Florilegium

Florilegium (Plural florilegia, aus lateinisch flos ‚Blume‘ und legere ‚(zugrunde) legen, sammeln‘, für „Blütenlese“) ist eine Lehnübersetzung des griechischen Worts anthologia (ἀνθολογία) und bezeichnete eine Sammlung von Zitaten, Sentenzen und Lebensweisheiten.

Sammlung von Textstellen

Ein Florilegium war eine im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit gebräuchliche Form, die Auszüge aus Schriften antiker und mittelalterlicher Autoren, meist Versdichtern (aber auch Prosaisten) umfasste.

Verwendet wurden Florilegien im Unterricht und in der Schriftstellerei. In der Regel schrieb ein Exzerptor aus verschiedenen Dichtungen die ihm jeweils zusagenden Verse heraus. Oft wurden die vielfach textlich veränderten Exzerpte alphabetisch oder systematisch geordnet. Die Florilegien gaben Auskunft über Vorhandensein und Beliebtheit der Autoren. Andererseits wurde durch die Anwendung der Florilegien bei wenig belesenen Schriftstellern größere Literaturkenntnis vorgetäuscht. Häufige Abschriften mit Verkürzungen, Veränderungen und Zusätzen erschweren die philologische Forschung.

Botanische Kataloge

Titelseite von Emanuel Sweerts Florilegium amplissimum et selectissimum

Botanische Florilegia behandeln Pflanzen und sind im Ursprung Bücher der Spätantike (beispielsweise Wiener Dioskurides) sowie der Frühen Neuzeit. Sie dienten eher der kunstvollen ornamentalen Darstellung als der medizinischen Verwendung oder anderweitig nützlichem Gebrauch bestimmter Heilpflanzen. Die Darstellungen zeigen in Form von Kupfer- und Holzschnitten Blumen, Pilze, Fruchtbäume sowie Fraßpflanzen von Raupen. Vorausgehende Formen entwickelten sich im Mittelalter. Das aus 6 Pergamentblättern bestehende Florilegium aus Matthaeus Vindocinensis und Gualterus ab Insulis (13. Jahrhundert, letztes Drittel) aus Nordfrankreich kann als eines solcher Belegstücke aus der Zeit vor dem Buchdruck mit der Darstellungen von Pflanzen angesehen werden.

Die Entstehung der botanischen Illustration als eigenes Kunstgenre entspringt dem 16. Jahrhundert, seit dem Bücher über Kräuter mit Illustrationen von Blumen gedruckt wurden, welche die kulinarischen und in Kräuterbüchern (die ersten illustrierten Kodizes) die medizinischen Verwendungen von Pflanzen beschreiben. Sie ist nach der Inkunabelzeit eng mit der Weiterentwicklung des Buchdrucks überhaupt verbunden. Als im 16. Jahrhundert neue Pflanzen u. a. aus der osmanischen Türkei nach Europa kamen, beauftragten wohlhabende Personen und botanische Gärten Kunstschaffende, die Schönheit dieser Exoten in Florilegia festzuhalten.

Literatur

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Wiktionary: Florilegium – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Ekkehard Mühlenberg, Franz Brunhölzl: Florilegien. In: Theologische Realenzyklopädie Online. De Gruyter, Berlin / New York 2010 (in 36 Textbänden 1976–2004)
  2. ↑ Wiener Dioskurides . Österreichische Nationalbibliothek, Digitale Sammlung, auf www.onb.digital.
  3. ↑ Botanik in Bild und Text – Neue Sammlung in den Bamberger Schätzen. In: Staatsbibliothek Bamberg, 11. Juni 2021, auf www.staatsbibliothek-bamberg.de.
  4. ↑ Florilegium aus Matthaeus Vindocinensis und Gualterus ab Insulis. In: Niedersächsische Landesbibliothek, Katalogeintrag, auf www.handschriftenportal.de.
  5. ↑ Anonym: What is a Florilegium?. In: Michigan State University, MSU Libraries, auf www.lib.msu.edu (englisch).
  6. ↑ Katherine Tyrrell: Florilegia and Flora. In: Botanical Art & Artists, auf www.botanicalartandartists.com (englisch).
  7. ↑ Fabulous Florilegia. In: The Garden History Blog, 21. Januar 2023, auf www.thegardenhistory.blog (englisch).
  8. ↑ zora.uzh.ch/ (PDF, 5,6 MB, Einleitung, Erstedition und Übersetzung eines Florilegiums und dreier Sermones. Universität Zürich, Kunst-Fakultät, 2009, MB, 23. Juni 2018)