Lager (Statik)

Balken auf zwei Stützlagern (Auflager); links: Festlager; rechts: Loslager.
Die Abstützung auf den Spitzen der Dreiecksymbole drückt aus, dass das Lager Drehmomenten nicht entgegenwirkt, Drehungen also zulässt. Die kleinen Kreise auf den Spitzen deuten an, dass das Auflager als Drehlager anzusehen ist.

Lager im Sinne der Statik bzw. Baustatik sind abstrahierte Verbindungen zwischen einem Starrkörper (Tragwerk) und seiner Umgebung, mit deren Hilfe Bewegungen des Körpers eingeschränkt und Kräfte aufgenommen werden. Die vom Lager ausgehenden Kraftgrößen, die den Kräften und Momenten des Körpers entgegenwirken, werden als Lagerreaktionen bezeichnet (zu ihrer Berechnung siehe dort), siehe auch Actio und Reactio.

Lager, die zwei Körper bzw. Tragwerke miteinander verbinden, werden als Gelenke bezeichnet. Ein Lager, das alle auftretenden Kräfte aufnehmen kann, wird als (feste) Einspannung bezeichnet; siehe jedoch unten verschiebliche Einspannungen.

Nur wenn ein Tragwerk statisch bestimmt ist, lassen sich Lagerkräfte bzw. Reaktionen aufgrund der verschiedenen Lasten berechnen. Ein Tragwerk ist dann statisch bestimmt,

Lager unterscheiden sich durch ihre Wertigkeit, d. h. dadurch, wie viele verschiedene Grundkräfte sie aufnehmen können:

Lagerarten

2D-Lagerarten von Bernoulli-Stäben

Verwendete Formelzeichen:

Außerdem gilt für jede einzelne Randbedingung:

Am Beispiel des horizontal verschieblichen Auflagers:

SymbolRandbedingung in xRandbedingung in zRandbedingung um yWertigkeit
vers. Einspannung
N=0V=0φ=01 (M)
vert. Wegfeder
N=0V=k·wM=01 (V)
hor. vers. Auflager
N=0w=0M=01 (V)
hor. vers. Einspannung
N=0w=0φ=02 (V,M)
Drehfeder
N=0V=0M=c·φ1 (M)
vert. vers. Auflager
u=0V=0M=01 (N)
ver. vers. Einspannung
u=0V=0φ=02 (N,M)
Festlager
u=0w=0M=02 (N,V)
(feste) Einspannung
u=0w=0φ=03 (N,V,M)
gedrehtes Auflager
N+V=0,     u=wM=01 (V/N)

Alle Auflager in der Tabelle sind im Stabkoordinatensystem definiert und können in einem globalen Koordinatensystem beliebig orientiert sein. Das im Stabkoordinatensystem gedrehte Auflager (letzte Zeile der Tab.) soll exemplarisch verdeutlichen, dass alle Lager in beliebiger Orientierung verwendet werden können.

Eine Verschieblichkeit wird durch eine doppelte Linie symbolisiert, eine Verdrehbarkeit durch den Kreis an der Spitze eines Dreiecks. In der Realität sind alle Auflager nachgiebig und entsprechen einer gefederten Lagerung.

Im Maschinenbau sind Stäbe meistens statisch bestimmt gelagert, sodass Auflagersetzungen und -steifigkeiten keine Auswirkungen haben und somit eine Betrachtung als starres Auflager zulässig ist.

Im Bauwesen dagegen sind Tragwerke meist statisch überbestimmt. In der statischen Berechnung von Teilsystemen werden Nachgiebigkeiten von Auflagern dennoch oft vereinfacht als starr angenommen. In der statischen Berechnung treten somit häufig Einspannungen, feste und horizontal verschiebliche Auflager auf. Da Geschossdecken üblicherweise zweiachsig gespannt werden, ist oft eine 3-Dimensionale Berechnung notwendig. Im 3-Dimensionalen übernimmt man die 2D-Lagersymbole oft analog; da dies oft nicht eindeutig ist, beschreibt man hier oftmals die Rand- und Übergangsbedingungen.

3D-Lagerarten

Da es im Dreidimensionalen sechs Grundkräfte gibt, treten hier mehr unterschiedliche Lagerarten entsprechend den möglichen Kombinationen an Grundkräften auf – angefangen vom hochwertigsten Lager, der Einspannung mit Wertigkeit 6, bis zum einfachen Auflager, das nur die senkrechte (Gewichts-)Kraft („in den Boden“) aufnehmen kann.

Ein Rohr, das z. B. als Lager für einen dadurch geführten Rundstab dient, lässt einerseits eine Verschiebung in Achsrichtung des Rohres zu, andererseits eine Verdrehung um die Rohrachse. Da damit also die anderen vier der sechs Grundkräfte vom Rohr aufgenommen werden können (Bewegung entlang zwei Achsen sowie Verdrehung um zwei Achsen), handelt es sich hier um ein vierwertiges Lager.

Konzepte

Einspannung

Feste Einspannung

Eine (feste) Einspannung ist ein Lager, das sowohl Verschiebungen in alle drei Richtungen als auch Verdrehungen um alle drei Achsen im Lagerpunkt unterbindet, wie es beispielsweise beim Köcherfundament der Fall ist.

Verschiebliche Einspannung

Ein Loslager auf dem Mittelpfeiler einer Eisenbahnbrücke. Die Fahrbahn ruht verschieblich auf Stahlrollen.

Eine verschiebliche Einspannung ist eine Gleitführung, welches Verschiebungen (meist in eine oder zwei Richtungen), aber keine der drei Verdrehungen im Lagerpunkt zulässt.

Festlager (Fixlager) und Loslager (verschiebliches Lager)

Siehe auch: Fest-Los-Lagerung (Maschinenbau)

Ein Festlager unterbindet alle Verschiebungen und ermöglicht eine oder mehrere Verdrehungen im Lagerpunkt.
Damit ein Körper sich nicht dreht oder kippt, muss er neben dem Festlager zusätzlich noch gelagert werden:

Ein Loslager wird auch als verschiebliches Auflager oder Gleitlager bezeichnet. Es unterbindet eine oder zwei Verschiebungen (darunter gewöhnlich die Verschiebung durch die Gewichtskraft) und lässt die anderen Verschiebungen sowie eine oder mehrere Verdrehungen im Lagerpunkt zu.

Die Begriffe Fest- und Loslager werden meist im Zusammenhang verwendet. Beispielsweise wird eine drehbar gelagerte Welle gewöhnlich mit einem unverschieblichen Kugel- oder Gleitlager als Festlager ausgeführt, um zu verhindern, dass die gesamte Welle sich verschiebt. Weitere Lager der Welle werden hingegen als Loslager ausgeführt, um axiale Zwangsspannungen aufgrund der Wärmedehnung der Welle bei Temperaturveränderungen zu vermeiden. Aus dem gleichen Grund werden Fest- und Loslager im Brückenbau angewendet.

Eine Konstruktion, die durch entsprechende Anordnung von Fest- und Loslagern statisch bestimmt ist, lässt sich einfach berechnen, da keine Rücksicht auf zusätzliche Kräfte und Momente durch Zwangsspannungen in den Lagern genommen werden muss, wie sie bei der Belastung von statisch überbestimmten Tragwerken entstehen.

Fest- und Loslager mit Gelenk werden auch als unverschiebliche bzw. verschiebliche Gelenklager bezeichnet.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Baustatik 1 – Gelenke, In: Ingenieurkurse.de; abgerufen im März 2020.
  2. 1 2 Sigurd Falk: Biegen, Knicken und Schwingen des mehrfeldrigen geraden Balkens. In: Abhandl. Braunschweig. Wiss. Ges. Band 7, 1955, S. 74–92 (archive.org [PDF]).
  3. 1 2 Bernd Markert: Mechanik 1, Stereostatik, Statik starrer Körper. Aachen 2014, S. 73–77.
  4. ↑ Dietmar Gross, Werner Hauger, Jörg Schröder, Wolfgang A. Wall: Technische Mechanik 1. 2019, doi:10.1007/978-3-662-59157-4 (springer.com [abgerufen am 12. Oktober 2020]).