Flintenweib

Propagandafoto der deutschen Wehrmacht mit sowjetischen Gefangenen. Die NS-Original­beschrei­bung bezeichnet die abgebildete Frau als „Flintenweib und zugleich Sowjet­kommissarin, die als die verbissensten Heckenschützen die Sowjetsoldaten bis zum letzten Widerstand antreiben“.
Wehrmachtssoldaten mit einem gefangen genommenen „Flintenweib“, Russland, 1942

Flintenweib ist eine umgangssprachliche abwertende Bezeichnung für eine waffentragende, im übertragenen Sinn auch für eine herrschsüchtige, egoistische und rücksichtslose Frau, die in ihrer Beziehung dominiert und nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen.

Wortursprung

Der Begriff tauchte erstmalig im Ersten Weltkrieg auf, als deutsche Soldaten in Russland nach der Februarrevolution 1917 auf Frauenbataillone trafen.

Im Deutsch-Sowjetischen Krieg (1941 bis 1945) wurden weibliche Kämpfer für die Rote Armee – ob Partisaninnen oder Soldatinnen – von der NS-Propaganda abschätzig als „Flintenweiber“ bezeichnet. Diese Wortbildung ist mitunter bis heute noch für Frauen in der Armee gebräuchlich. Auch das Feuilleton glossiert streitbare Politikerinnen in ironischer Anspielung an den Begriff.

Verwendung als Feindbild

Die abwertende Wahrnehmung kämpfender Frauen beruhte auf dem in europäischen Armeen traditionell unerwünschten Status von Frauen als Kombattanten, verbunden mit dem nationalsozialistischen Rollenverständnis der Frau als Ehegattin und Mutter. Es widersprach sowohl den traditionellen deutschen Militärvorstellungen als auch der NS-Ideologie, dass Frauen in den Kampf zogen. Als Kämpferinnen wurden sie als besonders grausam und unmenschlich im Vergleich zu den Männern eingestuft.

In den Befehlen der Wehrmacht wurden sie oft als „entartete Weiber“ statt als Soldatinnen betrachtet. Es wurde ihnen vorgeworfen, die Männerordnung des Militärs zu zerstören und die Kampfkraft der Armee zu untergraben.

Das Feindbild vom Flintenweib beeinflusste sehr schnell Formulierungen in Abwehrberichten, Propagandaartikeln und Feldpostbriefen. Bei Gefangennahme wurden sie oft erschossen; wenn sie die Gefangennahme überlebten, wurde ihnen der Status Kriegsgefangener vorenthalten, sie wurden aber zur Zwangsarbeit herangezogen.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Was ist ein Flintenweib? Woher kommt der Begriff? Bedeutung, Herkunft, Definition. In: bedeutungonline.de. Abgerufen am 19. August 2026.
  2. ↑ Flintenweib. In: Dictionary of war. Abgerufen am 23. August 2026.
  3. ↑ Arno Orzessek: Mit „Flinten-Uschi“ auf dem Minenfeld des Sexismus. In: deutschlandfunk.de. 11. Juli 2019, abgerufen am 20. August 2026.
  4. ↑ Die Frau im Schützengraben, Beitrag von Michaela Scharf in: Die Welt der Habsburger (Internetportal der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft).
  5. ↑ Luisa Eckert: Das Feindbild „Flintenweib“. Eine genderperspektivische Betrachtung des Kombattantinnenstatus sowjetischer Soldatinnen. In: Portal Militärgeschichte. 22. Januar 2024, abgerufen am 23. August 2026.
  6. ↑ In deutscher Kriegsgefangenschaft: Sowjetische Soldatinnen. Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, 27. März 2026, abgerufen am 19. August 2026.