Frequentativ

Frequentativ – bzw. Frequentativum oder Iterativ bzw. Iterativum (lateinisch verbum frequentativum bzw. verbum iterativum; von lateinisch frequentia „Häufigkeit“ bzw. von iterare „wiederholen“) oder Repetitiv – bezeichnet die Aktionsart eines Verbs, die ein sich wiederholendes Einzelereignis ausdrückt.

Verba frequentativa sind vor allem in den alten Sprachen wie Latein und Altgriechisch zu finden. Im Lateinischen sind sie z. B. an den Suffixen -it- und -s- erkennbar.

Beispiele aus dem Lateinischen:

Auch im Deutschen gibt es frequentative oder iterative Verben. Diese sind oft mit dem Suffix -eln oder -ern vom ursprünglichen Verb abgeleitet, wie auch die diminutiven Verben:

Auch Bewegungsverben auf -eln und -ern drücken oft sich wiederholende Bewegungen aus:

Diese Bildungen entsprechen den althochdeutschen iterativen und diminutiven Verbalstammbildungen mit l-Suffix. Auch mit anderen Suffixen gebildete iterative Verben kamen zahlreich im Althochdeutschen vor. Die meisten von ihnen weisen als Suffixe entweder -azzen oder -ezzen auf, die eine besonders intensive Nuance der Iteration ausdrücken; z. B. gakkezzen (gackern, schnattern), roffezzen (rülpsen), heilazzen (heilen). Manche von ihnen blieben in regionalen Dialekten erhalten.

Ein älteres Beispiel ist das Verb horchen, das eine Frequentativbildung von hören ist; das Wort erscheint erstmals im Mittelhochdeutschen.

Die russische Sprache kann den Iterativ durch das Suffix -ва- [-wa-] ausdrücken, z. B.:

Literatur

Wiktionary: Iterativ – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Iterativum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Frequentatīvum. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 6: Europa–Gascogne. Altenburg 1858, S. 703 (Digitalisat. zeno.org).
  2. ↑ Johann Christoph Adelung: Metzeln. In: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 2. Auflage. Band 3: M–Scr. Breitkopf, Leipzig 1798, S. 195 (Digitalisat. zeno.org).
  3. ↑ In der alten Grundbedeutung von „schütten“ = „hin- und herbewegen“. schütten. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 15: Schiefeln–Seele – (IX). S. Hirzel, Leipzig 1899, Sp. 2111 (woerterbuchnetz.de).
  4. ↑ Gerhard Köbler: Taschenbuch des althochdeutschen Sprachschatzes. Verlag Schöningh, 1994, S. XLIX.
  5. ↑ Im Bairischen sind solche z. B. kagetzen (heiser sprechen), schliefetzen (auf dem Eis rutschen, zu slifan schleifen), rofetzen (aufstoßen, rülpsen), naffetzen (einnicken).
  6. ↑ Gerhard Köbler: Buchstabe H. In: Mittelhochdeutsches Wörterbuch. 3. Auflage. 2014 (koeblergerhard.de [abgerufen am 30. April 2023]).