Florence Lazar

Florence Lazar (* 1966 in Paris) ist eine französische Künstlerin, Dokumentarfilmerin und Fotografin. Ihr Werk umfasst zeitgenössische Kunst, Fotografie, Videos und Dokumentarfilme.

Leben und Wirken

Florence Lazar wurde 1966 in Paris geboren. Aufgrund familiärer Verbindungen verfolgte sie aufmerksam den Zerfall Jugoslawiens und die folgenden Kriege. Ihre Mutter stammte aus Serbien und ihr Vater betätigte sich politisch; er gründete die Vereinigung Sarajevo. Lazar absolvierte eine Beaux-Arts-Ausbildung und konzentrierte sich zunächst auf das fotografische Porträt, bevor handliche DV-Kameras in den 1990er-Jahren für sie das Arbeiten mit bewegten Bildern möglich machten.

In den 1990er-Jahren arbeitete Lazar vor allem mit fotografischen Porträts, bevor sie gegen Ende des Jahrzehnts mit Videos arbeitete. Dieser Medienwechsel stand im Zusammenhang mit ihrer künstlerischen Reaktion auf die Kriege im ehemaligen Jugoslawien, deren Folgen sie ab 1999 mit Videoarbeiten dokumentierte. Les Paysans (2000) gehört zu einem Dokumentarzyklus über Verantwortung des Individuums und der Gemeinschaft im jugoslawischen Konflikt. Mit Raphaël Grisey schuf sie PRVI DEO (2006), das vor dem Hintergrund eines von März 2004 bis November 2006 in Belgrad verfolgten Prozesses entstand. Mit Kamen – Les Pierres (2014), ihrem dritten Langfilm, zeigte sie religiöse und kulturelle Versuche auf, Geschichte in der Republika Srpska umzuschreiben und Verantwortung zu verleugnen. In Les Bosquets (2011) und verwandten Arbeiten wandte sie sich auch der Umstrukturierung von Montfermeil in der Pariser Banlieue zu. Für eine 2016 veröffentlichte Arbeit am Collège Aimé-Césaire in Paris entstanden 35 Fotografien, die mit Schülern ausgewählte Archivalien zur französischen Kolonialgeschichte und Dekolonisierung ins Bild setzten. Das Jeu de Paume widmete Lazar 2019 die Ausstellung Tu crois que la terre est chose morte..., die Filme und Fotografien von 2000 bis 2019 zusammenführte. In 125 hectares (2019) und Tu crois que la terre est chose morte (2019) beschäftigte sie sich mit Martinique, der Chlordecon-Kontaminierung, der Bananen-Monokultur und agrarischen Formen von Selbstversorgung und Widerstand. Sous les feuilles (2024) behandelt den nach Hurrikan Dean sichtbar gewordenen Begräbnisort versklavter Menschen an der Anse Bellay und baut auf botanischen, therapeutischen und kolonialgeschichtlichen Blickwinkeln auf. Beim Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund/Köln wurde You Think the Earth Is a Dead Thing 2026 im Schwerpunkt „Common Land“ als Beitrag über Landaneignung, Selbstversorgung und den Kampf gegen die Folgen von Bananen-Monokultur und Pflanzenschutzgiften gezeigt. Charakteristisch für Lazars Arbeiten sind einerseits historische Recherche und andererseits subjektive Erzählungen, die autoritativen Geschichtsbildern und dem Vergessen marginalisierter Perspektiven entgegentreten.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Florence LAZAR. In: cnap.fr. 6. Juli 2020, abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  2. 1 2 Critique : Sous les feuilles. In: cineuropa.org. 27. März 2024, abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  3. 1 2 Exposition Florence Lazar au Jeu de Paume : documentaires des réalités. In: phototrend.fr. 8. Februar 2019, abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  4. 1 2 3 4 5 Une ombre recouvre la terre. In: imagesdelaculture.cnc.fr. Abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  5. 1 2 3 4 5 6 7 Florence Lazar. In: jeudepaume.org. Abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  6. 1 2 3 Le geste, la parole et les traces. Entretien avec Florence Lazar. In: leshumanites-media.com. 19. März 2026, abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  7. 1 2 Florence Lazar - PRVI DEO. In: centrepompidou.fr. 26. November 2007, abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  8. ↑ Le vivant et la politique. In: prologue-alca.fr. 5. November 2020, abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  9. ↑ Widerständiges Frauenfimlfestival: Erzählungen über Kolonialismus und Allmende. In: taz.de. 27. April 2026, abgerufen am 27. April 2026.
Personendaten
NAME Lazar, Florence
KURZBESCHREIBUNG französische Künstlerin, Dokumentarfilmerin und Fotografin
GEBURTSDATUM 1966
GEBURTSORT Paris