Fritz Brauns

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Friedrich „Fritz“ Brauns (* 13. Juni 1911 in Saarbrücken; † 1992) war ein deutscher Kommunalpolitiker und engagierte sich über mehrere Jahrzehnte in der Vertriebenen- und Patenschaftsarbeit. Von 1948 bis 1972 war er Bürgermeister von Bartenstein und damit der letzte Bürgermeister der bis Ende 1972 selbständigen Stadt.

Über seine kommunalpolitische Tätigkeit hinaus wurde Brauns insbesondere als Mitinitiator und langjähriger Träger der 1952 begründeten Patenschaft zwischen dem württembergischen Bartenstein und den Vertriebenen aus der ostpreußischen Stadt Bartenstein bekannt. Aus der Patenschaft entwickelten sich über Jahrzehnte regelmäßig stattfindende Heimattreffen, das Hilfswerk Bartenstein, eine Gedenkstätte sowie eine Heimatstube. 1983 wurde Brauns insbesondere für seine Verdienste um diese Patenschaft und die Eingliederung der Heimatvertriebenen mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Leben

Brauns wurde 1911 in Saarbrücken geboren. Bereits 1932 besuchte er als Mitglied eines Saarbrücker Musikvereins auf einer Reise durch Ostpreußen unter anderem die damalige Kreisstadt Bartenstein. Diese Begegnung erhielt rund zwei Jahrzehnte später Bedeutung für die Entstehung der Patenschaft zwischen den beiden namensgleichen Städten.

Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft kam Brauns 1946 in den damaligen Landkreis Künzelsau. Er arbeitete zunächst in der Landwirtschaft und zeitweise in der Verwaltung. Bei den ersten Bürgermeisterwahlen der Nachkriegszeit wurde er 1948 zum Bürgermeister von Bartenstein gewählt. Sein Amt trat er am 20. April 1948 an.

Bürgermeister von Bartenstein

Brauns leitete die Stadt nahezu 25 Jahre. Während seiner Amtszeit wurden unter anderem die Volksschule Bartenstein-Ettenhausen neu errichtet und 1956 eingeweiht sowie 1961 eine neue Turn- und Festhalle eröffnet.

Seit 1948 war Brauns zugleich in der Verwaltung des Stiftungskrankenhauses Bartenstein tätig. Auch nach dem Ende seiner Bürgermeisterzeit blieb er Verwalter des später in ein Altenpflegeheim umgewandelten Hospitals.

Infolge des wirtschaftlichen Strukturwandels, des Bevölkerungsrückgangs und der baden-württembergischen Gemeindereform wurde Anfang der 1970er-Jahre über die Zukunft der selbständigen Stadt beraten. Bei einer Bürgeranhörung am 13. Februar 1972 sprach sich eine deutliche Mehrheit für den Zusammenschluss mit Schrozberg aus. Zum 1. Januar 1973 wurde Bartenstein nach Schrozberg eingemeindet. Die Stadtrechte Bartensteins gingen auf die neue Gesamtstadt über. Nach der Eingemeindung führte er zunächst die örtliche Verwaltung weiter.

Patenschaft mit Bartenstein in Ostpreußen

Entstehung der Patenschaft

Zu Beginn der 1950er-Jahre nahm der aus dem ostpreußischen Bartenstein stammende Journalist Willi Piehl Kontakt zu Brauns auf. Brauns erinnerte sich an seinen eigenen Besuch in Ostpreußen im Jahr 1932 und unterstützte die Idee, den nach Flucht und Vertreibung über Deutschland verteilten ehemaligen Einwohnern Bartensteins ein Heimattreffen im namensgleichen württembergischen Bartenstein zu ermöglichen.

1952 fand das erste große Treffen statt. Mehr als 1200 ehemalige Einwohner und Angehörige kamen nach Bartenstein; andere zeitgenössische und spätere Berichte sprechen von rund 1400 Teilnehmern. Da der kleine Ort die Besucher nicht gewerblich unterbringen konnte, organisierte Brauns gemeinsam mit Einwohnern Privatquartiere in Bartenstein und der Umgebung. Berichte schilderten, dass noch spät ankommende Teilnehmer von Brauns persönlich empfangen und ihren Quartieren zugewiesen wurden.

Patenschaftsurkunde der Stadt Bartenstein

Im Rahmen des Treffens übernahm die Stadt Bartenstein die Patenschaft für die ehemalige ostpreußische Stadt. Brauns übergab die Patenschaftsurkunde an den Vertreter der ostpreußischen Bartensteiner. Die Verbindung gilt als die älteste Ostpreußen-Patenschaft in Baden-Württemberg.

Heimattreffen und Bartensteiner Ostkreuz

Die Begegnung von 1952 blieb nicht einmalig. Bereits vom 18. bis 22. Juli 1953 kamen rund 600 ehemalige Einwohner der ostpreußischen Stadt erneut nach Bartenstein. Höhepunkt des Treffens war die Einweihung eines weithin sichtbaren, rund 16 Meter hohen Holzkreuzes, das an die ehemalige ostpreußische Heimat und deren Tote erinnern sollte.

Die Errichtung des später als „Kreuz von Bartenstein“ beziehungsweise Ostlandkreuz bezeichneten Denkmals war auf eine Initiative Brauns zurückgegangen. Grundstück und Baumaterial wurden teilweise vom Haus Hohenlohe-Bartenstein zur Verfügung gestellt; Einwohner beteiligten sich an den Arbeiten. Das Kreuz entwickelte sich zum zentralen Erinnerungsort der späteren Heimattreffen.

In den folgenden Jahrzehnten fanden regelmäßig weitere Treffen statt. Die aus dem gesamten Bundesgebiet anreisenden ehemaligen Bartensteiner bezeichneten Brauns zunehmend als ihren „Patenonkel“.

Hilfswerk Bartenstein

Seit 1953 war außerdem das „Hilfswerk Bartenstein“ tätig. Es unterstützte über längere Zeit bedürftige ehemalige Einwohner und zurückgebliebene Landsleute unter anderem durch Paketsendungen. Brauns unterstützte das Hilfswerk auch nach dem Ende seiner Amtszeit weiterhin.

In Berichten über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes wurde dieses Engagement neben der Organisation der Heimattreffen und der Errichtung des Erinnerungsmals ausdrücklich als Bestandteil seiner Vertriebenenarbeit hervorgehoben.

Frachtschiff Bartenstein

1956 erhielt ein für den Norddeutschen Lloyd gebautes Frachtschiff den Namen Bartenstein. Brauns wirkte an der Namensgebung mit und pflegte anschließend Kontakte zwischen der Besatzung und den Bartensteiner Gemeinschaften.

Das beim Bremer Vulkan gebaute Schiff lief am 2. August 1956 vom Stapel und wurde noch im selben Jahr in Dienst gestellt. Bei Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Schiff trat Brauns auch vor Angehörigen der ostpreußischen Kreisgemeinschaft auf.

Fortführung nach dem Ende seiner Amtszeit

Auch nach der Eingemeindung Bartensteins nach Schrozberg setzte Brauns seine Arbeit für die Patenschaft fort. 1983 reiste er mit einer Gruppe erneut in das nun polnische Bartoszyce. Noch Ende der 1980er-Jahre bestanden regelmäßige Kontakte und Hilfslieferungen in die frühere ostpreußische Stadt.

Beim 35-jährigen Bestehen der Patenschaft im Juni 1987 kamen rund 350 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet nach Bartenstein. Die Festrede hielt der baden-württembergische Staatssekretär und Bevollmächtigte des Landes beim Bund Gustav Wabro. Brauns nahm weiterhin als „Patenonkel“ an dem Treffen teil und wurde für seine jahrzehntelange Arbeit ausgezeichnet.

Die Patenschaft überdauerte Brauns' Tod. Zum 50-jährigen Bestehen im Jahr 2002 wurde er gemeinsam mit Willi Piehl erneut als einer der Initiatoren der Verbindung gewürdigt. Am Grab von Brauns wurde im Rahmen des Jubiläumstreffens ein Kranz niedergelegt.

Die aus der Patenschaft hervorgegangene Heimatstube besteht in Bartenstein fort. Das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte des östlichen Europa dokumentiert sie als eine der deutschen Heimatsammlungen und verweist auf die seit 1952 bestehende Patenschaft und die regelmäßig veranstalteten Heimattreffen.

Ehrenamtliches Engagement

Neben seinem Bürgermeisteramt und der Vertriebenenarbeit war Brauns in mehreren Bartensteiner Vereinen und Einrichtungen tätig. Er war unter anderem Vorsitzender des örtlichen Sportvereins, stellvertretender Vorsitzender der katholischen Kirchengemeinde und über mehrere Jahrzehnte Verwalter des Stiftungskrankenhauses.

Das Hohenloher Tagblatt porträtierte Brauns wiederholt auch nach seinem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt. Zu seinem 70. Geburtstag erschien 1981 ein ausführlicher biografischer Beitrag; 1986 würdigte die Zeitung anlässlich seines 75. Geburtstags neben seiner früheren kommunalpolitischen Tätigkeit insbesondere die jahrzehntelange Verwaltung des Hospitals sowie seine Arbeit für die Patenschaft mit den ostpreußischen Bartensteinern.

Auszeichnung

1983 erhielt Brauns den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Die Auszeichnung erfolgte auf Vorschlag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth durch Bundespräsident Karl Carstens. Der Landesbeauftragte für Vertriebene im Staatsministerium Baden-Württemberg, Helmut Haun, überreichte den Orden bei einer Feierstunde im Rittersaal von Schloss Bartenstein.

In der Begründung standen seine Verdienste um die Eingliederung der Heimatvertriebenen und die von ihm mitbegründete Patenschaft mit Bartenstein/Ostpreußen im Mittelpunkt. Haun verwies dabei auf die über drei Jahrzehnte entstandene Gemeinschaftsleistung. Vertreter der Landsmannschaft Ostpreußen und der Kreisgemeinschaft Bartenstein würdigten ebenfalls Brauns' langjährige Arbeit. Die Kreisgemeinschaft verlieh ihm eine Bürgerurkunde und bezeichnete ihn als „Bürger beider Bartenstein“.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Egil Pastor: Auch Streitäxte können verbinden. Wie Bartenstein zur zweiten Heimat für Ostpreußen wurde.
  2. ↑ Brunhilde Bross-Burkhardt: Das gesellschaftliche Leben im 20. Jahrhundert. Bartenstein-Archiv, 2025.
  3. ↑ Hohenloher Tagblatt, Nr. 138 vom 20. Juni 1986: „Bürgermeister Fritz Brauns ist 75“.
  4. ↑ Das Ostpreußenblatt, 15. Oktober 1952.
  5. ↑ Das Ostpreußenblatt, 15. August 1953: „Bartensteiner in Bartenstein“.
  6. 1 2 3 4 5 Hohenloher Tagblatt, Nr. 36/1983: „Bundesverdienstkreuz für ‚Bürger beider Bartenstein‘ – Fritz Brauns hat sich für die Ostpreußen eingesetzt“.
  7. ↑ Hohenloher Tagblatt, Nr. 144 vom 27. Juni 1987: „Kreisgemeinschaft Bartenstein hält an Wiedervereinigung fest – Die Patenschaft Bartensteins über die Kreisgemeinschaft ist 35 Jahre alt“.
  8. ↑ Preußische Allgemeine Zeitung, 2002, Bericht zum 50-jährigen Bestehen der Patenschaft.
  9. ↑ Bundesinstitut für Kultur und Geschichte des östlichen Europa: Bartenstein (Stadt) – Heimatstube der Stadt Bartenstein, Dokumentation der Heimatsammlungen in Deutschland.
  10. ↑ Hohenloher Tagblatt, 13. Juni 1981: „Ein ‚Siebziger‘, der noch immer gern in den Sattel steigt – Fritz Brauns, Bartensteins Schulz a. D., wird heute 70“.
  11. ↑ Hohenloher Tagblatt, Nr. 138 vom 20. Juni 1986: „Bürgermeister Fritz Brauns ist 75“.
Personendaten
NAME Brauns, Fritz
ALTERNATIVNAMEN Brauns, Friedrich
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kommunalpolitiker und Akteur der Vertriebenenarbeit
GEBURTSDATUM 13. Juni 1911
GEBURTSORT Saarbrücken
STERBEDATUM 1992