Felicia Pratto

Felicia Pratto (* 29. April 1961 in Boulder) ist eine US-amerikanische Psychologin und Professorin an der University of Connecticut.

Leben

Sie wurde als Tochter von David John and Marlene Rose (geb. Massaro) Pratto in Colorado geboren. Sie studierte von 1979 bis 1983 an der Carnegie Mellon University und erwarb hier ihren Bachelor of Science (BS) in Psychologie. Hier arbeitete sie mit der Psychologin Susan Fiske über die öffentliche Wahrnehmung eines Atomkriegs zusammen. Es folgte ab 1984 ein M.A.-Studium an der New York University und 1988 promovierte sie unter der Mentorschaft von John A. Bargh hier zum Ph.D. in Social and Personality Psychology.

Von 1987 bis 1990 war sie als Lecturer an verschiedenen Colleges tätig (u. a. San Jose State University, College of the Holy Names of Jesus and Mary, California State University, East Bay, San Francisco State University). Von 1990 bis 1997 war sie Assistant Professor an der Stanford University. Seit 1998 ist sie Professorin an der University of Connecticut.

Werk

Sie forscht zu den Themen Macht, Beziehungen zwischen Gruppen, Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen und Immigranten, Diskriminierung sowie zur sozialen Kognition und den Folgen von Ungleichheit. Ihre Arbeit ist der Sozialpsychologie, der politischen Psychologie und verwandten Disziplinen zuzuordnen. Ihre Forschung behandelt auch eine Vielzahl realer Probleme, darunter Rassen- und Geschlechterdiskriminierung, Vorurteile, Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht in Kriegszeiten, Terrorismus und Terrorismusbekämpfung sowie die Arabischen Aufstände.

Sie hat mit Jim Sidanius die Theorie der sozialen Dominanz (Social Dominance Theory, SDT) entwickelt. Diese wurde zu einem einflussreichen Rahmenwerk zur Erklärung der Struktur und Aufrechterhaltung gruppenbasierter sozialer Hierarchien. Sie besagt, dass Gesellschaften Gruppenkonflikte minimieren, indem sie Mythen legitimieren, die soziale Hierarchien fördern; diese Tendenzen sind teilweise auf menschliche Evolutionsprozesse zurückzuführen.

Sie und ihre Kollegen haben auch ein Instrument zur Messung individueller Unterschiede hinsichtlich der Dominanzorientierung entwickelt, und zwar die sogenannte Soziale Dominanzorientierung Skala (Social Dominance Orientation, SDO). Diese Skala erfasst die Präferenz einer Person für Hierarchien in sozialen Gruppen im Vergleich zu Egalitarismus. Die SDO ist ein Instrument, um Vorhersagen der Theorie sozialer Dominanz in verschiedenen kulturellen und politischen Kontexten empirisch zu überprüfen und ist auch eines der am häufigsten verwendeten Messinstrumente für individuelle Unterschiede in der Vorurteilsforschung und der Untersuchung politischer Einstellungen.

Später verfeinerte sie ihre theoretischen Konzepte und entwickelte die sog. Machtbasistheorie (Power Basis Theory; vgl. hierzu auch die Machtbasentheorie). Macht wird verstanden als die Fähigkeit, die eigenen grundlegenden Überlebensbedürfnisse innerhalb einer gegebenen Umwelt zu befriedigen (etwa Ressourcen zu konsumieren, einer Gemeinschaft anzugehören). Macht ist dabei nicht primär sozial oder interpersonal, sondern sie ist ontologisch. In diesem psychoökologischen Modell werden die verschiedenen Formen von Macht (Materielle Macht, Soziale Macht, Wissensmacht, Moralische Macht, Physische Macht, Sexuelle/reproduktive Macht) untersucht und auch, wie das Umfeld die Wirksamkeit von Machtstrategien beeinflusst. Es verdeutlicht dabei das Zusammenspiel zwischen Individuen und sozialen Systemen. Eine zentrale Erkenntnis der Machttheorie ist die Fungibilität von Macht: Verschiedene Machtarten können ineinander umgewandelt werden (z. B. materielle Ressourcen in sozialen Einfluss oder Wissen in materielle Sicherheit).

Ihr Forschungsspektrum erweiterte sie um multinationale Vergleichsstudien. In einem solchen Projekt wurden antimuslimische Vorurteile in Ländern mit unterschiedlicher Einwanderungs- und Diversitätspolitik untersucht. Diese Arbeit, die 2014 mit dem Gordon-Allport-Preis für Intergruppenbeziehungen ausgezeichnet wurde, zeigte, wie nationale Politiken mit individuellen psychologischen Prädispositionen interagieren und Vorurteile prägen.

Sie wandte ihre theoretischen Modelle auch an, um bedeutende Weltereignisse zu verstehen. In einer Studie zur internationalen Reaktion auf den Arabischen Frühling nutzten sie und ihre Kollegen die Theorie der sozialen Dominanz und die Theorie der sozialen Identität, um zu erklären, warum Menschen in anderen Ländern sich an solidarischen kollektiven Aktionen beteiligten.

Sie erforschte auch automatische kognitive Prozesse, insbesondere das Phänomen der „automatischen Wachsamkeit“, bei der negative soziale Informationen die Aufmerksamkeit stärker auf sich ziehen als positive. Dieser Forschungsfrage verknüpft grundlegende kognitive Mechanismen mit sozialem Funktionieren und emotionalem Wohlbefinden.

Ihre Forschungsmethoden sind vielseitig und spiegeln ihr Engagement für eine angemessene Überprüfung ihrer Hypothesen wider. So verwendet sie Daten aus internationalen Umfragen, Laborexperimente mit interaktiven Spielen (z. B. wie Ungleichheiten in kontrollierten Interaktionen entstehen und aufrechterhalten werden) und vergleichende Feldstudien. Diese methodische Flexibilität stärkt die Validität und Reichweite ihrer Schlussfolgerungen und ermöglicht es ihr, Hypothesen von der Ebene der individuellen Kognition bis hin zu internationalen Beziehungen zu überprüfen.

Ehrungen/Positionen

Privates

Sie ist seit dem 6. September 1987 mit Thomas Anthony Wood verheiratet.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
Herausgeberschaften
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge

Einzelnachweise

  1. ↑ Felicia Pratto auf Social Psycholopgy Net, abgerufen am 9. September 2026.
  2. ↑ Felicia Pratto auf University of Connecticut, abgerufen am 9. September 2026.
  3. ↑ Felicia Pratto auf Päpstliche Katholische Universität von Peru, abgerufen am 9. September 2026.
Personendaten
NAME Pratto, Felicia
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Sozialpsychologin und Hochschullehrerin
GEBURTSDATUM 29. April 1961
GEBURTSORT Boulder