Francesco Marmoro

Graz Hauptplatz ‚Haus Staigeregg‘ Ecke Sackstraße 2
francesco marbl Unterschrift
Graz Protestantische Kirche und Schule 1574, Bild Paradeishof 1915
Graz Altes Münzhaus Hofgasse 3 1575
Schloss Hollenegg Hof und Stiege 1577
Festungsweg Fürstenfeld Ungarbastei
Grazer Landhaus Dachreiter 1586, Plan Francesco Marmoro
Radkersburg ehem. Provianthaus 1588
Radkersburg ehem. Zeughaus, heute Stadtmuseum
Schloss Gleichenberg

Francesco Marmoro, auch Franz Marbl (* um 1530 in Ponna, Provinz Como in der Lombardei; † 7. Jänner 1594 in Pettau, begraben in Radkersburg, Herzogtum Steiermark) war ein österreichischer Architekt, landschaftlicher Baumeister, zuletzt Superintendent und oberster Baumeister.

Leben

Familie

Francesco Marmoro ist ab 1566 in der Steiermark dokumentiert, der jüngere Bruder Antonio folgte ihm 1577. Francesco ersuchte die Verordneten am 11. August 1574 um eine kleine Beisteuer, damit er seine Frau und Kinder ‚herein‘ bringen könne. Belegt sind die Söhne Jakob, der auch Baumeister wurde, und Hieronymus, der am 23. September 1595 starb. Jakob heiratete am 3. Juli 1594 Christina, Tochter des Grazer Bürgers und Handelsmannes Wolfen. Die ganze italienische Familie Marmoro war hier in Graz zum Protestantismus übergetreten, und daher die ‚Citation vor die italienische Inquisition‘.

Er und seine ganze Familie trat zum Protestantismus über. Da Francesco Marmolo, ‚Ihro Fürstlichen Durchlaucht und einer Ehrsamen Landtschaft in Steyer Baumeister‘, auch Italiener war, wurden er und sein Bruder Anton 1593 wegen ihres Übertritts vor die Inquisition ihrer Vaterstadt geladen; die Stände verwendeten sich aber für ihre beiden Baumeister beim Hofkriegsrat und beim Erzherzog, so dass die Sache im Sand verlief.

Werdegang zum Superintendenten und obersten Baumeister

Baumeister Francesco Marmoro und sein Bruder Antonio arbeiteten im Gefolge von Domenico dell’Allio und traten in die Dienste der steirischen Landschaft. Die Stände waren mit dem Festungsbaumeister Joseph Vintana aus Görz nicht einverstanden, sie ernannten Franz Marbl 1584 zu ihrem Landschaftsbaumeister ‚über die Land– und Grenzgebeu‘, Antonio zu seinem Polier Beide erhielten jährlich 300 Gulden Besoldung. Baumeister Joseph Vintana wurde in den Ruhestand versetzt und Franz Marmor erhielt dieses hohe Amt.

„Erzherzog Karl machte im Ernennungsdekret 1585 seinem ‚obristen Paumeister‘ zur Pflicht, seine Arbeit ‚Erbar, treülich und Vleissig‘ zu verrichten. Francesco Marmoro tat mehr, er verrichtete sie aufopferungsvoll, gefahrentrotzend, todesbereit.“

– Rochus Kohlbach, Steirische Baumeister 1961. S. 46 f.

Werke (Auswahl)

Ab 1566 entstand hier das protestantische Zentrum der Steiermark, heute Wohnhaus Paradeisgasse 1–3. Die Verordneten sandten Baumeister Francesco Marmoro im Juli 1569 nach Wien, um das dortige Schulgebäude zu besichtigen. Zur Baukommission wurde der kaiserliche Baumeister Pietro Ferrabosco von Wien berufen; den Bau leitete Francesco Marmoro. Am 16. Dez. wurde mit Märbl der Vertrag abgeschlossen, bereits im Juni 1574 konnte Schule bezogen werden. Der Astronom und Mathematiker Johannes Kepler lehrte dort von 1594 bis 1598. Das Gebäude umschloss einen Hof, wie es in dem noch bestehenden Wohnhause „Paradeis“ im Wesentlichen noch zu sehen ist.

Freiherr Hans Friedrich von Hoffman, Landesverweser der Steiermark, ein Protestant, verkaufte sein Freihaus in der Hofgasse 3, 1575 an die steirische Landschaft, hier entstanden zwei Münzhäuser. Die weitreichenden Umbauarbeiten leitete Baumeister Francesco Marmoro. 1782 erfolgten weitere Umgestaltungen.

Friedrich von Hollenegg beauftragte Francesco Marmoro mit dem Umbau der mittelalterlichen Burg, wie den Einbau der Prunkstiege.

Superintendent Joseph Vintano kontrollierte 1578 die Befestigungsanlagen in Fürstenfeld. Franz Marbl berichtete dem Erzherzog 1579, dementsprechend baute Marbl die Basteien gegen die Feistritz unter dem Schloss. führte die Kurtine der Schlossmauer gleich auf, erhöhte und verbreiterte das Ungartor, auch das Schloss abgedeckt und gedeckt.

Nach dem Tod von Domenico dell’Allio wurde das Grazer Landhaus um vier Flügel erweitert. Seine Mitarbeiter, der landschaftliche Baumeister Francesco Marmori und Bruder Antonio als Polier führten die Arbeiten 1581–1584 weiter. Der Dachreiter mit Uhr und Laterne wurde 1586 von Valentin Wildauer nach einem Modell (Plan) von Francesco Marmoro geschaffen.

1584 bis zu seinem Tod 1594 übernahm Marbl die Gesamtleitung der neuen Festungsbauten in Graz.

Er besichtigte die Festungsbauten, in welchen sich der aus Florenz berufene Baumeister Simone Genga befand und leitete den Bau der Befestigung von Radkersburg. Francesco Marmoro zeichnete die Pläne für das Zeughaus von Radkersburg und das landschaftliche Provianthaus, Fertigstellung 1588. Der Renaissancehof mit den Arkaden und Steinsäulen sind aus dieser Zeit. 1639 erfolgte ein Umbau mit Pietro Valnegro.

In der Martinskirche der ehemaligen landesfürstlichen Burg wurden protestantische Gottesdienste abgehalten. Aufgrund des starken Zustroms fertigten die Baumeister Francesco und Antonio Marmoro 1587 Umbaupläne an, die den mittelalterlichen Sakralraum in einen Emporensaal umwandeln sollten.

Die Pläne für Burg Neu-Gleichenberg lieferte Baumeister Francesco Marmoro. 1945 wurde die Schlossanlage zur Brandruine.

Tod

Superintendent Francesco Marmoro starb 1594 auf einer Inspektionsreise durch einen Huftritt beim Versuch, sein Pferd zu beschlagen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Ursula Stevens: Francesco Marmori. In: tessinerkuenstler-ineuropa.ch. Tessiner Künstler in Europa.
  2. ↑ Helmut Lackner, Die ehemalige Martinikirche in der Burg von Judenburg. Familie Marmoro/Marbl S. 174.
  3. ↑ Schweigert: Dehio Graz. S. 92.
  4. ↑ Federico Buffone Gransinigh, Die Vintanas, Militärarchitekten, Befestigungsanlagen in Innerösterreich im 16.–17. Jahrhundert. Dissertation der Universität Udine 2014, in italienischer Sprache. S. 35, 194, 196, 201.
  5. ↑ Paradeishof
  6. ↑ Johann Loserth, Die protestantischen Schulen der Steiermark im 16. Jahrhundert. Universität Graz 1916. S. 19 f.
  7. ↑ Schweigert: Dehio Graz. S. 87.
  8. ↑ Hannes P. Naschenweng, Wann erlosch das Geschlecht der Freiherren von Grünbühel und Strechau. S. 156.
  9. ↑ Schloss Hollenegg. in: Dehio-Handbuch. Steiermark (ohne Graz). S. 183.
  10. ↑ Festungsweg Fürstenfeld, Schlossbastei.
  11. ↑ Festungsweg Fürstenfeld, Ungartor.
  12. ↑ Ursula Stevens: Domenico dell’Allio. In: tessinerkuenstler-ineuropa.ch. 2016, abgerufen am 9. Oktober 2024.
  13. ↑ Schweigert: Dehio Graz. S. 52 f.
  14. ↑ Ehem. landschaftliches Provianthaus. in: Dehio-Handbuch. Steiermark (ohne Graz). S. 39.
  15. ↑ Zeughausgebäude
  16. ↑ Österreichischer Städteatlas, Judenburg, Kommentar:
  17. ↑ Gleichenberg - Neu-Gleichenberg. In: burgen-austria.com. Werner Hammerl (Hrsg.)
  18. ↑ Rochus Kohlbach 1961, S. 48.
  19. ↑ Birgit Androschin: Die Paulusvorstadt in Graz als urbanistische Manifestation der Gegenreformation. Masterarbeit Karl-Franzens-Universität Graz, 2018.
  20. ↑ Angelika Halbedl-Herrich, Die Trauungs- und Sterbematriken der evangelischen Stiftskirche Graz im 16. Jahrhundert. Dissertation Karl-Franzens-Universität Graz 2015.
Personendaten
NAME Marmoro, Francesco
ALTERNATIVNAMEN Marbl, Franz
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Architekt, landschaftlicher Baumeister, zuletzt Superintendent und oberster Baumeister
GEBURTSDATUM um 1520
GEBURTSORT Ponna, Provinz Como, Lombardei
STERBEDATUM 7. Januar 1594
STERBEORT Pettau