
Flore Hélène Loinger, geborene Rosenzweig (geboren 10. Januar 1911 in Chemnitz, Königreich Sachsen, Deutsches Kaiserreich; gestorben 27. Juli 1995 in Clichy, Département Seine) war eine jüdische französische Widerstandskämpferin. Zusammen mit ihrem Ehemann Georges Loinger engagierte sie sich während des Zweiten Weltkriegs für die Rettung jüdischer Kinder.
Loinger wuchs als Waise im jüdischen Kinderheim von Straßburg auf.
Sie engagierte sich in der zionistischen Jugendbewegung Hatikvah, wo sie ihren zukünftigen Ehemann Georges Loinger kennenlernte. Sie wurde Gruppenleiterin und Sekretärin der Eclaireurs israélites de France (EIF). 1934 war Loinger Sekretärin des Ökonomen eines Gymnasiums der EIF, Georges Loinger war dort Sportlehrer.
Im August 1934 heiratete sie in Straßburg Georges Loinger. Sie hatten zwei Söhne: Daniel, der laut Genfer Flüchtlingsregister 1937, nach Aussage seines Vaters aber bereits 1934, geboren wurde, und Guy, der 1942 geboren und später Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer wurde.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs leiteten Georges und Flore Loinger ein Kinderheim im Château de la Guette in Villeneuve-Saint-Denis. Das Schloss wurde ab März 1939 von seinen damaligen Besitzern, den Eheleuten Édouard und Germaine de Rothschild, einer Hilfsorganisation zur Verfügung gestellt, die dort 130 jüdische Kinder aus Deutschland und Österreich betreute, die die Reichspogromnacht überlebt hatten und mit einem Kindertransport nach Frankreich gebracht worden waren. Sie wurden von einem Team betreut, das sich aus dem französisch-österreichischen Pädagogen Alfred Brauner, der Ärztin Françoise Brauner und dem österreichischen Aktivisten Harry Spiegel zusammensetzte, die sich um die „Wiedereingliederung“ dieser Kinder, oft Waisen, kümmerten.
Nachdem Georges Loinger bei Kriegsausbruch einberufen worden war, übernahm Flore Loinger die Leitung alleine. Dabei lernte sie auch die Reformpädagogin Germaine Le Guillant kennen. Im Mai 1940 mussten die Kinder und ihre Betreuer wegen der vorrückenden deutschen Wehrmacht evakuiert werden.
Georges Loinger geriet während des Westfeldzugs in Gefangenschaft. Es gelang ihm, Ende 1940 aus Bayern zu fliehen, und er versuchte am 10. Januar 1941, an ihrem Geburtstag zu seiner Frau zurückzukehren. Flore Loinger war damals im Hôtel des Anglais in La Bourboule im Département Puy-de-Dôme, wohin sie sich mit 123 jungen Flüchtlingen zurückgezogen hatte. Er konnte zu ihr fliehen, überlebte den Zweiten Weltkrieg und starb im Alter von 108 Jahren.
Flore Loinger starb 1995 und ist auf dem Cimetière du Montparnasse bestattet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Loinger, Flore |
| ALTERNATIVNAMEN | Rosenzweig, Flore Hélène (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Widerstandskämpferin |
| GEBURTSDATUM | 10. Januar 1911 |
| GEBURTSORT | Chemnitz, Königreich Sachsen, Deutsches Kaiserreich |
| STERBEDATUM | 27. Juli 1995 |
| STERBEORT | Clichy, Département Seine, Frankreich |