Frauenschach

Frauenschach bezeichnet die Sportart Schach, wenn sie von Frauen bei Gelegenheiten ausgeübt wird, bei denen nur Frauen die Teilnahme erlaubt ist. Das von Frauen gespielte Schach unterscheidet sich in Bezug auf das Regelwerk nicht vom allgemeinen Schach, das von Frauen und Männern gespielt wird. Als beste Frau in der Schachgeschichte gilt die Ungarin Judit Polgár, die selbst jedoch nur dreimal an reinen Frauenwettkämpfen teilnahm. Auf der Elo-Weltrangliste der Frauen findet sich als gegenwärtig beste Frau der Welt die chinesische Schachspielerin Hou Yifan mit einer Elo-Zahl von 2596 auf Platz 1 (Stand September 2026).

Judit Polgár playing a chess move
Judit Polgár, die beste Frau in der Schachgeschichte (Mainz, 2008)
Judit Polgár (links im Bild) und Zsófia Polgár auf der Schacholympiade 1988 in Thessaloniki/Griechenland
Hou Yifan (2016)

Geschichte

Als weltweit erster Frauenschachverein gilt „The Penelope Club“, der 1847 in Kensington (London) gegründet wurde. Der erste deutsche Damenschachverein entstand 1886 im Schachdorf Ströbeck.

Am 5. August 1895 fand in Hastings (Vereinigtes Königreich) das erste Frauenschachturnier der Welt statt, das Edith Thomas gewann. Ein weiteres frühes und bedeutendes Frauenturnier wurde ebenfalls im Vereinigten Königreich, und zwar 1897 mit 20 Teilnehmerinnen in London, durchgeführt. Dieses gewann Mary Rudge. Den Titel Schachweltmeisterin verleiht die FIDE (Fédération Internationale des Échecs) seit 1927. Die erste Weltmeisterin war die tschechisch-britische Schachspielerin Vera Menchik. Judit Polgár, die beste Frau in der Schachgeschichte, hatte im Juli 2005 eine Elo-Zahl von 2735 und lag damit zu der Zeit auf Platz acht der für Männer und Frauen geltenden Weltrangliste. Die amtierende Weltmeisterin (Stand 2025) ist Ju Wenjun aus China.

Weshalb Frauen bis auf die o. g. Ausnahme von Judit Polgár noch nicht in die Phalanx der schachspielenden Männer vordringen konnten, ist bislang nicht geklärt. Einerseits kann das kulturhistorische Gründe haben. Über Jahrhunderte wurden Frauen vom öffentlichen Leben und der ernsthaften Betätigung am Schachbrett ferngehalten – so gab es bis ins 20. Jh. Aufnahmeverbote für Frauen in Schachklubs. Andererseits ergeben sich daraus auch rein statistische Schlussfolgerungen. Gerade vier Prozent aller Schachspieler sind Frauen. Bei einer so geringen Anzahl weiblicher Spieler ist es unwahrscheinlich, dass viele, oder sogar nur einige von ihnen die Spitze erreichen können.

Mit Stand vom 20. November 2025 sind in der 1859 Spieler umfassenden Gesamtliste aller Großmeister nur 44 Frauen enthalten. Dies ist auch ein deutliches Zeichen des oben beschriebenen Geschlechterungleichgewichtes im Schach, was gegenwärtig noch nicht restlos geklärt ist.

Männern ist es nicht gestattet, an Frauenturnieren im Schach teilzunehmen, wohingegen Frauen bei Wettkämpfen mit Männern teilnehmen dürfen.

Trivia

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Manfred van Fondern: Lexikon für Schachfreunde. Verlag C. J. Bucher, Luzern/Frankfurt am Main 1980, S. 112–113.
  2. ↑ Johannes Fischer: Frauen im Schach: Diskriminiert oder privilegiert? In: de.chessbase.com. 24. November 2005, abgerufen am 27. Oktober 2019.
  3. ↑ Zeitschrift Schach, 2021/11 S. 32.
  4. ↑ Alfred Diel: Das Spiel der Könige. Wissenswertes und Unterhaltsames aus der Welt des Schachs. Bamberger Schachverlag, Bamberg 1983, ISBN 3-923113-03-X, S. 33.
    Günther Berger: Relazioni. Internationales Wien. Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-56922-1, S. 95.
  5. ↑ Michael Dombrowsky: Mary Rudge und das Frauenturnier 1897. In: Karl. Nr. 2/2020, S. 30 f.
  6. ↑ Top 100 Players July 2005 – Archive. In: fide.com. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. April 2016; abgerufen am 17. Oktober 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. ↑ Michael Ehn, Hugo Kastner: Schicksalsmomente der Schachgeschichte. humboldt, Hannover 2014, S. 240 ff., ISBN 978-3-86910-206-1.