


Karl Franz Friedrich Chrysander (* 8. Juli 1826 in Lübtheen; † 3. September 1901 in Bergedorf bei Hamburg) war ein deutscher Musikwissenschaftler und ein Herausgeber der Werke Georg Friedrich Händels.
Friedrich Chrysander arbeitete seit 1843 als Haus- und Schullehrer, widmete sich autodidaktischen Studien in Theorie und Geschichte der Musik, unternahm Kompositionsversuche, betätigte sich als Musikkritiker und Forscher in regionaler mecklenburgischer Musikgeschichte, bevor er mit zwei an der Universität Rostock eingereichten, schon 1853 veröffentlichten Schriften über das Moll-Geschlecht und über das Oratorium im Jahr 1855 promoviert wurde. Anschließend hielt er sich längere Zeit im Ausland auf, namentlich in England. Nach Deutschland zurückgekehrt, hielt er sich teils in Lauenburg, teils in Vellahn in Mecklenburg auf. Seit 1866 hatte er seinen Wohnsitz in Bergedorf bei Hamburg. Chrysander fand seine Grabstätte in Vellahn.
Zusammen mit dem Historiker Georg Gervinus gründete Chrysander 1856 die Deutsche Händel-Gesellschaft mit dem Ziel, sämtliche Werke Georg Friedrich Händels herauszugeben. Die Gesellschaft löste sich schon nach vier Jahren auf, woraufhin Chrysander die Arbeit an der Gesamtausgabe weitgehend selbst übernahm. Hierfür erwarb er eine große Zahl an Dirigierpartituren; und er reiste nach London, um Autographen zu sichten. Zur Finanzierung musste er seine Sammlung an die Hansestadt Hamburg verkaufen.
Chrysander verfasste eine Biographie Händels (1685–1759), die unvollendet blieb: Sie bricht im Jahr 1740 ab, dem Jahr der letzten Oper Deidamia und dem Beginn der Zeit der Oratorien. Das biografische Werk (Leipzig 1858–67, Band 1–3, erste Hälfte) stellt in der Musikgeschichte eine ganz besondere Leistung dar. Außerdem war Chrysander von 1859 bis 1894 der erste Herausgeber des Gesamtwerkes Georg Friedrich Händels auf der Basis systematischer Quellenforschung.
Als Redakteur der Allgemeine musikalische Zeitung von 1868 bis 1871 und von 1875 bis 1882 war Friedrich Chrysander ein Pionier der Musikkritik. Den Bibliothekar Joseph Müller machte er von 1871 bis 1874 zum Redakteur dieser Zeitschrift und verschaffte ihm gutachterlich die Stellung des Bibliothekars an der Berliner Musikhochschule. 1885 gründete Friedrich Chrysander zusammen mit Philipp Spitta und Guido Adler die Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft.
Die Chrysanderstraße in Hamburg - Bergedorf wurde nach ihm benannt.
Zahlreiche historische Studien Chrysanders erschienen auch in den beiden Bänden (1863 und 1867) der von ihm begründeten und herausgegebenen Jahrbücher für musikalische Wissenschaft (sie waren eine Pionierleistung und ein Weckruf der jungen, im Entstehen begriffenen deutschen Musikwissenschaft) und in der Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft. Hervorzuheben sind auch die von Chrysander herausgegebenen Denkmäler der Tonkunst mit folgenden Kompositionen:
Von den insgesamt 94 Bänden der Werkausgabe und sechs Ergänzungsbänden, die er überwiegend auch selbst gestochen hat, stellte Chrysander 92 Bände sowie vier Ergänzungsbände selbst fertig. Ein weiterer Händel-Band und zwei Ergänzungsbände wurden 1902 von Max Seiffert ergänzt.

Autor
Herausgeber
chronologisch
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Chrysander, Friedrich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Musikwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 8. Juli 1826 |
| GEBURTSORT | Lübtheen |
| STERBEDATUM | 3. September 1901 |
| STERBEORT | Bergedorf |