



Frederik de Wit (auch Frederick, * 1629 oder 1630 in Amsterdam als Frederik Hendriksz.; † Ende Juli 1706 ebenda) war ein niederländischer Kartograf, Kupferstecher und Verleger. In älterer Literatur wird das Verlagshaus de Wit auch als eine Dynastie aus gleichnamigem Vater, Sohn und Enkel dargestellt, was inzwischen jedoch als Irrtum gilt. Das Unternehmen wurde nach de Wits Tod zunächst von seiner Witwe Maria weitergeführt und 1710 aufgelöst. Ein großer Teil der Druckplatten ging nach einer Auktion an Pieter Mortier und damit letztlich an das Unternehmen Covens & Mortier weiter.
In seiner umfangreichen Arbeit Frederick de Wit and the first concise reference atlas von 2016 geht George Carhart auf die verworrenen und widersprüchlichen bisherigen Darstellungen des Lebens von Frederik de Wit ein, die meist ohne Benutzung originaler Archivquellen entstanden sind. Biographische Werke nennen unterschiedliche Lebensdaten und Geburtsorte bis hin zu der Annahme, es habe sich um eine Dynastie aus Vater, Sohn und Enkel de Wit gehandelt. Carhart verwirft dies; woher die Idee gekommen sei, werde sich wohl nie klären lassen.
Frederik Hendriksz. wurde 1629 oder 1630 als Sohn von Hendrick Fredericksz., einem Hersteller von Messergriffen, geboren. Die Familie war lutherisch; Carhart zeigt auf Basis seines Quellenstudiums auf, dass Frederik de Wit nicht, wie bisher in der Literatur vertreten, römisch-katholisch war, wenn auch mit einer römisch-katholischen Frau verheiratet, was damals für Lutheraner in den Niederlanden nicht untersagt war. Seine ersten bekannten Stiche stammen von 1648 und 1649 und entstanden wahrscheinlich für Joan Blaeu. In dieser Zeit nahm er auch den Nachnamen de Wit anstelle des traditionellen niederländischen Patronyms Hendriksz. an.
Ab etwa 1662 war Frederik de Wit Herausgeber von Weltatlanten. Sie umfassten 17 bis 190 Karten. Die nautischen Atlanten umfassten 27 Seekarten und erschienen ab 1675.
1666 erwarb er von Hubertus Quellinus (1619–87) aus Antwerpen diverse Kupferstichplatten, unter anderem eine Abbildung des neuen Rathauses von Amsterdam. Auch von den Gebrüdern Ottens erwarb er zahlreiche Karten und verkaufte selbst welche an diese. Sein zu seiner Zeit viel beachteter Atlas der Niederlande Nieuw kaertboeck van de XVII Nederlandse Provincien erschien in verschiedenen Ausgaben und enthielt 20 bis 25 Karten. Die „Stedeboeken“ (Stadtbücher, die Panoramen, Detailansichten und Stadtpläne enthielten) erschienen ab 1695.
Frederik de Wit wurde zu einem der wichtigsten Verleger von Karten und Atlanten seiner Zeit. Durch seine Heirat mit der Amsterdamer Bürgerin Maria van der Waag erwarb er 1661 die Bürgerrechte der Stadt. Drei Jahre später wurde er zur St.-Lucasgilde zugelassen. Sein Ansehen zeigt sich auch darin, dass sein Name von 1694 bis 1704 auf der Städteliste der „guten Männer“ (einer Art Laienrichter bzw. Schöffen – eine Vertrauensposition der Stadtregierung) aufgeführt ist.
Nach dem Niedergang der bis dahin den Markt dominierenden Druckhäuser von Joan Blaeu und Jan Jansson erwarb de Wit bei Auktionen eine große Anzahl wertvoller Kupferdruckplatten, mit denen er unter anderem die beiden ab 1698 herausgegebenen Editionen der Stedeboeken der Niederlanden herstellte, 124 Stadtpläne und Ansichten der ersten Ausgabe und 128 der zweiten. Die Stadtbücher Europas mit 132 Stadtplänen und Ansichten waren hauptsächlich Kupferplatten von Jansson, die de Wit von der Firma Jansson-Waesberg erworben hatte. Darunter befanden sich auch die alten Platten von Braun en Hogenberg Civitates Orbis Terrarum, wodurch de Wit die Möglichkeit erhielt, auch diese nachzudrucken.
Bald war de Wit in der Lage, nahezu jeden Kartografie-Typ zu liefern: Von nautischen Karten über Atlanten bis hin zu Stadtplänen und Städtepanoramen. Seine Arbeit war gekennzeichnet durch einen besonders feinen Stich und eine edle Farbgestaltung, die seine Werke bis heute interessant machen, die in großer Zahl reproduziert wurden und in ihren Originalen einen hohen Wert darstellen. Bis zu seinem Tod wohnte er an der Amsterdamer Kalverstraat in seinem „De Witte Pascaert“ (die weiße Seekarte) genannten Haus.
Nach dem Tod von Frederik de Wit 1706 führte seine Witwe Maria das Geschäft fort, was damals in den Niederlanden nicht ungewöhnlich war. 1710 löste sie das Unternehmen jedoch auf und verkaufte den Lagerbestand gedruckter Karten und die Kupferplatten auf einer Auktion. Carhart führt dies darauf zurück, dass der Sohn und Alleinerbe Franciscus Xaverius als erfolgreicher Stockfischhändler nicht am Geschäft interessiert war und Maria wahrscheinlich gesundheitliche Probleme hatte, da sie im Jahr darauf verstarb. Die meisten Druckplatten wurden von Pieter Mortier erworben, der weiterhin Karten und Atlanten mit de Wits Namen, ergänzt um den seinigen, verkaufte. Mortier starb 1711; aus seinem zunächst von seiner Witwe und dann seinem Sohn fortgeführten Unternehmen ging 1721 Covens & Mortier hervor. Damit verlagerte sich die Kartenherstellung von den über Jahrzehnte dieses Arbeitsgebiet dominierenden Niederlanden nach Frankreich.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wit, Frederik de |
| ALTERNATIVNAMEN | Wit, Frederick de; Frederik Hendriksz. |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländischer Verleger |
| GEBURTSDATUM | 1629 oder 1630 |
| GEBURTSORT | Gouda |
| STERBEDATUM | Juli 1706 |
| STERBEORT | Amsterdam |