Als Fluchtbewegung, auch Flüchtlingsstrom, wird eine größere Anzahl von Personen bezeichnet, die aufgrund ähnlicher Umstände, insbesondere Krieg, religiöser, rassischer oder politischer Verfolgung, Naturkatastrophen, wirtschaftlicher Not oder anderer Gründe, freiwillig oder unfreiwillig, ihren Wohnort verlassen (Flucht). Große Fluchtbewegungen zumeist als Folge von Kriegshandlungen sind seit der Antike (Völkerwanderung, Kimbernkriege usw.) belegt. Dieser Artikel betrachtet lediglich Fluchtbewegungen seit dem Zweiten Weltkrieg.
Kriege, Bürgerkriege, Vertreibung, Verfolgung von Minderheiten (religiöse und ideologische Intoleranz) sowie Hungersnöte waren seit jeher die wesentlichen Gründe für die Flucht von Menschen.
In ihrem Jahresbericht 2014/2015 wies Amnesty International für das Jahr 2014 auf „Millionen von Menschen, die unter der Bedrohung durch Entführungen, Folter, sexualisierte Gewalt, Anschläge, Artilleriefeuer und Bomben auf Wohngebiete leben mussten“ und wies eindringlich darauf hin, dass sich die Natur vieler bewaffneter Konflikte verändert habe: Zunehmend gingen bewaffnete Gruppen, Milizen und Terrororganisationen gegen Zivilisten vor.
Auch nach Naturkatastrophen kommt es zu größeren Fluchtbewegungen (Umweltflucht). Ferner verschärfen Klimaveränderungen, sich wiederholende und verschärfende Extremwetterlagen auch im Zuge des weltweiten Klimawandels bestehende Konflikte und verursachen neue bzw. verstärken bestehende Fluchtbewegungen. Als Ursachen sind z. B. zu nennen: Wüstenbildung und zunehmende Dürre in der Landwirtschaft, Trinkwasserknappheit, starke tropische Wirbelstürme und extreme Regenmengen, steigender Meeresspiegel mit der Überflutung niedrig gelegener Landgebiete.
Die Anzahl der durch Naturkatastrophen in-die-Flucht-Getriebenen wird von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) für 2010 weltweit auf 42 Mio. Menschen geschätzt, eine Zahl, welche gegenüber den Vorjahren deutlich angestiegen ist.
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| Stand jeweils am Ende des Jahres nach UNHCR-Angaben zitiert. | ||||||||||||||||||||

Der größte Anteil der Flüchtlinge sind seit langem Binnenvertriebene (innerhalb des eigenen Landes vertriebene Menschen).
Ende 2018 waren insgesamt mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht – die höchste erfasste Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg. Bis Ende 2022 stieg die Zahl stetig weiter auf fast 110 Millionen.
Die Länder mit der größten Zahl Vertriebener im eigenen Land waren laut dem UNHCR Jahresbericht von 2014 (Stand: Ende 2014) Syrien (7,6 Millionen), Kolumbien (6 Millionen) und der Irak (3,6 Millionen).
Die Länder mit den größten Anteilen Vertriebener im eigenen Land von 2009 waren Kolumbien (3.304.000), Dem. Rep. Kongo (2.052.700), Pakistan (1.894.600), Irak (1.552.000), Somalia (1.550.000) und Sudan (1.034.100).
Laut einem Bericht von Amnesty International vom Oktober 2016, der sich auf Daten der Vereinten Nationen stützte, gab es insgesamt 21 Millionen Flüchtlingen weltweit, von denen 56 % von zehn direkt an Konfliktgebiete angrenzenden Ländern aufgenommen wurden: von Jordanien (2,7 Millionen), der Türkei (2,5 Millionen), Pakistan (1,6 Millionen), dem Libanon (mehr als 1,5 Millionen), dem Iran, Äthiopien, Kenia, Uganda, der Demokratischen Republik Kongo und dem Tschad.
Ende 2017 befand sich laut dem UNHCR-Bericht „Global Trends“ die höchste Zahl der unter dem UNHCR-Mandat aufgenommenen anerkannten Flüchtlinge in der Türkei (3.480.348), gefolgt von Pakistan (1.393.143), Uganda (1.350.504), Libanon (998.890), Iran (979.435), Deutschland (970.365), Bangladesch (932.216), Sudan (906.599), Äthiopien (889.412), Jordanien (691.023). Mit über 12,5 Millionen Flüchtlingen beherbergten diese zehn Staaten insgesamt etwa 63 % der unter dem UNHCR-Mandat aufgenommenen anerkannten Flüchtlinge.
Ende 2018 waren laut dem UNHCR-Bericht „Global Trends“ weltweit 20.117.541 Flüchtlinge gemeldet (Binnenflüchtlinge nicht mitgezählt), die fünf größten Aufnahmeländer waren die Türkei (3.681.685), Pakistan (1.404.019), Uganda (1.165.653), Sudan (1.078.287) und Deutschland (1.063.837). Die Türkei war zum fünften Jahr in Folge das Land mit der größten Zahl aufgenommener Flüchtlinge.
Die größten Fluchtrouten in die EU sind Stand 2023 die Mittelmeer-Route, die Balkan-Route und die Belarus-Route.
Umgangssprachlich und als politisches Schlagwort wird häufig die Metapher des „Flüchtlingsstroms“ verwendet. Unbildlich gesprochen bewegen sich Menschen und sind dabei von der Absicht geleitet, von A wegzukommen und nach B zu gelangen; sie „strömen“ oder „fließen“ nicht (anders als Wasser, das keine Absichten verfolgt, sondern ausschließlich auf von außen einwirkende Kräfte reagiert). Wenn ein Einzelner nicht „strömt“, dann „strömen“ viele Einzelne ebenfalls nicht. Die der Natur entnommenen Metaphern „Strom/Flut“, „Drama“ und „Erdbeben“ als Beschreibung des Verhaltens Flüchtender lösen nach Ansicht von Kritikern der Begriffe zwei unangemessene Gedanken aus: „Erstens hat die Katastrophe scheinbar keinen Urheber. Zumindest keinen, der erreichbar ist und auf E-Mails antwortet. Und zweitens: Flüchtlinge sind höheren Mächten ausgeliefert. Da können wir als EU nichts machen. ‚Sorry‘ lautet die Message.“
Nach Lann Hornscheidt von der Humboldt-Universität Berlin wirken solche Katastrophenvergleiche „auf einer unbewussten Ebene“ und lösen in den Menschen Ängste aus.
Auch viele Konservative haben Probleme mit dem Begriff „Flüchtlingsstrom“. Dieser Begriff ist für sie an sich positiv besetzt. Sie denken dabei an die große Zahl von deutschen Flüchtlingen und Vertriebenen, die ihre Heimat im Osten am Ende des Zweiten Weltkriegs bzw. kurz nach Kriegsende verlassen mussten bzw. als Flüchtlinge aus der SBZ oder der DDR verlassen haben, d. h. an zum Teil selbst erlittenes Leid bzw. das Leid von Familienangehörigen. Die betreffenden Personen empfinden zwar Empathie für das kollektive Schicksal vieler Deutscher im 20. Jahrhundert, nicht aber für die Lage der vielen nach Deutschland migrierenden „Fremden“. Deshalb wenden sie auf deren Migration nicht das Wort „Flüchtlingsstrom“ an.