Franz Babinger

Franz Babinger (* 15. Januar 1891 in Weiden i.d.OPf.; † 23. Juni 1967 in Durrës, Albanien) war ein deutscher Historiker und Orientalist, der besonders auf dem Gebiet der Osmanistik tätig war.

Leben

Franz Babinger, Sohn eines Eisenbahnbeamten, besuchte das Neue Gymnasium in Würzburg und studierte ab dem Wintersemester 1911/12 an der Universität München Indologie und Orientalistik. Hier wurde er 1915 bei Ernst Kuhn mit einer Arbeit über den Orientalisten Gottlieb Siegfried Bayer promoviert. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Mitglied der deutschen Militärmission im osmanischen Heer und türkischer Offizier teil. 1919 war er Mitglied beim Freikorps Epp.

Ein Versuch, sich 1921 an der Universität Marburg zu habilitieren, scheiterte, im gleichen Jahr wurde er jedoch an der Universität Berlin habilitiert und dort wurde er 1924 zum außerordentlichen Professor für orientalische Sprachen und Kulturen am Seminar für Orientalische Sprachen ernannt. Sein Versuch, den Lehrstuhl für Orientalistik in München zu erhalten, scheiterte zweimal 1925 und 1933. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde er zunächst beurlaubt, dann 1934 wegen seiner katholisch getauften, aber jüdisch geborenen Großmutter entlassen. 1935 ging er auf Einladung von Nicolae Iorga an das Institut für Südosteuropa-Forschung in Bukarest, ab 1937 als Professor und Leiter des turkologischen Instituts an der Universität Iași. 1941 wurde er Zeuge des Pogroms von Iași. Seit 1941 arbeitete er daneben für den deutschen militärischen Geheimdienst. Nach dem Kriegseintritt Rumäniens 1943 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich bei seiner Mutter in Würzburg nieder, nach der Zerstörung von Würzburg 1945 lebte er in Ochsenfurt.

Von 1948 bis zu seiner Emeritierung 1958 lehrte er an der Universität München als Professor für Geschichte und Kultur des Nahen Ostens und der Türkei. Bei einem Unfall ertrank er 1967 in Albanien.

Babinger gilt als einer der Begründer der Osmanistik in Deutschland und trat besonders durch Quellenstudien zur osmanischen Geschichte hervor, in der ganzen Ausbreitung des osmanischen Reiches vom Balkan bis Nordafrika. Noch heute von Bedeutung sind seine Studien zur Geschichtsschreibung der Osmanen (Die Geschichtsschreiber der Osmanen 1930) sowie seine Biographie Mehmed II. (Mehmed der Eroberer und seine Zeit 1953).

Er heiratete 1924 Mathilde Merlin, geborene Seethaler, die Ehe wurde 1939 geschieden. In zweiter Ehe war er seit 1948 mit Margot, geborene Nagel (1917–1985) verheiratet. Sein Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof Würzburg.

Ehrungen

Franz Babinger war korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften (1951), ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1954), auswärtiges Mitglied der Accademia dei Lincei (1956) und auswärtiges Mitglied der American Philosophical Society (1964). 1963 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Dan Prodan: Franz Babinger en Roumanie (1935-1943). Études et sources historiques. Préface par Mihai Maxim. Istanbul: Isis 2002 (Les cahiers du Bosphore XXVII), S. 214.
  2. ↑ Ottmar Traşcă: Franz Babinger şi pogromul din Iaşi (1941). In: Arhiva Moldaviae 1, 2009, S. 219–226.
  3. ↑ Gerhard Grimm: Franz Babinger (1891–1967). Ein lebensgeschichtlicher Essay. In: Die Welt des Islams. Band 38, 1998, S. 286–333., hier S. 314. 331.
  4. ↑ Grab.
  5. ↑ Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 29.
  6. ↑ Mitgliedseintrag von Franz Babinger (mit einem Link zum Nachruf von Hans-Georg Beck) bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 20. Februar 2026.
  7. ↑ Accademici: Franz Babinger. Accademia Nazionale dei Lincei, abgerufen am 20. Februar 2026 (italienisch).