Franz Boeres (* 4. September 1872 in Seligenstadt; † 24. Mai 1956 in Stuttgart) war ein deutscher Maler, Bildhauer und Kunstgewerbler.


Am 4. September 1872 wurde Franz Boeres als Sohn des Lederfabrikanten Johann Boeres (1836–1910) und dessen Ehefrau Katharina Boeres geb. Blum (1842–1914) in Seligenstadt am Main geboren. Zusammen mit seinen zwei älteren Brüdern und zwei jüngeren Schwestern verbrachte er die Kindheit in seinem Geburtsort, dessen ländliche Umgebung und kleinstädtischer Charakter den Lebensstil prägten. Ausflüge in die nähere Umgebung, Besuche lokaler Künstler und die Pflege der Hausmusik kennzeichnen die musische Ausrichtung der Familie, die das künstlerische Talent Boeres’ erkannte und durch privaten Malunterricht förderte. Nach Beendigung seiner Schulzeit wurde er auf Fürsprache seines an der Münchner Kunstakademie ausgebildeten Kunstlehrers Karl Rettinger 1886 an der königlich preußischen Zeichenakademie Hanau angenommen, die sich in erster Linie der Schulung kunstgewerblicher Nachwuchskräfte widmete. Seine Lehrer waren Max Wiese (Akt und Modellieren), Paul Andorff (Anatomie), Wilhelm August Schultz (Porträt und Stillleben) und August Offterdinger (Kunstgewerbe). Nach fünf Jahren beendete er die Ausbildung und schlug das Angebot aus, seine Studien an der Münchner Kunstakademie fortzusetzen.
1892 übersiedelte Franz Boeres nach Stuttgart, nachdem er in der Erzgießerei und kunstgewerblichen Werkstätte Paul Stotz eine Anstellung als Modelleur gefunden hatte. Boeres blieb bis zum Tod seines Arbeitgebers in dieser Anstellung, die eine grundlegende Weiterbildung im Bereich kunstgewerblicher Herstellungstechnik gewährleistete und die Voraussetzung für spätere eigenständige Entwürfe bot.
Nach Aufkündigung seines Arbeitsverhältnisses in der Werkstätte Stotz gründete er zu Beginn des Jahres 1900 sein Atelier im Haus Schützenstraße 13, in unmittelbarer Nähe von Staatsgalerie, Musikhochschule und Kunstakademie.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs widmete sich Franz Boeres verstärkt dem Ordnen seines Nachlasses; Gedichte, Märchen und Reisebeschreibungen wurden maschinenschriftlich fixiert und in mehreren Bänden gesammelt. Aufgrund seines hohen Alters sah er sich nur noch zur Annahme weniger öffentlicher Aufträge in der Lage. Er führte Restaurierungsarbeiten am Nachlass von Karl Schickhardt und an Beständen aus dem Stadtarchiv Stuttgart aus. Durch die Währungsreform um sein Vermögen gebracht, verkaufte er seine umfangreiche Gemäldesammlung Stück für Stück an die Familie Bosch; die Stadt Stuttgart zahlte ihm einen Ehrensold. Große Teile seiner künstlerischen Arbeit wurden als Schenkungen seinem Geburtsort Seligenstadt und dem Stadtarchiv Stuttgart übergeben. Am 24. Mai 1956 starb Franz Boeres im Alter von 83 Jahren.
Bis zum Jahr 1902 war der Bildhauer Johannes Maihöfer sein Ateliernachbar in Stuttgart. Franz Boeres arbeitete dessen Bildnis als Büste aus und fand damit Zugang zur Internationalen Kunstausstellung 1905 im Münchner Glaspalast, wodurch sein Erfolg als Portraitist eingeleitet wurde, der sich in einer Vielzahl privater und öffentlicher Plaketten- und Büsten-Aufträgen dokumentiert. Schon 1913 wurden Arbeiten von Boeres in der Münchner Zeitschrift Die Plastik abgebildet. Die Beteiligung an den Großen Deutschen Kunstausstellungen 1938 und 1939 im Haus der Deutschen Kunst mit insgesamt zehn Plaketten verschaffte ihm durch eine Abhandlung von Clément Morro (Paris) in La Revue Moderne internationale Anerkennung und führte 1942 zum Ankauf von vier Porträtplaketten durch das Kunsthistorische Museum Wien.
Nach dem Ersten Weltkrieg wandte sich Boeres den Bereichen der Denkmalplastik und Brunnengestaltung sowie Grabmalsentwürfen zu. Neben der Ausführung einer großen Anzahl privater Aufträge entstand 1921 das Grabmal für den Maler Julius Kornbeck und im selben Jahr das Ehrenmal für die Gefallenen des Georgii-Gymnasiums Esslingen, im Jahr 1922 der Kornbeck-Brunnen in Oberensingen und die Offiziersgräber auf dem Waldfriedhof Stuttgart, 1929 die Gedenkplakette für Heinrich Bäuchlein für das Deutsche Sängermuseum in Nürnberg, 1932 das Eduard-von-Hering-Denkmal im Hof der Württembergischen Tierärztlichen Untersuchungsanstalt in Stuttgart, 1938 die Friedrich-von-Kielmeyer-Gedenktafel für die Staatliche Naturaliensammlung Stuttgart und 1951 die Gustav-Wais-Gedenkplakette für das Museum des Alb-Vereins in Urach. Von mehreren württembergischen Gemeinden, unter anderen Beuren, Lustnau bei Tübingen, Würzbach bei Calw und Pfaffenhofen, erhielt Franz Boeres Aufträge für Kriegergedenkstätten.
Franz Boeres Tätigkeit als selbständiger Gestalter auf fast allen Gebieten kunstgewerblicher Produktion fiel in den Zeitraum von etwa 1900 bis in die Anfangsjahre des Ersten Weltkriegs. Seine Entwürfe zeichneten sich durch eine stetige Konkurrenz traditionell-formalistischer Schöpfungen mit den vom Bedürfnis industrieller Massenfabrikation getragenen Ansprüchen nach Vereinfachung der Form aus. Sie fanden auf Ausstellungen besondere Beachtung, zumal in der werkgerechten Verarbeitung des Materials und den daraus resultierenden Schmuckformen den Forderungen des 1907 gegründeten Deutschen Werkbunds (DWB) entsprochen wurde. Die Variationsbreite seiner Entwurfsarbeiten vermittelte ihm Aufträge von maßgeblichen Produzenten von Jugendstil-Kunstgewerbe: der Silberwarenfabrik Peter Bruckmann & Söhne in Heilbronn, der Schmuckfabrik Theodor Fahrner in Pforzheim, der Württembergischen Metallwarenfabrik in Geislingen, der kunstgewerblichen Werkstätten Siefert & Co. in Dresden und Winhart & Co. in München. Besonderen Erfolg brachten seine Gestaltungsvorschläge für eiserne Zimmeröfen der Eisengießerei W. Ernst Haas & Sohn in Sinn. Im Auftrag der Werkstätten Paul Stotz, für die er weiterhin tätig war, entwarf er die Kronleuchter der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.
Mit seiner Entwurfsserie für „Fahrner-Schmuck“ war Boeres auf der Weltausstellung St. Louis 1904 vertreten. 1913 beteiligte er sich an der Jahresausstellung des Deutschen Werkbunds in Leipzig.
1910 übertrug Robert Bosch Boeres die Bildhauerarbeiten an seiner Villa an der Heidehofstraße in Stuttgart. Der Auftrag umfasste eine Anzahl figürlicher Gartenplastiken, ornamentale Reliefs für das Wohnhaus und bauplastischen Schmuck für das Eingangsportal. Da es Boeres gelang, die Arbeiten zur vollsten Zufriedenheit auszuführen, wurden ihm auch die Innengestaltung der Räume und ihre Möblierung übertragen. Er verstand es hier, dem auf Repräsentation bedachten Geschmack des Auftraggebers zu entsprechen, und verblieb bis zum Jahr 1916 in der Stellung eines Hauskünstlers der Familie. Beleuchtungskörper, Silberwaren, Stickereien für die Frauenbekleidung, Entwürfe für das Portal des Fabrikgebäudes und das Markenzeichen sind Ergebnisse dieser mehrjährigen Tätigkeit. 1922 entwarf er das Grabmal für den verstorbenen Sohn von Robert Bosch und wurde von 1927 bis 1929 erneut mit bildhauerischen Arbeiten und der Inneneinrichtung der Bosch-Landhäuser in Lustnau bei Tübingen beauftragt.
Neben präzisen Aktstudien, die Franz Boeres seit seiner Studienzeit regelmäßig betrieb, entstanden in den ersten Jahren seiner selbständigen Tätigkeit eine Vielzahl figürlicher Umrisszeichnungen. Die Beziehungen der Menschen zwischen einander, die Unterordnung des Menschen unter den göttlichen Willen, die Natur und die Kunst der Antike bestimmen die Themen seiner Zeichnungen und bildeten auch die Inhalte seiner Gedichte, Sinnsprüche und Märchenerzählungen.
Nach dem Ersten Weltkrieg, noch ganz den Eindrücken seiner Dienstzeit in der elsässischen Kriegsgräberverwaltung verhaftet, setzte er sich in einer großen Anzahl von Zeichnungen mit dem Todesgedanken auseinander. Sie wurden, mit schlichten Versehen versehen, in seinem Mappenwerk „Bilderbuch vom Tode“ gesammelt.
Auf Illustrationen zum Alten und Neuen Testament, die seit 1943 einen Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit bildeten, griff er in späteren Ölbildern zurück. Diese sind in einer Art Grisaillemalerei ausgeführt, einer Technik, die er bereits in den Jahren von 1932 bis 1934 angewandt hatte. Dort waren es die Gedanken an Leben, Tod und Fortleben des menschlichen Geschlechts, die ihn zur Arbeit an diesen Bildern angeregt hatten. Zur Malerei fand Boeres erst in den 1930er Jahren; er trat nun in den jährlichen Ausstellungen des Württembergischen Künstlerverbands auch mit kleinen Stillleben und Landschaften an die Öffentlichkeit. Seine stimmungsbetonten, lyrischen Landschaftsbilder erwuchsen aus der realistischen Landschaftsmalerei, die er bereits 1904 mit seinem damaligen Ateliernachbarn Felix Hollenberg auf gemeinsamen Landpartien geübt hatte.
1947 – anlässlich seines 75. Geburtstags – verlieh Seligenstadt Franz Boeres die Ehrenbürgerwürde und zeigte eine erste Ausstellung seiner Arbeiten in der Alten Abtei. Boeres bereitete diese akribisch vor, obwohl abzusehen war, dass die Wohnungsnot der Nachkriegszeit die gewünschte ständige Präsentation nicht erlaubte. In den Räumen des Stadtarchivs verwahrt, wurden nur Teile des Nachlasses in kleineren Sonderausstellungen sporadisch gezeigt. Mitglieder des Vereins zur Förderung des Landschaftsmuseums sichteten, restaurierten und inventarisieren die umfangreichen Bestände ab 1975.
1982 publizierte der Kreisausschuss des Kreises Offenbach mit Unterstützung des Hessischen Kultusministers und des Hessischen Museumsverbands eine dokumentarische Übersicht. Die Stadt Seligenstadt erfüllte das Legat ihres Ehrenbürgers 1988 mit der Einrichtung einer Franz-Boeres-Abteilung im Museum Altes Haus und 2003 durch die Dauerleihgabe an das Landschaftsmuseum Seligenstadt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boeres, Franz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler, Bildhauer und Kunstgewerbler |
| GEBURTSDATUM | 4. September 1872 |
| GEBURTSORT | Seligenstadt |
| STERBEDATUM | 24. Mai 1956 |
| STERBEORT | Stuttgart |