Friedrich Pohlmann

Friedrich Pohlmann (* 5. März 1950 in Bielefeld) ist ein deutscher Soziologe. Er war von 1997 bis 2008 Privatdozent am Institut für Soziologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und publizierte neben soziologischen Arbeiten vor allem im Bereich der Kulturtheorie, insbesondere der vergleichenden Diktatur- und Ideologieforschung.

Seit den 2010er Jahren tritt Pohlmann vermehrt im Umfeld der Neuen Rechten auf und ist seit 2022 geschäftsführender Vorstand der Erich und Erna Kronauer-Stiftung.

Leben

Pohlmann wurde 1950 als Sohn des Diplom-Ingenieurs Kurt Pohlmann und dessen Frau Margarete, geb. Sattler, in Bielefeld geboren und wuchs in Wilhelmshaven auf. Nach dem Abitur am neu- und altsprachlichen Humboldt-Gymnasium Wilhelmshaven studierte Pohlmann zunächst Musik an den Musikhochschulen Hannover und Freiburg, ab 1970 dann im Hauptfach Soziologie und Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo er 1975 das Magisterexamen ablegte. 1979 wurde er in Freiburg bei Heinrich Popitz mit der Dissertation Das soziologisch-philosophische Werk Georg Simmels und sein geistesgeschichtliches Umfeld zum Dr. phil. promoviert und war anschließend bis 1997 in verschiedenen Stellungen Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Freiburg. 1990 habilitierte er sich ebenfalls in Freiburg zum Thema Ideologie und Terror im Nationalsozialismus war von 1997 bis 2008 als Privatdozent am Freiburger Institut für Soziologie sowie zusätzlich als freier Autor tätig. Er veröffentlichte zahlreiche Arbeiten auf den verschiedensten Gebieten der Soziologie und Kulturtheorie, insbesondere über die Klassiker der Soziologie, vergleichende Diktaturtheorie, Kulturanthropologie, Sozialisationstheorie und Soziologie des Alltags.

Wirkung und Rezeption

Würdigungen von Pohlmanns Forschungen zum Ideologievergleich

Der Historiker Frank-Lothar Kroll (2014) würdigte Pohlmanns 1995 veröffentlichte Aufsatzsammlung Marxismus – Leninismus – Kommunismus – Faschismus. Aufsätze zur Ideologie und Herrschaftsstruktur der totalitären Diktaturen, die einzelne Vorträge des Autors zwischen 1991 und 1994 zum Nationalsozialismus sowie linkem Totalitarismus enthalten, sowie auch Pohlmanns 2001 erschienene Monographie Deutschland im Zeitalter des Totalitarismus. Politische Identitäten in Deutschland zwischen 1918 und 1989 als „Pionierstudien“ im „Ideologievergleich zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus“. Auch der Politikwissenschaftler Oliver Lembcke (2006) äußerte sich über Pohlmanns Aufsatzsammlung von 1995 positiv. Er halte es für „lobenswert“, so Lembcke, dass Pohlmann auch „den ideologischen Voraussetzungen des Totalitarismus im Werk von Karl Marx“ nachgehe. Im Jahr 2011 würdigte Manuel Becker in einer Artikel für die Bundeszentrale für Politische Bildung Pohlmann zusammen mit den Autoren Lothar Fritze und Barbara Zehnpfennig, dass deren Forschungsperspektiven der vergleichenden Diktaturforschung zwischen DDR und Nationalsozialismus „anschlussfähig“ für vergleichende Ideologieforschung seien.

Im Jahr 2002 war Pohlmann war einer von sechzehn in- und ausländischen Historikern, Philosophen, Politikwissenschaftlern und Soziologen, die im von Werner Loh und Wolfgang Wippermann herausgegebenen Band „Faschismus“ kontrovers über „Sinn und Nutzen eines allgemeinen ideal- oder realtypischen Faschismusbegriffs“ diskutierten. Pohlmann steuerte zwei verschiedene Aufsätze zum Sammelband bei. Im Jahr 2019 verfasste er einen von mehreren Beiträgen einer Artikelreihe zum Thema Antisemitismus für den Deutschlandfunk.

Naheverhältnis zur Neuen Rechten

Pohlmann war 2003 Preisträger der Erich und Erna Kronauer-Stiftung, der seit 2010 ein Naheverhältnis zur Neuen Rechten vorgeworfen wird. Seit 2022 er deren geschäftsführender Vorstand. Im Jahr 2015 beteiligte sich Pohlmann mit einem Artikel über den Historikerstreit an der rechtsextremen Zeitschrift Sezession, in dem er im Ausgang des Historikerstreits nicht nur ein „Sieg der linken Grundhaltung“ sieht, sondern ihm zudem eine zentrale Bedeutung „für die Befestigung der hegemonialen Stellung einer bestimmten «volkspädagogischen» Großerzählung“ beimisst. Seit April 2023 veröffentlicht Pohlmann regelmäßige themenspezifische Audiobeiträge im rechtskonservativen Alternativmedium Kontrafunk.

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

Aufsätze (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. die biographischen Angaben bei Friedrich Pohlmann: Bolschewismus und Nationalsozialismus – Ideologie, Herrschaftsstrukturen und Terrorsysteme der totalitären Antipodenhier. In: HAIT, Jahrgang 5, 2008, S. 163–203, hier S. 163.
  2. ↑ Oliver Lembcke: Rezension zu: Friedrich Pohlmann: Marxismus - Leninismus - Kommunismus - Faschismus. Pfaffenweiler: 1995. In: Portal für Politikwissenschaft, veröffentlicht am 1. Januar 2006 (online).
  3. ↑ Frank-Lothar Kroll: Der Weg in den Holocaust. Rassismus und Antisemitismus in der nationalsozialistischen Ideologie. In: Frank-Lothar Kroll, Barbara Zehnpfennig (Hg.): Ideologie und Verbrechen. Kommunismus und Nationalsozialismus im Vergleich. München 2014, S. 113–138, hier S. 114.
  4. ↑ Oliver Lembcke: Rezension zu: Friedrich Pohlmann: Marxismus - Leninismus - Kommunismus - Faschismus. Pfaffenweiler: 1995. In: Portal für Politikwissenschaft, veröffentlicht am 1. Januar 2006 (online).
  5. ↑ Manuel Becker: Die Bedeutung des deutschen Diktaturenvergleichs für die politische Kultur der "Berliner Republik". In: bpb.de, 16. August 2011, zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2025 (online).
  6. ↑ Natalie Wohlleben: Rezension zu: Werner Loh / Wolfgang Wippermann (Hrsg.): "Faschismus" kontrovers Stuttgart: 2002. In: Portal für Politikwissenschaft, veröffentlicht am 1. Januar 2006 (online).
  7. ↑ Friedrich Pohlmann: Anmerkungen zum Faschismusbegriff der 1970er Jahre. In: Werner Loh, Wolfgang Wippermann (Hg.): „Faschismus“ kontrovers. Stuttgart 2022, S. 121–124; Friedrich Pohlmann: Der Faschismusbegriff Wolfgang Wippermanns – Anmerkungen zu einem geheimnisvollen Phänomen. In: Werner Loh, Wolfgang Wippermann (Hg.): „Faschismus“ kontrovers. Stuttgart 2022, S. 215–220.
  8. ↑ Friedrich Pohlmann: Neuer Antisemitismus (2/6). Keine Parolenkultur gegen Rassismus. In: deutschlandfunk.de, 23. Juni 2019 (online).
  9. ↑ Vorstand Kronauer-Stiftung, abgerufen am 6. Februar 2022.
  10. ↑ Friedrich Klein: Zweifelhafter Preis-(Träger). Jörg Friedrich. In: Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, 49. Jg., H. 154 (2010), S. 50–54.
  11. ↑ Vorstand Kronauer-Stiftung, abgerufen am 6. Februar 2022.
  12. ↑ Sarah Elisabeth Huber, Provokation und Verharmlosung. Das Geschichtsbild der Neuen Rechten am Beispiel der Zeitschrift Sezession, Dissertation 2024, S. 87f.
  13. ↑ Auflistung der Gastauftritte Pohlmanns bei Kontrafunk auf der Webseite kontrafunk.radio/de, zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2025 (online).
  14. ↑ Achtung: Die Datenbasis hat sich geändert; bitte Ergebnis überprüfen und SBB=1 setzen, wenn Ergebnis sinnvoll.
Personendaten
NAME Pohlmann, Friedrich
KURZBESCHREIBUNG deutscher Soziologe
GEBURTSDATUM 5. März 1950
GEBURTSORT Bielefeld