Friedrich Feldtmann

Friedrich Conrad Anton Feldtmann (* 26. Januar 1834 in Bremen; † 13. Februar 1884 in Pankow) war ein deutscher Schauspieler, Bühnenleiter und Theaterdirektor, der in die Rechts- und homosexuelle Emanzipationsgeschichte einging.

Leben

Feldtmann wurde in Bremen geboren. Seine Eltern waren Friedrich Feldtmann und Adelheid, geb. Haar. Er war u. a. in Bremen als Theaterdirektor tätig und wurde 1867 wegen homosexueller Handlungen erpresst. Erpresser war der Schauspieler Karl (Carl) Wilhelm Otto Filsinger, der Zeuge von intimen Handlungen zwischen Feldtmann und drei jüngeren Männern geworden war. Feldtmann ging zunächst darauf ein, doch angesichts immer weiter steigender Forderungen Filsingers weigerte er sich schließlich. Filsinger denunzierte ihn der Polizei, woraufhin Feldtmann am 3. Oktober 1867 verhaftet wurde. Feldtmann leugnete nicht, sondern nahm die Anzeige gegen sich und die darauffolgende Untersuchungshaft in Kauf.

Am 19. Dezember 1867 kam es zum Prozess. Feldtmann schrieb an den Bremer Senat, dass er in seinen Handlungen „nichts Unehrenhaftes“ entdecken könne. Vor Gericht verteidigt er sich: „So gut Sie, meine Richter, das Recht haben, das Weib zu lieben, so gut habe ich das Recht, den Mann zu lieben. Beide haben wir das Recht, von Gott. Weigern Sie dem die Gerechtigkeit, der in meiner Brust den Trieb der Liebe legte, wie in die Ihre. Mich zu verdammen haben Sie die Macht. Das Recht bestreite ich Ihnen.“

Der Fall erregte deutschlandweit große Aufmerksamkeit. Feldtmann war gut vernetzt und wandt sich an Karl Heinrich Ulrichs, Vorkämpfer für die Rechte Homosexueller. Der reiste nach Bremen, um juristisch und publizistisch für Feldtmann zu kämpfen und ließ vor Prozeßbeginn eine seiner Streit- und Aufklärungsschriften in Bremen verteilen.

Feldtmann wurde am 20. Dezember 1867 für schuldig befunden und zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Mehrere Personen unterstützten sein Gnadengesuch, das jedoch abgelehnt wurde.

Da keinerlei Beweise für eine vollzogene Penetration vorgelegt wurde, wäre Feldtmann in einem anderen deutschen Staat freigekommen. Das absolut Besondere an diesem Prozess war, dass Friedrich Carl Feldtmann sehr selbstbewusst vor Gericht aufgetrat.

Feldtmann litt nach seiner Entlassung unter Depressionen und beging 1884 Suizid. Filsinger (* um 1843), gegen den ein Haftbefehl vorlag, hatte Bremen bereits vor seiner Anschuldigung verlassen. Er setzte seine Erpressungen in den folgenden Jahren fort und tauchte in verschiedenen Städten in ganz Deutschland auf. Als Hochstapler u. a. namens "Baron von Steinach" beschritt er eine kriminelle Karriere und prellte Mitmenschen um ihr Geld, indem er Bekanntschaften zu Adligen und Prominenten vorgab.

Lt. Ulli Steinbacher gilt der Fall heute als einer der frühen, dokumentierten Meilensteine des Widerstands gegen die Kriminalisierung homosexueller Männer im 19. Jahrhundert in Deutschland.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/digitalMediaViewer.action?archivalDescriptionId=8595183&selectId=21733813
  2. ↑ https://brema.suub.uni-bremen.de/bremensien/periodical/zoom/637457
  3. ↑ https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/showArchivalDescriptionDetails.action?archivalDescriptionId=2401490&executionId=3qOiWDdkIy
  4. ↑ Bernd-Ulrich Hergemöller, Mann für Mann. Biographisches Lexikon, Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-39766-4, S. 222
  5. ↑ https://www.joerg-hutter.de/schwule_spuren.htm
  6. ↑ https://taz.de/Start-des-Befreiungskampfes/!1282974/
  7. ↑ https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/showArchivalDescriptionDetails.action?archivalDescriptionId=8582962&executionId=fstFcvXdym
  8. ↑ Douglas Pretsell, Urning: Queer Identity in the German Nineteenth Century, University of Toronto Press, Toronto 2024
  9. ↑ https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN747097577&PHYSID=PHYS_0121&DMDID=DMDLOG_0001
  10. ↑ Bernd-Ulrich Hergemöller, Mann für Mann. Biographisches Lexikon, Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-39766-4, S. 222
  11. ↑ Der Wächter. Polizeiblatt für Mecklenburg, Jahrgang XXXIX. (Schwerin in Mecklenburg), Ausgabe Nr. 27 vom 8. April 1876, Seite 107–108 (Rubrik „Correspondenzen und Notizen“, Meldung Nr. 5)
  12. ↑ vgl. dazu: https://www.joerg-hutter.de/schwule_spuren.htm#Der
Personendaten
NAME Feldtmann, Friedrich
ALTERNATIVNAMEN Feldtmann, Friedrich Conrad Anton (vollständiger Name); Feldtmann, Carl Friedrich
KURZBESCHREIBUNG deutscher Schauspieler, Bühnenleiter und Theaterdirektor
GEBURTSDATUM 26. Januar 1834
GEBURTSORT Bremen
STERBEDATUM 13. Februar 1884
STERBEORT Pankow