zurück. In einer Seilschaft mit Sergio Martini und Roberto Manni sollte erstmals die Überquerung Lhotse–Everest versucht werden. Bereits zu Beginn der Besteigung des Lhotse gab es einen ersten Zwischenfall, als der einzige Sherpa der Seilschaft zwischen Lager 3 und Lager 2 von einem Eisblock getroffen, tödlich verunglückte. De Stefani, Martini und Manni benötigten drei Tage, um den Leichnam ins Tal zu schaffen, wobei ihnen von entgegenkommenden im Aufstieg befindlichen Alpinisten und Sherpa keine Hilfe zuteilwurde. Auch wenn der Unfall sie psychologisch hart getroffen hatte, stiegen De Stefani und Manni wieder auf und erreichten Lager 4 auf 7700 m. Dort fanden sie eine junge italienische Alpinistin vor, die ohne Zelt aufgestiegen und am Ende ihrer Kräfte war. Sie nahmen sie in ihr Zelt auf und wachten die ganze Nacht neben ihr. Am anderen Morgen wagte Manni den Aufstieg zum Gipfel, während De Stefani zurückblieb, um Kräfte zu sammeln und am darauffolgenden Tag aufzusteigen. Am Nachmittag des gleichen Tages wurde er Zeuge, wie die bekannte nepalesische Alpinistin Pemba Doma 150 m vor seinem Zeltplatz ausrutschte und 1500 m in die Tiefe sürzte. Von diesem weiteren Schicksalsschlag getroffen, entschloss er sich nach einer weiteren Nacht im Lager 4 abzusteigen.

Weitere Begehungen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Tanti auguri di buon compleanno a Fausto De Stefani. In: montagna.tv. 11. Februar 2026, abgerufen am 18. Oktober 2026 (italienisch).
  2. ↑ Fausto De Stefani – CAAI – (1952-. In: angeloelli.it. Abgerufen am 21. Oktober 2026 (italienisch).
  3. 1 2 Fausto De Stefani. In: mountainwilderness.org. Abgerufen am 21. Oktober 2026 (englisch).
  4. 1 2 Francesco Romani: De Stefani, dramma a 8mila metri. In: gazzettadimantova.it. 28. Juni 2007, abgerufen am 21. Oktober 2026 (italienisch).
Personendaten
NAME De Stefani, Fausto
KURZBESCHREIBUNG italienischer Extrembergsteiger
GEBURTSDATUM 11. März 1952
GEBURTSORT Asola (Lombardei)