Francis Hunger (* 1976 in Dessau) ist ein Medienkünstler, welcher mit den Mitteln der Videoinstallation und der Netzkunst arbeitet. Außerdem ist er als Autor und Kurator tätig und veröffentlicht medientheoretische und -historische Texte. Er lebt in Leipzig, Deutschland.
Von 1997 bis 2003 studierte er Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig und absolvierte im Anschluss dort bis 2007 den Meisterschülerabschluss. Während dieser Zeit war er als DJ und Veranstalter tätig und veranstaltete u. a. gemeinsam mit der DJ und Künstlerin Cornelia Friederike Müller monatlich Der Elektronischen Sonntag, in dessen Rahmen noch unbekannte Elektronik-Musiker auftraten. 2005 bis 2008 folgte eine Tätigkeit beim Hartware Medienkunstverein, Dortmund als Junior-Kurator, u. a. mit dem Workshop Satellite Voyeurism (2007) und der Ausstellung Anna Kournikova Deleted by Memeright Trusted System – Art and Copyright in the Digital Age (in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Inke Arns). Von 2009 bis 2017 war er künstlerischer Mitarbeiter für elektronische Medien an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Seit 2015 forscht er im Rahmen eines künstlerischen Ph.D.-Studium an der Bauhaus-Universität Weimar über Die Form der Datenbank – Zu den Herkünften der relationalen Datenbank. In diesem Zuge veröffentlichte er auch zur Kritik der Künstlichen Intelligenz.
Diese Performance findet in einem Raum statt, der sich durch einen massiven Auskunftsschalter und eine absurd lange, durch Absperrständer markierte, Warteschlange auszeichnet. Der Künstler gibt Auskunft über einen Computer der nicht binär, mit 0 und 1, sondern ternär, mit −1, 0 und 1 rechnete und angeblich Ende der 1950er Jahre in Moskau entwickelt wurde. Den Besuchern ist es nicht gestattet, Kommentare zu geben, sie dürfen lediglich Fragen stellen. Ob es sich bei dem Erzählten um Realität oder Fiktion handelt, wird während der Performance durch den Künstler bewusst in der Schwebe gehalten. 2008 gab Francis Hunger die tatsächlichen Hintergründe seiner mediengeschichtlichen Recherche als Buch mit dem Titel Setun – Eine Recherche über den sowjetischen Ternärcomputer heraus und veröffentlichte erstmals aus dem Russischen übersetzte Dokumente in deutscher und englischer Sprache über den Setun Computer.
Die Arbeit fiktionalisiert die Geschichte der Frau, die fast die erste Frau im Weltall geworden wäre, wenn nicht Walentina Tereschkowa für den Flug ausgewählt worden wäre: Walentina Ponomarjowa. In einem 52-minutigen Hörspiel wird vom Training der ersten Frauengruppe im Zuge des frühen Raumfahrtprogramms der UdSSR und den Widerständen gegen Frauen im Hochtechnologiemilieu der post-stalinistischen Ära erzählt. Die Installation besteht aus einer runden Skulptur im Umfang der Wostok-Raumschiffkapsel, dem Hörspiel und einer Reihe von gerahmten Bildern, die als Chor der Toten Raumfahrer ebenfalls im Hörspiel auftreten. Auf der den Besuchern zugewandten Vorderseite der Bilder befindet sich schwarzer Samt, auf der nicht einsehbaren Rückseite Bilder der bis zum jeweiligen Ausstellungszeitpunkt umgekommenen Raumfahrer. Die Recherche kontextualisierte Hunger in dem 2013 publizierten Text Bleibt gelassen Freunde – wir haben noch alles vor uns. Die Beinahe-Raumfahrerin Valentina Ponomarva und das Scheitern gesellschaftlicher und persönlicher Utopien.
Die Installation besteht aus mehreren Displays und einer Videoprojektion. Mit Hilfe von Dialogen, welche wie Zwischentitel in Stummfilmen inszeniert sind, grafischen Animationen und inszenierten Fotografien wird eine fiktionale Geschichte erzählt. Deren Protagonisten Jan und Margret begeben sich auf eine journalistische Recherche nach der Herkunft elektronischer Datenbanken während sich zwischen ihnen eine unglückliche Liebesgeschichte entspinnt.
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2005
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hunger, Francis |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Medienkünstler |
| GEBURTSDATUM | 1976 |
| GEBURTSORT | Dessau |