Friedrich Benjamin Osiander

Friedrich Benjamin Osiander
Grabstein Friedrich Benjamin Osiander und seiner Frau auf dem Historischen Albani-Friedhof zu Göttingen
Göttingen-Weende, Friedrich-Benjamin-Osiander-Weg

Friedrich Benjamin Osiander (* 9. Februar 1759 in Zell unter Aichelberg/Oberamt Kirchheim; † 25. März 1822 in Göttingen) war ein deutscher Arzt und Geburtshelfer sowie ab 1792 Professor der Geburtshilfe in Göttingen.

Leben

Der Sohn des Pfarrers Johann Rudolf Osiander (1717–1801) hatte die Schulen in Kirchheim unter Teck und 1773–75 die evangelische Klosterschule in Denkendorf (Württemberg) besucht. Ab 1776 studierte er Medizin an der Universität Tübingen und promovierte dort 1779 mit einer Dissertation über die Heilquelle von Owen mit De fonte medicato Owensi (Tübingen 1779) zum Doktor der Medizin. Danach ging er ein halbes Jahr nach Straßburg, um sich praktisch fortzubilden, u. a. in Geburtshilfe. Anschließend ließ er sich 1779 als Arzt und Geburtshelfer in Kirchheim unter Teck nieder. Ein Mäzen ermöglichte ihm 1781/82 einen Fortbildungsaufenthalt beim Hofrat G. W. Stein an der Entbindungsanstalt in Kassel. Dort sammelte er umfangreiche Erfahrungen in der Geburtshilfe und lernte die Geburtszange anzuwenden. Danach setzte er seine Praxis in Kirchheim unter Teck fort. 1787 trat er als medizinischer Autor hervor mit dem Buch Beobachtungen, Abhandlungen und Nachrichten, welche vorzüglich Krankheiten der Frauenzimmer und Kinder und die Entbindungswissenschaft betreffen (Tübingen 1787).

Von 1792 bis zu seinem Tod 1822 war Osiander Professor der Medizin und Direktor des Entbindungshospitals (Accouchierhaus) in Göttingen. 1804 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt. 1805 wurde er zum Hofrat ernannt. Osiander war als Autor, Lehrer und Praktiker einer der profiliertesten deutschen Geburtshelfer seiner Zeit. Er trat als Vorkämpfer der operativen Geburtshilfe und entschiedener Befürworter der Geburtszange auf; dagegen lehnte er Operationen ab, die das Leben des Kindes opferten, um die Mutter zu retten. Unter Osianders Leitung wurden im Göttinger Entbindungshospital 40 % aller Entbindungen mit der Zange durchgeführt. Damit war er Gegenspieler von Johann Lukas Boër in Wien, der sich für eine „natürliche Geburtshilfe“ einsetzte.

Nach Osianders Tod vertrat ihn kurzfristig sein Sohn Johann Friedrich Osiander in der Leitung des Göttinger Entbindungshospitals. Nachfolger wurde 1823 Caspar Julius Mende.

Zu Osianders Schülern gehörten unter anderem der Chirurg Georg Anton Markard und der Gynäkologe und Geburtshelfer Adam Elias von Siebold.

Familie

Osiander heiratete am 26. Januar 1786 in Kirchheim unter Teck Friederike Charlotte Weber (22. Juli 1765 – 19. August 1827), die Tochter des Bürgermeisters von Cannstatt Johann David Weber. In der Ehe wurden vier Kinder geboren:

Schriften (Auswahl)

Literatur

Commons: Friedrich Benjamin Osiander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 183.
  2. ↑ Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg (Druck: Bonitas-Bauer), Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 144 und 587.