
Fia Wille, geborene Körting (* 24. Mai 1868 in Bentheim; † 20. September 1920 in Hannover) war eine deutsche Kunstgewerblerin und Innenarchitektin. Sie führte in Arbeitsgemeinschaft mit ihrem Mann Rudolf Wille ein Atelier für Innenausstattung in Berlin. Beide gehörten der Künstlergruppe Werkring an.
Fia Wille entstammte der Industriellenfamilie Körting, die bei Hannover die Maschinenfabrik Gebr. Körting AG gegründet hatte. Ihre Eltern waren Sophie Körting, geb. Pieper (1844–1922) und der Kommerzienrat Berthold Körting. In erster Ehe war sie seit 1889 mit dem Leutnant Georg Hugo Wilhelm Otto Dietlein verheiratet. Aus dieser Ehe stammten eine Tochter und drei Söhne (geboren 1890, 1891, 1895 und 1897). Im Jahr 1900 heiratete sie den Ingenieur Rudolf Georg Wille (1873–1950). Im März 1903 wurde die Tochter Rudifia geboren († 1941).
Fia Wille wurde in einer Kunstgewerbeschule ausgebildet. Ihr zweiter Mann war kunstgewerblicher Autodidakt. Das Paar entwickelte sich beruflich und künstlerisch gemeinsam fort. Zu ihren Arbeiten gehörten Stickereien, Buchzeichnungen, Möbelentwürfe und Inneneinrichtungen. Ab 1900 führten sie ein gemeinsames Atelier in der Kurfürstenstraße in Berlin-Tiergarten und lieferten in den darauf folgenden Jahren Entwürfe für Anbieter der modernen angewandten Kunst in Berlin, beispielsweise für das Hohenzollern-Kunstgewerbehaus, den Salon Keller & Reiner, das Kaufhaus A. Wertheim und die Möbelfabrik A. S. Ball. Von 1910 bis 1915 betrieben sie in der Lennéstraße in Berlin die Rudolf & Fia Wille GmbH, ein Geschäft für Kunstgewerbe und Innendekoration mit der Präsentation eigener Zimmereinrichtungen sowie von Ausstattungen nach Fremdentwürfen. Gemeinsam gestalteten und bauten Fia und Rudolf Wille ihr Wohnhaus, ein Landhaus am Wannsee, und entwarfen nach 1910 auch Häuser für Kunden. Das Ehepaar gehörte damit zu den Künstlerpaaren ihrer Zeit, die wie Anna und Hermann Muthesius oder Maria und Henry van de Velde eine private und künstlerische Gemeinschaft bildeten.
Rudolf und Fia Wille entwarfen anfangs in der Formensprache des Jugendstils. Sie gehörten neben Anton Huber, Alfred Grenander, Arno Körnig und Curt Stoeving zur Berliner Künstlergruppe Werkring. Im Jahr 1912 vertrat Fia Wille: „Kunstgewerbe bedeutet als erstes die Schaffung der guten Grundform, erwachsen aus der Technik und den Anforderungen des Gebrauchs.“ – eine Auffassung, die zu den Grundsätzen des Deutschen Werkbundes passte.
Fia Wille engagierte sich ab 1905 im neu gegründeten Deutschen Lyceumclub Berlin u. a. für die Förderung der Frauen in der Berufswelt. 1905 und 1906 gehörte sie zur ständigen Jury für Kunstgewerbe, die über die Teilnahme der Künstlerinnen an Ausstellungen entschied, 1906 übernahm sie deren Vorsitz. 1909 organisierte sie als Vorsitzende des Komitees die Weihnachtsausstellung weiblicher Kunstgewerblerinnen bei Keller & Reiner. 1910 und 1911 fanden die Winter- und Weihnachtsausstellungen im Atelier bei Rudolf und Fia Wille statt.
Mit ihren Entwürfen nahm Fia Wille an der von Hedwig Heyl 1912 initiierten Ausstellung Die Frau in Haus und Beruf in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten teil. Die Schau war als selbstbewusste Präsentation erwerbstätiger Frauen gedacht und wurde auch so wahrgenommen: „Die Ausstellung soll zeigen, wie das erweiterte Arbeits- und Schaffensgebiet, das die sozialen Umwälzungen unserer Zeit der Frau eröffnet und aufgenötigt haben, neue Kräfte in ihr auslösten und ihr auch ihre Verpflichtungen gegenüber dem öffentlichen Leben erst voll zum Bewußtsein brachten. Sie möchte beweisen, wie das Hineinwachsen der Frau in diese neuen Aufgaben auch das Gesamtleben vertieft und bereichert hat.“ Im zeitgleichen Deutschen Frauenkongress 1912 in den Zoohallen sagte Fia Wille in einem Vortrag: „Wie viele geheime Arbeiten werden geschaffen unter unwürdigen Bedingungen und minimalster Bezahlung, nur weil die Betreffenden glauben, ihre Standesrücksichten verlangen, dass sie sich nicht öffentlich gegen Zahlung betätigen dürften.“ Wille gestaltete für die Ausstellung die Klubempfangshalle, das daneben liegende Empfangszimmer und organisierte den Ausstellungsaufbau sowie die Ausschmückung der Hallen. Sie leitete zusätzlich die Abteilungen für Hauswirtschaft und gemeinsam mit Else Oppler die Sektion Kleidung.
Für einen Artikel über die Ausstellung Die Frau in Haus und Beruf wurde Wille bei der Arbeit über eine Architekturzeichnung gebeugt abgelichtet. Sie trägt auf dem Foto ein selbst entworfenes Reformkleid. Der Bildaufbau drückt Gelassenheit und berufliche Kompetenz aus. Auf einem weiteren Foto für die Zeitschrift Die Deutsche Frau ist sie mit Kind im Babyalter abgebildet. Damals ging man vielfach davon aus, dass Frauen unverheiratet und kinderlos sein mussten, um als Künstlerinnen erfolgreich zu sein. Diese zwei Fotografien in öffentlichen Medien wandten sich gegen diese Stereotype.
Auf der Bugra Leipzig 1914 war Fia Wille in der Sonderausstellung Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik gemeinsam mit Lina von Schauroth, Frankfurt a. M., und Margarete Brugmann, Leipzig, als Vorsitzende des Arbeitsausschusses Reklame und Werbemittel im Haus der Frau tätig. Alle Frauen verrichteten ihre Arbeit ehrenamtlich. Fia Wille entwarf außerdem die Inneneinrichtung für den Teeraum im Haus der Frau, der als Veranstaltungsraum und Treffpunkt fungierte.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wille, Fia |
| ALTERNATIVNAMEN | Körting, Fia (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Kunstgewerblerin und Innenarchitektin |
| GEBURTSDATUM | 24. Mai 1868 |
| GEBURTSORT | Bentheim |
| STERBEDATUM | 20. September 1920 |
| STERBEORT | Hannover |