Filip Dewinter

Dewinter (2015)

Philip „Filip“ Michel Frans Dewinter (* 11. September 1962 in Brügge) ist ein belgischer Politiker der rechtsextremen Partei Vlaams Belang (VB).

Er war von 1992 bis 2012 Fraktionsvorsitzender des Vlaams Blok bzw. nach der Umbenennung 2004 des Vlaams Belang im Flämischen Parlament. Von 2010 bis 2014 gehörte er dem Belgischen Senat und anschließend bis 2019 der Abgeordnetenkammer des belgischen Parlaments an. Seit 2019 ist Dewinter erneut Abgeordneter im Flämischen Parlament, von 2019 bis 2024 war er dessen Vizepräsident.

Werdegang

Seit seiner Schulzeit in Brügge ist Dewinter politisch aktiv. Er gründete 1978 als Sechzehnjähriger die Vlaamse Scholieren Actie Groep, die später zur Nationalistisch Jong Studentenverbond wurde. Ebenfalls 1978 trat er der kleinen rechtsextremen Vlaamse Volkspartij (VVP) bei, die im Jahr darauf im Vlaams Blok aufging. 1982 zog er nach Antwerpen, um dort Politik- und Sozialwissenschaft an der Universitaire Faculteiten Sint-Ignatius (Vorläuferin der Universität Antwerpen) zu studieren. Er wurde Mitglied der Nationalistischen Studentenverein (NSV). Zwei Jahre später wechselte er die Universität und studierte Journalistik an der Handelshochschule Erasmus.

Er machte schnell Karriere im Vlaams Blok. Als Spitzenkandidat und einziger Abgeordneter der damals noch kleinen Partei zog er 1985 in den Provinzrat von Antwerpen ein. Von 1987 bis 1990 war er erster Vorsitzender der Parteijugendorganisation Vlaams Blok Jongeren (VBJ). Bei der Wahl zur belgischen Abgeordnetenkammer 1987 steigerte sich der VB auf zwei Sitze und Dewinter zog als zweiter Abgeordneter seiner Partei (neben Gerolf Annemans) ins belgische Parlament ein, dem er bis 1995 angehörte.

Dewinter war ein Hauptverantwortlicher für die Verlagerung des VB-Parteiprogramms von flämischem Nationalismus zu Migrations- und Fremdenfeindlichkeit, nach dem Vorbild der französischen Front National unter Jean-Marie Le Pen. Diese Strategie zeigte erstmals im von ihm geführten Wahlkampf zur Gemeinderatswahl in Antwerpen 1988 und der belgischen Parlamentswahl 1991 Erfolg, bei denen VB deutlich erstarkte. Bei der Gemeinderatswahl in Antwerpen 1994 wurde der VB unter Dewinter mit 28 Prozent der Stimmen stärkste Kraft, er selbst war mit 42.000 Vorzugsstimmen der meistgewählte Kandidat. Die übrigen Parteien mussten eine „Monsterkoalition“ bilden, um den VB aus dem Bürgermeister- und Schöffenkollegium herauszuhalten.

1992 wurde Dewinter Fraktionsvorsitzender des Vlaams Blok im damals noch indirekt gewählten Flämischen Rat. In diesem Amt blieb er auch nach der Erweiterung der Kompetenzen der Regionen und Sprachgemeinschaften im seit 1995 direkt gewählten Flämischen Parlament während vier Legislaturperioden. Er behielt die Position auch nach der Umbenennung des Vlaams Blok in Vlaams Belang 2004. Von 2010 bis 2014 gehörte Dewinter als vom Flämischen Parlament delegiertes Mitglied auch dem belgischen Senat an.

Bei der belgischen Parlamentswahl 2014 zog er als Vertreter der Provinz Antwerpen erneut in die belgische Abgeordnetenkammer ein. Dort hatte der VB nach deutlichen Stimmenverlusten nur drei Abgeordnete. Bei der Flämischen Parlamentswahl 2019 gewann der VB stark hinzu und wurde zweitstärkste Kraft. Dewinter kehrte als Abgeordneter ins Flämische Parlament zurück und wurde zum ersten Vizepräsidenten des Parlaments gewählt. Dieses Amt hatte er bis 2024 inne.

Politische Ansichten

Als flämischer Nationalist lehnt er Belgien weitgehend ab und äußerte: „Es gibt keine belgische Identität, keine belgische Sprache, kein belgisches Volk.“ Zudem kritisierte er andere flämische Politiker, wie Jan Jambon, die seiner Meinung nach zu viele Kompromisse eingehen. Als Vorbilder nannte er 1992 u. a. Cyriel Verschaeve oder Auguste Borms.

Im Jahr 2010 nahm Dewinter an einer vom Likud organisierten Konferenz in Israel über den Kampf gegen den Terrorismus teil, zu der auch Geert Wilders und Heinz-Christian Strache erschienen. Er lehnt den sogenannten politischen Islam ab und fordert stattdessen einen europäischen Islam, der durch die Streichung von 164 Koranversen erreicht werden solle. Wiederholt setzte er dabei auf provokante Aktionen wie eine Buchpräsentation seines Werkes Leitfaden zum Widerstand gegen den Islam (Verzet! - Verzetgids tegen de islam) vor der Großen Moschee von Brüssel im Oktober 2017.

Am 6. November 1988 versuchten Dewinter und andere Vertreter seiner Partei auf den Deutschen Soldatenfriedhof Lommel zu gelangen, um dort der flämischen SS-Kollaborateure mit Blumen auf ihren Gräbern zu gedenken, was ihnen verwehrt wurde, da nur Deutsche Zutritt hatten. Vier Tage zuvor betonte er hingegen, nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun zu haben und verwies auf seine familiäre Vorgeschichte.

In einem Interview im März 2022 äußerte er u. a., dass er Europäer sei, aber die Europäische Union ablehne, die er als Feind ansehe, weil sie für Multikulturalismus stehe. Er machte die Europäische Union und Masseneinwanderung direkt für eine Infiltrierung durch den radikalen Islam und Terroranschläge in Europa verantwortlich. Er betonte, dass er unter Europa auch Staaten wie die Ukraine oder Russland verstehe, und dass diese Zivilisation christlich und weiß sei, sowie dass diese verteidigt werden müsse. Er lobte Politiker wie Viktor Orbán oder Janez Janša und behauptete, der russische Überfall auf die Ukraine bedeute den Sieg der Europäischen Union über seine Europa-Vorstellung, da europäische Staaten gegeneinander kämpfen würden. Er sprach sich gegen den Einfluss der USA oder Chinas in Europa aus. Die ukrainischen Flüchtlinge nannte er „echte Flüchtlinge“ und forderte, dass Flüchtlinge in ihren jeweiligen Erdteilen verbleiben sollten. Er kritisierte, Putin habe sich vom Nationalisten zum Imperialisten gewandelt, forderte aber neben Solidarität mit den Ukrainern auch, dass sich die USA, EU und NATO aus dem Konflikt raus halten. Zudem äußerte er, dass er fürchte, dass dies auch der eigenen flämischen Unabhängigkeitsbewegung für Jahrzehnte geschadet habe.

Anschlagsplan gegen Dewinter

Ein rechtsextremer Aktivist wurde 2014 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil er den Mord an Filip Dewinter geplant hatte und hoffte, Belgien in den Bürgerkrieg zu ziehen.

Familie

Dewinters Großvater mütterlicherseits war während des Zweiten Weltkriegs in der Résistance aktiv. Sein Vater, damals Medizinstudent, war NS-Zwangsarbeiter.

Dewinter ist verheiratet und Vater dreier Töchter. Seine Tochter Veroniek ist ebenfalls politisch aktiv, kandidierte für die Partei ihres Vaters und wirkte an der Dokumentation Terug naar eigen land (dt. Zurück ins Heimatland) mit.

Werke

Commons: Filip Dewinter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Dave Sinardet, Marc Spruyt: Dewinter, Filip, in: Encyclopedie van de Vlaamse beweging, Stand 2023.
  2. ↑ Philipp Dewinter. In: vlaamsparlement.be. Abgerufen am 14. März 2022.
  3. ↑ „Mijn hart bloedt wanneer ik Jan Jambon zie“ – Filip Dewinter. In: vlaamsparlement.be. 14. Dezember 2021, abgerufen am 14. März 2022 (niederländisch).
  4. ↑ Im Parteiblatt vom Dezember 1992 sowie während einer Debatte an der Universität Antwerpen.
  5. ↑ Dominique Vidal: Les yeux doux de Benyamin Nétanyahou à l’extrême droite européenne. In: orientxxi.info. 2. Oktober 2018, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 29. Mai 2019; abgerufen am 14. März 2022 (französisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. ↑ David J. Wertheim: Geert Wilders and the Nationalist-Populist Turn Toward the Jews in Europe. In: David J. Wertheim (Hrsg.): The Jew as Legitimation: Jewish-Gentile Relations Beyond Antisemitism and Philosemitism. Palgrave Macmillan, 2017, ISBN 978-3-319-42600-6, S. 284–288.
  7. ↑ Politie haalt Filip Dewinter weg van ingang Grote Moskee. In: bruzz.be. 12. Oktober 2017, abgerufen am 14. März 2022 (niederländisch).
  8. ↑ Filip Dewinter 'walgt' van het Nationaal socialisme. In: YouTube. 17. September 2007, abgerufen am 14. März 2022 (mit Ausschnitt des belgischen Fernsehens von dem Zwischenfall).
  9. ↑ Russian Aggression & Immigration Uncensored Interview with Right Wing EU Minister – Filip Dewinter. In: willy.beating cancer. YouTube, 12. März 2022, abgerufen am 14. März 2022 (Link zur Sprungstelle, ab der diese Ansichten geäußert werden).
  10. ↑ Quinze sympathisants nazis parmi les candidats Vlaams Belang. Radio-télévision belge de la Communauté française, 17. Februar 2014, abgerufen am 14. März 2022 (französisch).
  11. ↑ Veroniek Dewinter (23) op lijst Vlaams Belang. Het Laatste Nieuws, 13. Juni 2018, abgerufen am 14. März 2022 (niederländisch).
  12. ↑ „Veralgemenen is zo fout“: Zuhal Demir trekt lessen uit «Terug naar eigen land». Het Laatste Nieuws, 14. April 2016, abgerufen am 14. März 2022 (niederländisch).
Personendaten
NAME Dewinter, Filip
ALTERNATIVNAMEN Dewinter, Philip Michel Frans
KURZBESCHREIBUNG belgischer Politiker
GEBURTSDATUM 11. September 1962
GEBURTSORT Brügge