Flexarium

Ein Flexarium oder Netzterrarium ist ein Terrarium, das entweder als Alternative zum klassischen Terrarium zur dauerhaften Haltung von Reptilien, Insekten und anderen Wirbellosen oder zur Freilandhaltung im Sommer insbesondere von Reptilien eingesetzt werden kann. Während solche Terrarien in der Vergangenheit häufig Gaze-Terrarien oder Raupenkästen genannt wurden, wird heute häufiger der Name Aerarium verwendet, der sich auf die gute Luftzirkulation in solchen Behältern bezieht. Dieser Name bezeichnet aber ebenso das Aerarium populi Romani, kurz Aerarium, welches die antike römische Staatskasse meint.

Netzterrarium, hier für kleinere Nymphen von Wandelnden Blättern

Aufbau

Flexarien sind meist aus einem Gestell bzw. Gerüst und einem Netz aufgebaut. Das aus Gaze, Draht, oder Polyamid bestehende Netz ist auf ein meist quaderförmiges Gerüst aus Kunststoff, Holz oder einem leichten Metall aufgespannt. Eine spezielle Variante ist die Verwendung von flexiblem Manganstahl für das Gestell. Dieses besteht dann aus insgesamt sechs Ringen, die die Seiten des Gestells bilden und die sich ähnlich wie bei einem Wurfzelt zu einem Ring zusammenfalten lassen. Oft ist eine der Seitenflächen mit einer transparenten Folie bespannt. Öffnen lässt sich ein solches Flexarium entweder an einem seitlichen Reißverschluss oder bei stabileren Gestellen mittels einer Tür, die meist aus einer ganzen Seitenfläche besteht. Der Boden besteht entweder ebenfalls aus dem Netz oder einer Wanne aus stabilerem Material wie beispielsweise Polyvinylchlorid (PVC).

Vor- und Nachteile

Die Vorteile eines Netzterrariums sind die durch das Netz kommenden, natürlichen UVA- und UVB-Strahlen der Sonne und die gute Belüftung. Nachteile sind die sehr viel geringere Stabilität des leichten Aufbaus im Gegensatz zu Holz- oder Glasterrarien und die vergleichsweise geringe Reißfestigkeit des Polyamidgewebes.

Da diese Terrarien sehr offen sind, muss besonders auf die Luftfeuchtigkeit geachtet werden. Diese kann durch regelmäßiges Besprühen oder eine Beregnung geregelt werden. Je nach Tierbesatz, kann insbesondere beim Vorhandensein einer wasserdichten Bodenschale eine Bepflanzung erfolgen, die ebenfalls zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit genutzt werden kann. Auch eine zusätzliche Rückwand aus einem feuchtigkeitsspeichernden Material kann die Luftfeuchtigkeit beeinflussen. Außerdem reduziert sie die Fläche, durch die Feuchtigkeit entweichen kann.

Bei pflanzenfressenden Insekten besteht die Einrichtung häufig nur aus einem Gefäß, wie z. B. einer Blumenvase oder einem Blumentopf, und den entsprechenden Futterpflanzen. Gelegentlich wird noch ein Eiablagegefäß ergänzt.

Geeignete Tierarten

Tierarten, die gut in Netzterrarien gehalten werden können, sind entweder sehr anspruchslos oder sie benötigen viel Frischluft oder viel UV-Strahlung in Form von ungefiltertem Sonnenlicht. So sind insbesondere Reptilien wie Chamäleons, aber auch Insekten, wie beispielsweise viele Gespenstschrecken, Fangschrecken oder Schmetterlinge, sowie andere Wirbellose wie bestimmte Schnecken-Arten für die Haltung in derartigen Terrarien geeignet. Der früher häufig verwendete Name Raupenkasten bezieht sich auf die gute Eignung derartiger Terrarien zur Aufzucht von Schmetterlingsraupen, wobei die Terrarien ebenso für deren Puppenstadium und zur Haltung und Verpaarung der adulten Schmetterlinge geeignet sind.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Claudia Heßler, Ingrid & Rudolf Bischoff: PraxisRatgeber: Mantiden - Faszinierende Lauerjäger. 2. Auflage. Edition Chimaira, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-930612-45-8 (formal falsch), S. 83–88.
  2. 1 2 3 Erich Kleinsteuber: Kleintiere im Terrarium. 1. Auflage. Urania Verlag, Leipzig, Jena, Berlin 1998, ISBN 3-332-00273-2, S. 23–37.
  3. 1 2 3 Siegfried Löser: Exotische Insekten, Tausendfüßer und Spinnentiere. 1. Auflage. Ulmer Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-8001-7239-9, S. 30 & 64.
  4. ↑ Friedrich Wilhelm Henkel & Wolfgang Schmidt: Taschenatlas: Wirbellose für das Terrarium. 1. Auflage. Ulmer Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8001-5156-1, S. 4–7.
  5. ↑ Oliver Zompro: Grundwissen: Phasmiden, Biologie - Haltung - Zucht. 1. Auflage. Sungaya Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-943592-00-9, S. 22–24.
  6. ↑ Ira Maria Helene Roth: Tierärztliche Bestandsbetreuung von Reptilien: Terraristik und Artenportraits, Ein Online - Tutorial. 2022.