Franz Czermak

Franz Czermak (* 8. März 1896 in Witoseß, Bezirk Saaz, Österreich-Ungarn; † 5. Januar 1960 in Stuttgart) war ein sudetendeutscher Lehrer und Kommunalpolitiker (DNSAP, SdP, NSDAP). Er war von 1940 bis 1945 Oberbürgermeister der Stadt Aussig im Reichsgau Sudetenland.

Leben und Wirken

Czermak stammte aus einer Kleinbauernfamilie in Nordböhmen. Nach der Schulzeit besuchte er von 1911 bis 1915 das Lehrerinstitut in Mies und wurde dann zum Kriegsdienst einberufen. In der Armee Österreich-Ungarns stieg er bis zum Leutnant auf. Nach der Rückkehr aus dem Krieg wurde er im Oktober 1918 Lehrer in Teplitz-Schönau und später in Graupen, die nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie zur Tschechoslowakei gehörten.

Während des Krieges von den großdeutschen Ideen Georg Schönerers und der antisemitischen Ideologie von Theodor Fritsch beeinflusst, nahm er 1921 Kontakt zu Hans Knirsch auf und wurde Mitglied der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (DNSAP). Von 1928 bis 1933 war er Bürgermeister in Graupen, nach dem Verbot der DNSAP in der Tschechoslowakei verlor er dieses Amt im Herbst 1933. Er schloss sich dann der Sudetendeutschen Heimatfront an, die sich 1935 zur Sudetendeutschen Partei (SdP) umwandelte. Nach dem Sieg der SdP bei der Kommunalwahl in Teplitz-Schönau gab er den Lehrerberuf Ende Juli 1938 auf und widmete sich voll der Kommunalpolitik.

Am 1. August 1938 übernahm er hauptberuflich das Amt des Bürgermeisters in Teplitz-Schönau. Hier erlebte er den Einmarsch der deutschen Truppen Anfang Oktober 1938 und die Besetzung der deutschbesiedelten Grenzregionen der Tschechoslowakei, der die Bildung des deutschen Reichsgaus Sudetenland folgte. Am 20. Januar 1939 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. November 1938 aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.682.310). Zum Geburtstag von Adolf Hitler am 20. April 1939 trat Czermak auch der SS (SS-Nummer 351.253) bei.

Am 28. März 1940 gab er das Amt des Bürgermeisters von Teplitz-Schönau ab, um am darauffolgenden Tag die Würde des Oberbürgermeisters in der Kreisstadt Aussig zu übernehmen. Aussig war damals gleichzeitig Sitz eines eigenen Stadtkreises. Im April 1941 wurde er zum Wehrdienst bei der deutschen Wehrmacht einberufen, blieb aber bis zum Kriegsende im Amt und kehrte im Februar 1945 wieder in den Dienst zurück.

Am 8. Mai 1945 übergab er dem Nationalausschuss die Verwaltung der Stadt Aussig samt dem in einem Bunker untergebrachten Mittelwellensender. Sechs Tage später wurde er von der GPU verhaftet und in das sowjetische Speziallager Nr. 2 Buchenwald eingeliefert, aus dem er schwerkrank 1950 entlassen wurde. Nach einigen Monaten Aufenthalt bei seiner Familie in Leipzig verließ er die DDR und ging nach Baden-Württemberg, wo er an einer Sonderschule in Bad Cannstatt lehrte. In seiner Freizeit unterstützte er aktiv den Aussiger Hilfsverein.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/5631246
  2. ↑ Warnack (Hrsg.): Taschenbuch für Verwaltungsbeamte, 60. Jahrgang, Carl Heymanns Verlag, Berlin, 1943, S. 340.
Personendaten
NAME Czermak, Franz
KURZBESCHREIBUNG sudetendeutscher Lehrer und Kommunalpolitiker
GEBURTSDATUM 8. März 1896
GEBURTSORT Witoses
STERBEDATUM 5. Januar 1960
STERBEORT Stuttgart