Friedhelm Boll (* 16. Januar 1945 in Waldrach) ist ein deutscher Zeithistoriker.
Friedhelm Boll studierte Geschichte und katholische Theologie in Bonn und Toulouse und wurde 1979 an der Universität Bonn zum Dr. phil. promoviert. Von 1975 bis 2010 war er Historiker an dem mit der Friedrich-Ebert-Stiftung verbundenen Institut für Sozialgeschichte e.V. in Braunschweig sowie am Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn. 1993 habilitierte er sich an der Universität Kassel, 1999 wurde er dort zum außerplanmäßigen Professor ernannt.
In Forschung und Publikationen befasste er sich insbesondere mit Sozial‑ und Zeitgeschichte, Arbeiterbewegung, Streikforschung, Zwangsmigrationen, Holocaust‑Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen etwa „Sprechen als Last und Befreiung“ (zur deutsch-deutschen Erinnerungskultur) und mehrere Sammelbände zu Verfolgungsgeschichten, Gedenkstättenarbeit und Arbeitskämpfen.
Darüber hinaus ist er seit vielen Jahren in erinnerungspolitischen und demokratiebezogenen Initiativen engagiert, etwa im Vorstand von „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“. Aktuell gehört er außerdem dem Wissenschaftlichen Beirat von pax christi auf Bundesebene an.
In seinem 2003 erschienenen Buch ''Sprechen als Last und Befreiung. Holocaust-Überlebende und politisch Verfolgte zweier Diktaturen'' untersucht Boll die lebensgeschichtlichen Erzählungen von Opfern nationalsozialistischer und stalinistischer Verfolgung. Im Mittelpunkt stehen die Bedingungen und Formen der sprachlichen Verarbeitung von Verfolgungs- und Gewalterfahrungen sowie die Bedeutung von Zeitzeugenberichten für die individuelle Erinnerung und die gesellschaftliche Erinnerungskultur. Boll vertritt die These, dass das Erzählen traumatischer Erfahrungen sowohl als Belastung als auch als Form der Bewältigung und Selbstverständigung wirken kann. Zugleich analysiert er Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Erinnerungsberichten von Verfolgten verschiedener Diktaturerfahrungen und diskutiert deren Bedeutung für die deutsch-deutsche Erinnerungskultur.
Seit einigen Jahren nimmt Friedhelm Boll anlässlich des deutschen SS-Massakers in Maillé vom 25. August 1944 an den jährlichen Gedenkfeiern mit einer deutschen Historikerdelegation teil. 2017 erfolgte eine Einladung von Vertretern von Maillé an den Vorstand des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie in Berlin. Friedhelm Boll, Vorstandsmitglied des Vereins und langjähriges Mitglied der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi, legte das erste Mail zwei Blumengebinde für zivilgesellschaftliche Vereinigungen in Maillé nieder. 2022 wurde unter Federführung von Friedhelm Boll, der deutsch-französischen Doktorandin Layla Kiefel und dem Filmemacher David Hanna ein Film über das Massaker von Maillé gedreht. In diesem Kontext wurden Zeitzeugen* aus Maillé und die Mitglieder der deutschen Historikerdelegation befragt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boll, Friedhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Zeithistoriker |
| GEBURTSDATUM | 16. Januar 1945 |
| GEBURTSORT | Waldrach |