Fredric Jameson

Fredric Jameson (2004)

Fredric R. Jameson (* 14. April 1934 in Cleveland, Ohio; † 22. September 2024 in Killingworth, Connecticut) war ein US-amerikanischer Marxist sowie Literaturkritiker und -theoretiker. Er war Professor an der Duke University.

Leben und Werk

Jameson studierte in München, Berlin und an der Yale University. Er wurde über Jean-Paul Sartre bei Erich Auerbach promoviert.

Jamesons Neo-Marxismus mit seiner Betonung des Totalitätsbegriffs ist stark beeinflusst von der immanenten Kritik Hegels sowie von den Arbeiten der Philosophen Georg Lukács, Ernst Bloch, Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Herbert Marcuse, Sartre und insbesondere Louis Althusser. Jameson wurde vor allem als ein Theoretiker bekannt, der in der Tradition der Kritischen Theorie und des Postmarxismus steht.

In den 1950er Jahren machte er in den USA den dort bislang unbekannten westlichen undogmatischen Marxismus bekannt und hatte somit Anteil an der Entwicklung der neuen Linken in den Vereinigten Staaten.

Jamesons bekannteste Arbeiten sind The Political Unconscious, Postmodernism: The Cultural Logic of Late Capitalism, und Marxism and Form. Er hat Bücher über Politik, Kultur und Literatur veröffentlicht. Auf Deutsch erschienen u. a. 1999 Lust und Schrecken der unaufhörlichen Veränderung aller Dinge (engl. Brecht on Method) sowie 2004 Mythen der Moderne (engl. A Singular Modernity).

Jameson starb im Alter von 90 Jahren.

Ihm wird der bekannte Satz zugeschrieben „Es ist leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus.“

Theorie der Postmoderne

Jameson war einer der ersten Theoretiker und Kritiker der Postmoderne. In seinen Analysen beschreibt er, dass die treibenden Ideen der Moderne ihre Greifbarkeit und Gestalt verloren haben. An die Stelle der emblematischen Energie der großen Maschinen und schnellen Fahrzeuge der Moderne seien Bildoberflächen und ihre nichts ausdrückenden Gehäuse getreten. Die technischen Neuerungen der Postmoderne erleichterten lediglich die virtuelle Projektion von Dingen, die bereits existieren. Der Postmodernismus habe das Gefühl für die Differenz zwischen dem Realen und der kulturellen Zeichenwelt verloren. Und er zeichne sich – hierin folgt Jameson Jean Baudrillards Konzept des Simulacrum – durch Merkmale aus, die an die Welt der Schizophrenen erinnern:

Zwar forderte Jameson, die Postmoderne positiv und negativ zugleich zu denken: Alle Züge der Postmoderne seien letztlich nur übersteigerte Züge der Moderne. Doch führe die Diagnose eines Verlustes der Zukunft zu einer überwiegend negativen Bewertung der Postmoderne. Damit vertrat Jameson eine Gegenposition zu Linda Hutcheon. Denn die Literaturtheoretikerin schreibt der postmodernen Ironie eine antitotalitäre Wirkung zu. Der postmoderne Umgang mit der Geschichte, die uns lediglich aus den unzuverlässig überlieferten historischen Diskursen bekannt sei, daher dauernd kritisch revidiert, zitiert und parodiert werden dürfe, stelle eine gesteigerte und produktive Form der Selbstreflexion dar. Linda Hutcheon teilt nicht die Auffassung, dass die Postmoderne in ganz Europa Fuß gefasst habe, sondern sie hielt die Postmoderne in der Veröffentlichung von 1989 vor allem für eine populistische Reaktion auf den Elitarismus und Snobismus der britischen Kultur. Demgegenüber erkannte Jameson in der Postmoderne die spezifische Kultur der Globalisierung –, eine Kultur, die selbst zum Big Business wird, jedoch Ökonomie und Politik kulturalisiert und so zu Kulturkämpfen (statt Klassenkämpfen) führe.

Mitgliedschaft

Auszeichnungen

Werke

Englische Sprache

Deutsche Übersetzungen

Literatur

Commons: Fredric Jameson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Andreas Bernard: Zum Tod von Fredric Jameson: Der Mann, der Marxismus und Poesie zusammen dachte. In: Der Spiegel. Nr. 40, 23. September 2024, ISSN 2195-1349, S. 117 (spiegel.de [abgerufen am 29. November 2024]).
  2. ↑ Panagiotis Sotiris: Fredric R. Jameson (1934–2024). In: Historical Materialism. 22. September 2024, abgerufen am 29. November 2024 (englisch).
  3. ↑ Georg Diez: Fredric Jameson: Stets historisieren! In: Die Zeit. 24. September 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 24. September 2024]).
  4. ↑ Isabella Hermann: Science Fiction zur Einführung. 2., korrigierte Auflage. Junius-Verlag, Hamburg 2026, ISBN 978-3-96060-321-4, S. 153 (Jameson 2005: 199).
  5. ↑ Fredric Jameson: Postmodernism, or, the Cultural Logic of Late Capitalism. 1991, S. ix f., 3–29.
  6. ↑ Linda Hutcheon: The Politics of Postmodernism. London / New York, Routledge 1989.
  7. ↑ Tomislav Medak: Menschen über neue Realitäten belehren. Interview mit Fredric Jameson. In: www.springerin.at, 3/2000.
  8. ↑ Fredric R. Jameson. 17. November 2008, abgerufen am 24. September 2024 (amerikanisches Englisch).
  9. ↑ Wilbur Cross Medal Recipients By Year. (PDF) 2024, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. Oktober 2025; abgerufen am 22. Oktober 2024 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
Personendaten
NAME Jameson, Fredric
ALTERNATIVNAMEN Jameson, Fredric R.
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer politischer Marxist, Literaturkritiker und -theoretiker
GEBURTSDATUM 14. April 1934
GEBURTSORT Cleveland, Ohio
STERBEDATUM 22. September 2024
STERBEORT Killingworth, Connecticut