Dieser Artikel behandelt den Spruchdichter des 13. Jahrhunderts. Zum theologischen Konzept des Läuterungsorts siehe Fegefeuer, zu weiteren Bedeutungen siehe Fegefeuer (Begriffsklärung).
Fegfeuer (Vegeviur; fl. 13. Jahrhundert) war ein mittelhochdeutscher Sangspruchdichter.
Leben und Werk
Der Dichtername Vegeviur, vermutlich eine Anspielung auf seinen Dichter-Zeitgenossen Höllefeuer(Helleviur), erscheint ausschließlich in einem Basler Fragment, wo von ihm sieben Sangspruchstrophen überliefert sind (die letzte davon fragmentarisch). Karl Bartsch erkannte 1923, dass der Ton dieser Strophen mit dem von zehn in der Jenaer Liederhandschrift überlieferten Strophen übereinstimmt. Da in dieser Handschrift zwei Blätter verlorengegangen sind, die vermutlich den Dichternamen als Überschrift sowie die dem Ton zugehörende Melodie enthielten, waren diese Strophen in der älteren Forschungsliteratur fälschlich dem Corpus des voranstehenden Dichters Gervelin zugeschlagen worden, wie Gustav Roethe schon 1887 richtig vermutet hatte. Seit Bartsch’ Fund gilt es als erwiesen, dass diese Strophen ebenso wie vier weitere auf einen zweiten Ton dem Fegfeuer/Vegeviur zuzuschreiben sind.
In einem Sängerstreit gegen den Marner tritt Fegfeuer als dessen Verteidiger gegen eine Polemik des Meißners in Erscheinung.
Literatur
Textausgaben
Friedrich Heinrich von der Hagen: Minnesinger. Deutsche Liederdichter des zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, aus allen bekannten Handschriften und früheren Drucken … Band 3. Leipzig 1838, S. 35–38 (Textarchiv– Internet Archive unter dem Namen „Meister Gervelin“).
Wolfgang von Wangenheim: Das Basler Fragment einer mitteldeutsch-niederdeutschen Liederhandschrift und sein Spruchdichter-Repertoire (Kelin, Fegfeuer) (= Europäische Hochschulschriften. 55). Lang, Bern/Frankfurt a. M. 1972, S. 154–230.
Wolfgang von Wangenheim: Das Basler Fragment einer mitteldeutsch-niederdeutschen Liederhandschrift und sein Spruchdichter-Repertoire (Kelin, Fegfeuer) (= Europäische Hochschulschriften. 55). Lang, Bern/Frankfurt a. M. 1972, DNB720138132.
Udo Gerdes: Fegfeuer. In: Kurt Ruh u.a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 2: Comitis, Gerhard – Gerstenberg, Wigand. De Gruyter, Berlin 1980, ISBN 978-3-11-007699-8, Sp. 714 f. (auch online, Verfasser-Datenbank).
Christoph Fasbender: Fegfeuer. In: Killy Literaturlexikon – Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. 2. Auflage. Band 3: Dep – Fre. De Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-020376-9 (auch online, Killy Literaturlexikon).
Florian Altenhöfer: Fegfeuer. In: Wolfgang Achnitz (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das Mittelalter. Reihe: Lyrik (Minnesang – Sangspruch – Meistergesang) und Dramatik. Band 4. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-598-24993-8 (auch online, Deutsches Literatur-Lexikon online).
↑Karl Bartsch: Untersuchungen zur Jenaer Liederhandschrift (= Palaestra. 140). Mayer & Müller, Leipzig 1923, S. 47, 50 f., 110–112; archive.org.
↑Friedrich Heinrich von der Hagen: Minnesinger. Deutsche Liederdichter des zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, aus allen bekannten Handschriften und früheren Drucken … Band 4. Leipzig 1838, S. 711 (Textarchiv– Internet Archive).
↑Gustav Roethe: Die Gedichte Reinmars von Zweter. S. Hirzel, Leipzig 1887, S. 185 f. (Digitalisatin der Google-Buchsuche).
↑Burghart Wachinger: Sängerkrieg. Untersuchungen zur Spruchdichtung des 13. Jahrhunderts (= Münchener Texte und Untersuchungen. Band 42). Beck, München 1973, ISBN 3-406-02842-X, S. 158–160.