Frequentativ – bzw. Frequentativum oder Iterativ bzw. Iterativum (lateinischverbum frequentativum bzw. verbum iterativum; von lateinischfrequentia „Häufigkeit“ bzw. von iterare „wiederholen“) oder Repetitiv– bezeichnet die Aktionsart eines Verbs, die ein sich wiederholendes Einzelereignis ausdrückt.
Verba frequentativa sind vor allem in den alten Sprachen wie Latein und Altgriechisch zu finden. Im Lateinischen sind sie z.B. an den Suffixen-it- und -s- erkennbar.
ta-x-are (-x- = [-ks-] aus -g-s-) zu tang-ere „oftmals betasten, berühren“, um es einzuschätzen, zu bewerten; hier direkt von der Verbalwurzel und nicht über den „Umweg“ des Partizips Perfekt Passiv tāct-um gebildet
Auch im Deutschen gibt es frequentative oder iterative Verben. Diese sind oft mit dem Suffix -eln oder -ern vom ursprünglichen Verb abgeleitet, wie auch die diminutiven Verben:
betteln: „wiederholt bitten“
drängeln: „wiederholt drängen“
häkeln: „wiederholt haken“
kippeln: „wiederholt kippen“
klingeln: „wiederholt klingen“
lagern: „wiederholt legen“
metzeln: „wiederholt metzen (= schneiden)“
rammeln: „wiederholt rammen“
schütteln: „wiederholt schütten“
sickern: "wiederholt siechen"
sticheln: „wiederholt stechen“
streicheln: „wiederholt streichen“
stricheln: „wiederholt Striche ziehen“ (nur noch im Partizip Perfekt gestrichelt gebräuchlich).
Auch Bewegungsverben auf -eln und -ern drücken oft sich wiederholende Bewegungen aus:
baumeln
eiern
hoppeln
popeln
schaukeln
taumeln
torkeln
wabern
zittern
Diese Bildungen entsprechen den althochdeutschen iterativen und diminutiven Verbalstammbildungen mit l-Suffix. Auch mit anderen Suffixen gebildete iterative Verben kamen zahlreich im Althochdeutschen vor. Die meisten von ihnen weisen als Suffixe entweder -azzen oder -ezzen auf, die eine besonders intensive Nuance der Iteration ausdrücken; z.B. gakkezzen (gackern, schnattern), roffezzen (rülpsen), heilazzen (heilen). Manche von ihnen blieben in regionalen Dialekten erhalten.
Ein älteres Beispiel ist das Verb horchen, das eine Frequentativbildung von hören ist; das Wort erscheint erstmals im Mittelhochdeutschen.
Die russische Sprache kann den Iterativ durch das Suffix -ва- [-wa-] ausdrücken, z.B.:
Helmut Glück, Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 5. Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02641-5. Lemma: „Iterativ“ S.313.
↑Gerhard Köbler: Taschenbuch des althochdeutschen Sprachschatzes. Verlag Schöningh, 1994, S.XLIX.
↑Im Bairischen sind solche z.B. kagetzen (heiser sprechen), schliefetzen (auf dem Eis rutschen, zu slifan schleifen), rofetzen (aufstoßen, rülpsen), naffetzen (einnicken).
↑Gerhard Köbler:Buchstabe H. In: Mittelhochdeutsches Wörterbuch. 3. Auflage. 2014 (koeblergerhard.de[abgerufen am 30.April 2023]).