Franco Berardi

Franco Berardi während eines Interviews bei Ràdio Web MACBA, 2013
Franco Berardi, Boston University 2016

Franco „Bifo“ Berardi (geboren 2. November 1948 (nach anderen Angaben 1949) in Bologna, Italien) ist ein italienischer marxistischer Schriftsteller, Philosoph und Aktivist in der Tradition der Autonomen. Sein Werk fokussiert sich hauptsächlich auf die Rolle der Medien und der Informations-Technologie im post-industriellen Kapitalismus. Berardi schrieb mehr als zwei dutzend Bücher sowie eine größere Anzahl an Essays und Reden.

Kreative Arbeiten und Aktivismus

Im Alter von 14 wurde Berardi 1962 Mitglied der Federazione Giovanile Comunista Italiana (FGCI), der Jugendorganisation der kommunistischen Partei Italiens, wurde aber wegen „Fraktionismus“ wieder ausgeschlossen. Er nahm an den Ereignissen des Mai '68 an der Universität Bologna teil, an der er mit Luciano Anceschi ein Studium in Ästhetik abschloss. Während dieser Zeit schloss er sich der außerparlamentarischen Potere Operaio an. Berardi gründete 1975 die Zeitschrift A/traverso und arbeitete daran bis 1981, als sie ihre Höchstauflage erreichte. Er war auch Teil von Radio Alice, Italiens erstem freien Radio von 1976 bis 1978.

Wie viele andere, die in der autonomen Bewegung Italiens während der 1970er aktiv waren, floh auch Berardi nach Paris, wo er mit Félix Guattari im Feld der Schizoanalyse, einer alternativen Psychoanalyse, arbeitete. Während der 1980er schrieb er für die Zeitschriften Semiotexte (New York), Chimerees (Paris), Metropoli (Rom) und Musica 80 (Mailand). In den 1990ern veröffentlichte er Mutazione e Ciberpunk (Genua, 1993), Cibernauti (Rom, 1994) und Félix (Rom, 2001). Auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst arbeitete er aber auch mit Künstlern wie Warren Neidich und Veröffentlichungen wie dem e-flux journal zusammen. 2015 arbeitet er mit der Zeitschrift Derive Approdi und unterrichtet Soziale Geschichte der Kommunikation an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand.

Er ist Mitbegründer des e-zine rekombinant.org und Gründer des Fernsehsenders Orfeo TV, des ersten der Telestreet-Bewegung, welche aus fast 100 Piraten-TV-Sendern besteht, und Mitglied der Bewegung Demokratie in Europa 2025.

Kontroversen

Bei der Documenta 14 2017 sollte eine Installation von ihm ausgestellt werden, die den Holocaust mit der gegenwärtigen Migrationspolitik verglich. Wegen Protesten des Bündnis gegen Antisemitismus Kassel wurde seine Ausstellung in eine Podiumsdiskussion umgewandelt, in der er seinen Vergleich verteidigte. Auf dem Blog e-flux schrieb Berardi 2022, dass er sich durch die Vorwürfe des Antisemitismus verletzt fühlte. Er erklärte dabei, dass seine sogenannte „Jüdischkeit“ vor allem aus der intellektuellen und kulturellen Prägung durch das Lesen jüdischer Autoren resultiert, und nicht aus ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit.

Schriften (Auswahl)

Filmografie

Einzelnachweise

  1. ↑ Franco »Bifo« Berardi auf matthes-seitz-berlin.de, abgerufen am 25. August 2017
  2. ↑ Biography auf Generation-Online.
  3. ↑ Website der Bewegung
  4. ↑ Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Marion Ackermann, Prof. Dr. Julia Bernstein, Marina Chernivsky, Prof. Peter Jelavich, Prof. Dr. Christoph Möllers, Dr. Cord Schmelzle: Abschlussbericht des Gremiums zur fachwissenschaftlichen Begleitung der documenta fifteen. In: https://documenta.de. documenta und Museum Fridericianum gGmbH, abgerufen am 8. Dezember 2025.
  5. ↑ Who Is Anti-Semitic? - Notes - e-flux. Abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
Personendaten
NAME Berardi, Franco
ALTERNATIVNAMEN Berardi, Bifo (Spitzname)
KURZBESCHREIBUNG italienischer Autonomer, Künstler und poststrukturalistisch bzw. postmarxistischer Schriftsteller
GEBURTSDATUM 2. November 1948
GEBURTSORT Bologna, Italien