Eschen (Pflanzengattung)

Eschen

Habitus der Gewöhnlichen Esche (Fraxinus excelsior)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Ölbaumgewächse (Oleaceae)
Gattung: Eschen
Wissenschaftlicher Name
Fraxinus
L.

Die Eschen (Fraxinus) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae). In Europa sind vier Arten heimisch: die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), die Manna-Esche (Fraxinus ornus), die Schmalblättrige Esche (Fraxinus angustifolia) und die Behaarte Esche (Fraxinus pallisiae). Die Eberesche dagegen gehört, trotz ihres Namens, nicht zu den Eschen.

Beschreibung und Ökologie

Vegetative Merkmale

Eschen-Arten sind meist laubabwerfende, selten immergrüne Bäume oder selten Sträucher. Die Winterknospen sind stumpf mit ein bis drei Paar gegenständigen Schuppen. Die meist gegenständig oder selten wirtelig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattstiele sind oft an der Basis verdickt. Die Blattspreiten sind meist unpaarig gefiedert, selten auch einfach.

Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior), Illustration

Generative Merkmale

Die end- oder seitenständigen, rispigen oder selten traubigen Blütenstände enthalten viele Blüten. Hochblätter sind vorhanden oder fehlen. Die relativ kleinen, vierzähligen Blüten sind zwittrig oder eingeschlechtig. Die Arten sind einhäusig oder zweihäusig. Es sind vier verwachsene Kelchblätter vorhanden oder sie fehlen. Die Sektion Ornus besitzt meist vier (selten zwei oder sechs, manchmal auch keine) Kronblätter, bei der Sektion Fraxinus fehlen sie. Die weißen bis gelblichen Kronblätter sind verwachsen. Es sind nur meist zwei Staubblätter vorhanden, sie sind mit der Basis der Kronblätter verwachsen. Die Staubfäden sind ebenso wie die Griffel kurz. Die Arten in der Sektion Fraxinus und Melioides sind einhäusig oder manchmal zweihäusig getrenntgeschlechtig. Die Blüten sind immer kronblattlos (apetal). Die Blüten sind oft eingeschlechtlich jedoch auch zwittrig. Die Arten der Sektion Fraxinus und Melioides sind windbestäubt. Sie bilden damit eine Ausnahme innerhalb der Familie Oleaceae. Anemophilie ist üblicherweise ein typisches Merkmal eingeschlechtiger Blüten (eine weitere Ausnahme mit windbestäubten, zwittrigen Blüten in Mitteleuropa bilden die Ulmen). Die Frucht ist ein einsamiges, flaches und einseitig geflügeltes Nüsschen (Samara). Die Keimung erfolgt epigäisch (oberirdisch). Bei den weiblichen Blüten können manchmal Staminodien vorhanden sein, bei männlichen ein Pistillode.

Verbreitung

Die Fraxinus-Arten kommen vorwiegend in den gemäßigten bis subtropischen Gebieten der Nordhalbkugel vor. Südlich reicht das Verbreitungsgebiet bis Südasien und Java, Nordafrika sowie Mexiko und Kuba. Verbreitungsschwerpunkte mit jeweils etwa 20 Arten sind Ostasien (China) und Nordamerika.

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Fraxinus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 1057. Als Lectotypus wurde 1913 Fraxinus excelsior L. festgelegt. Synonyme für Fraxinus L. sind: Apilia Raf. orth. var., Aplilia Raf., Calycomelia Kostel., Fraxinoides Medik., Leptalix Raf., Mannaphorus Raf., Meliopsis Rchb., Ornanthes Raf., Ornus Boehm., Petlomelia Nieuwl., Samarpsea Raf.

Die Gattung Fraxinus gehört in die Tribus Oleeae in der Familie Oleaceae.

Die Gattung der Eschen (Fraxinus) wird nach Wallander 2008 in sechs Sektionen unterteilt mit insgesamt etwa 43 bis 51 oder 58 Arten:

Gefährdung durch Schaderreger

Durch den Pilz Chalara fraxinea kommt es seit einigen Jahren besonders in Europa zu Schäden an Eschen, die als Eschentriebsterben bezeichnet werden. Die Erkrankung zählt zu den Tracheomykosen. Der Pilz wurde 2006 zuerst beschrieben und als Ursache des Eschentriebsterbens benannt. Über die Verbreitungsstrategie von Chalara fraxinea ist bisher nichts bekannt.

Peter Thomas von der Universität Keele geht nach einer 2016 veröffentlichten Studie davon aus, dass das Zusammenwirken der Erkrankung des Eschentriebsterbens mit dem Asiatischen Eschenprachtkäfer, der bereits in Nordamerika große Schäden angerichtet hat und bereits in Schweden aufgetreten ist, zu einem fast vollkommenen Verschwinden der Eschen in Europa führen wird. Es konnten jedoch zumindest einige Eschenarten entdeckt werden, die eine natürliche Resistenz gegen das Eschentriebsterben aufweisen, so dass diese benutzt werden sollen, um eine spätere Wiederanpflanzung durchzuführen.

Nutzung

Eschenholz ist schwer und hart. Es zeichnet sich durch eine hohe Festigkeit und Elastizität aus. Der Witterung ausgesetzt, besitzt es eine nur geringe Dauerhaftigkeit. Das Eschenholz wird massiv oder als Furnier im Innenausbau und zur Möbelherstellung verwendet. Spezialanwendungen sind Werkzeugstiele und Sportgeräte (Schlitten, Baseballschläger oder Snooker-Queues). Früher wurden aus Eschenholz auch Bögen, Teile für die Wagnerei und Maste, Bäume und Pinnen für den Bootsbau hergestellt.

Esche wird auch als Klangholz im Musikinstrumentenbau, beispielsweise für Solidbody-Gitarren und Schlagzeugkessel verwendet. Bei einigen E-Gitarren und E-Bässen kommt das Holz der Schwarz-Esche (englisch swamp ash) für den Korpus zur Anwendung.

Mythologie

Die Esche (von althochdeutsch asc) ist in der nordischen Mythologie der Weltenbaum Yggdrasil, genannt auch askr Yggradasil („Weltenesche“). In der griechischen Mythologie waren Eschen Feuerspender für die Menschen („Seither dachte er [Zeus] stets an den Trug und gab den Eschen nicht länger die Kraft unermüdlichen Feuers für sterbliche Menschen, die auf Erden wohnen.“ (Hesiod: Theogonie. S. 562–565)). Nachdem Prometheus die Menschen geschaffen hatte, nahm ihnen Zeus zur Strafe das Feuer. Prometheus holte es aber dennoch wieder, indem er es heimlich in einem hohlen Narthexrohr an der Sonne entzündete und so den Menschen das himmlische Feuer brachte. (Theogonie. S. 535 ff.) Die Burssöhne in der germanischen Mythologie schufen aus der Esche den Mann und aus der Ulme die Frau.

Literatur

Commons: Eschen (Fraxinus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Dieter Heß: Die Blüte, 2. Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1990, ISBN 3-8001-6434-5.
  2. ↑ -Fraxinus flowers bei University of Illinois.
  3. ↑ Fraxinus bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 30. November 2018.
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 R. Govaerts, P. S. Green, 2010: World Checklist of Oleaceae online in: Fraxinus. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 30. November 2018.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 Fraxinus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 30. November 2018.
  6. ↑ New classification of Fraxinus L. bei der The Oleaceae Website.
  7. 1 2 3 Wei Zhi, Peter S. Green: Fraxinus, S. 273 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Z. Y. Wu, P. H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 15 - Myrsinaceae through Loganiaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1996, ISBN 0-915279-37-1.
  8. ↑ waldwissen.net: Eschentriebsterben-Erreger ist eine neue Pilzart (Memento vom 18. Juni 2012 im Internet Archive)
  9. ↑ Artikel über Chalara fraxinea bei Spiegel Online.
  10. ↑ Damian Carrington Ash dieback and beetle attack likely to 'wipe out' all ash trees in UK and Europe in: The Guardian, 23. März 2016, abgerufen am 23. März 2016
  11. ↑ Jessica Needham, Cory Merow u. a.: Forest community response to invasive pathogens: the case of ash dieback in a British woodland. In: Journal of Ecology. 104, 2016, S. 315, doi:10.1111/1365-2745.12545.
  12. ↑ Vgl. Jakob Grimm: Deutsche Mythologie. 3 Bände [1835]. 4. Auflage, hrsg. von Elard Hugo Meyer, Berlin 1875–1878; Neudruck Graz 1968; Nachdruck Wiesbaden 1992, Band 3, S. 188.