Ablagerungsmilieu

Ablagerungsmilieu ist ein Begriff aus der Geologie, der die Umweltbedingungen beschreibt, unter denen ein Sediment abgelagert oder ein Fossil eingebettet wurde (Paläoumwelt). In der Fossilisationslehre spielt das Ablagerungsmilieu eine große Rolle, da das weitere Schicksal des Gesteins oder des Fossils (Diagenese, Epigenese usw.) davon abhängt. Als Bezeichnung wird ein Adjektiv in Kombination mit den Begriffen „Sediment“ oder „Ablagerungsgebiet“ verwendet. Der Begriff ist eng verwandt aber nicht deckungsgleich mit dem der sedimentären Fazies, der die Ausbildung eines Gesteins beschreibt, genauer Material, Struktur, Textur, Fossilinhalt usw., wobei alle diese Kriterien von den Umweltbedingungen im Ablagerungsraum abhängen.

Bezeichnungen

Folgende Attribute sind üblich, um Ablagerungsräume bzw. deren Sedimente näher zu charakterisieren:

  • submarin: Bezeichnung für Prozesse, Bildungen u. ä., die unterhalb der Meeresoberfläche auftreten.
  • litoral: der Bereich entlang der Küste sowie als Eigenschaftsbezeichnung für Formen, Kräfte und Vorgänge, die in Küstenbereichen in Erscheinung treten, beispielsweise Litoralfazies, Litoralsediment, Litoralfauna
    • sublitoral: in fast ständig vom Wasser bedeckten flachen Schelf unterhalb des Einflussbereichs der normalen Gezeiten
    • eulitoral: in der Gezeitenzone zwischen der Hoch- und Niedrigwasserlinie, im Einflussbereich der normalen Gezeiten
    • supralitoral: in der Spritzwasserzone oberhalb der Hochwasserlinie der normalen Gezeiten
    • epilitoral: im Einflussbereich des Meeresufers
  • tidal: im Einflussbereich der Gezeiten, hier auch
    • subtidal: unterhalb des Einflussbereichs der normalen Gezeiten
    • intertidal: im Einflussbereich der normalen Gezeiten
    • supratidal: oberhalb des Einflussbereichs der normalen Gezeiten
  • neritisch oder flachmarin: auf dem Schelf, bis 200 m Tiefe, relativ küstennah
  • pelagisch oder tiefmarin: Meeresbereiche mit mehr als 200 m Tiefe (äußerer Schelf, Kontinentalhang und Tiefseebecken), relativ küstenfern
    • hemipelagisch: die küstennahen pelagischen Meeresbereiche

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ alluvial. In: Lexikon der Geowissenschaften. Spektrum, abgerufen am 28. Januar 2022.
  2. 1 2 hier gelten ebenfalls die Uferbezeichnungen, die mit -litoral gebildet werden (siehe litoral)
  3. ↑ proglazial. In: Klimaanpassung online verstehen. Universität Halle, abgerufen am 5. Februar 2022.
  4. ↑ Lexikon der Geowissenschaften. Spektrum – Akademischer Verlag, Heidelberg u. a. 2000–2002.
  5. ↑ Erwin J. Hentschel, Günther H. Wagner: Zoologisches Wörterbuch. Tiernamen, allgemeinbiologische, anatomische, physiologische Termini und Kurzbiographien (= UTB. Band 367). 6., überarbeitete und erweiterte Auflage. Gustav Fischer Verlag, Jena 1996, ISBN 3-334-60960-X, S. 382.
  6. ↑ Hans Murawski, Wilhelm Meyer: Geologisches Wörterbuch. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Elsevier – Spektrum – Akademischer Verlag, München u. a. 2004, ISBN 3-8274-1445-8, S. 126.
  7. ↑ Hans Murawski, Wilhelm Meyer: Geologisches Wörterbuch. 12. Auflage, Spektrum Verlag, Heidelberg 2010, S. 98 (Stichwort litoral).