Frieda Grafe studierte Philosophie, Romanistik und Germanistik in München, Paris und Münster.
Grafe schrieb 1965 über ihre Lehrjahre:
„Stärkstes Bildungserlebnis: die Erfahrung der Universitäten als bedeutendste Brutstätte patriarchalischen Denkens. Erste ernsthafte Berührung mit dem Film in Paris, wo man mir an der Sorbonne das Studium von Murnau zum besseren Verständnis des deutschen Expressionismus empfahl. Danach systematischer Kinobesuch, begünstigt durch die Tatsache, daß die Universität im Kinoviertel liegt.“
Grafes Stil war montageartig-assoziativ. Sie ließ Anregungen aus den unterschiedlichsten Gebieten in ihre Texte einfließen: Fotografie, Mode, Farbtheorie, Philosophie, Linguistik, Feminismus, Literatur und Malerei.
Zu Lebzeiten erschienen die Textsammlungen: Im Off (1974, zusammen mit Enno Patalas), Beschriebener Film (1985).
Sie verfasste die Filmtips, die von 1970 bis 1986 wöchentlich in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Dabei handelt es sich um ganz kurze Bemerkungen zum aktuellen Münchener Filmangebot, oft nur ein Satz pro Film. Diese Texte erschienen ebenfalls als Buch Filmtips Frieda Grafe.
1995 publizierte sie in England einen kurzen Essay in Buchform über den Film The Ghost and Mrs. Muir von Joseph L. Mankiewicz (deutsch 2002 in Grafe: Filmfarben).
Grafe lebte ab 1961 in München. 1962 heiratete sie Enno Patalas, mit dem sie einen Sohn namens Igor (1963–2024) hatte. Am 10. Juli 2002 starb Frieda Grafe in München.
Grafe erfreute sich einer enormen Wertschätzung ihrer Kritikerkollegen.
Lieblingsfilme
1995 nannte sie bei einer Umfrage ihre dreißig Lieblingsfilme (Originaltitel, in chronologischer Reihenfolge, Regisseure in Klammern):
Zwölfbändige Werkausgabe von Frieda Grafe, erschienen 2002–2008, Verlag Brinkmann & Bose, Berlin (Homepage des Verlags). Enthält die folgenden Einzelbände:
Souvenirs, Ursprünge, Gefundene Fiktion. Englische Übersetzung von Joel Scott. Harun-Farocki-Institut, Berlin.
mit Enno Patalas: Im Off. Filmartikel. München 1974.
Literatur
Hommage für Frieda Grafe in der Filmzeitschrift steadycam, Nr. 45, Frühjahr 2003 (Homepage der Zeitschrift)
Eine Diplomarbeit, die sich Frieda Grafes Schreiben widmet: Wegner, Wenke (2004): Körpersinn und Filmkritik - zur Produktion eines neuen Wissens in den Texten von Frieda Grafe (1961–2002), als französische Kurzfassung: Wegner, Wenke (2004): Sens du corps et critique de cinéma - à propos de la production d’un nouveau savoir dans les textes de Frieda Grafe (1961–2002). [pdf-download unter: https://www.wenkewegner.de/]
Described Film – eine Sammlung von Texten Frieda Grafes in niederländischer und englischer Übersetzung, veröffentlicht auf der Website von sabzian.be, mit einer Einführung von Volker Pantenburg (18. Juni 2025)
Einzelnachweise
↑Frieda Grafe: Autoporträt mit 30. Zuerst erschienen in: Filmkritik vom April 1965; wiederveröffentlicht in: Aus dem Off – Zum Kino in den Sechzigern, Schriften, 4. Band, S. 9, Verlag Brinkmann & Bose, Berlin 2003, ISBN 3-922660-84-3.
↑Siehe hierzu u. a. die folgenden Texte: Harun Farocki: Festrede (Laudatio, vorgetragen anlässlich der Verleihung des 01-Award an Frieda Grafe und Enno Patalas in der Hochschule der Künste Berlin am 23. November 2000); in: Unregelmäßig, nicht regellos – Schriften – Band 5; Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2021, ISBN 978-3-96098-990-5. Heinz Emigholz: Nachruf - Für Frieda Grafe, auf der Website arsenal-berlin.de (abgerufen am 13. August 2021). Michael Girke: Mit den Augen schreiben – oder: 5 Komplimente an Frieda Grafe (Vortrag, gehalten in der Murnau Gesellschaft, Bielefeld, am 10. Dezember 2002); auf der Website newfilmkritik.de (abgerufen am 14. August 2021). Michael Althen: Die Hartnäckigkeit gewisser Geister - Was die Filmkritik immer noch von Frieda Grafe lernen kann; ursprünglich erschienen in FAZ vom 28. August 2003; wiederveröffentlicht auf der Website michaelalthen.de (abgerufen am 13. August 2021). Claudia Lenssen: Sie deckte Schönheit auf (Artikel zu einer Reihe der 30 Lieblingsfilme Frieda Grafes im Berliner Arsenal-Kino); auf der Website taz.de vom 24. April 2013 (abgerufen am 14. August 2021).
↑ Die dreißig Lieblinge der Kinoversteherin in FAZ vom 25. April 2013, Seite 29