
Fritz Kobold (* 12. August 1905 in Zürich; † 20. April 1985 in Mammern; heimatberechtigt in Zürich und Bremgarten bei Bern) war ein Schweizer Ingenieur, Geodät, Topograf und ETH-Professor. Er modernisierte die Ausbildungsgänge der Bau-, Vermessungs- und Kulturingenieure und baute das Institut für Geodäsie und Photogrammetrie IGP der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich zu einem führenden Forschungsplatz Europas aus. Er leitete die Arbeiten zur Realisierung eines einheitlichen, europäischen terrestrischen Bezugssystems.
Fritz Kobold, geboren 1905 in Zürich als Sohn von Johann Friedrich Kobold, Inhaber einer Buchdruckerei, und Marie geborene Lüdi, besuchte die Schulen der Stadt Zürich und von 1918 bis 1924 das Zürcher Gymnasium, welches er mit der Maturität abschloss. Die Freude an Landkarten und der Wunsch, eine Tätigkeit in der Natur – am liebsten in den Bergen – auszuüben, führten ihn zum Studium der Geodäsie, Kartografie und Topografie an der ETH Zürich. 1928 schloss er das Studium als Bauingenieur mit Diplom ab.
Er war von 1929 bis 1931 Assistent von Fritz Baeschlin am Geodätischen Institut der ETH Zürich. Von 1932 bis 1947 arbeitete er als Ingenieur und Geodät bei der Eidgenössischen Landestopographie L+T (heute Bundesamt für Landestopografie swisstopo) in Bern.
1943 heiratete er seine erste Ehefrau Elise Jrion von Winterthur, die einen Sohn in die Ehe brachte und nach deren Tod 1970 seine zweite Ehefrau Yvonne Schwab von Thunstetten.
Von 1947 bis 1974 war Kobold Professor der Geodäsie und Topografie an der ETH Zürich. Er war Mitglied und von 1958 bis 1972 Präsident der Schweizerischen Geodätischen Kommission SGK sowie von 1967 bis 1979 Präsident der Subkommission RETRIG der Internationalen Assoziation für Geodäsie IAG. In der ersten Projektphase leitete er ab 1972 die Grundlagenvermessung für den Gotthard-Basistunnel und war als Experte an den Absteckungsarbeiten für den Gotthard-Strassentunnel beteiligt.
Für Kobold bedeutete der Militärdienst in der Schweizer Armee mehr als nur Pflichterfüllung. Von 1941 bis 1961 war er Generalstabsoffizier, Chef des militärischen Kartenwesens im Armeestab und ab 1953 Oberstleutnant im Generalstab. Zuletzt war er Stabschef einer Heereseinheit.
Nach seiner Emeritierung 1974 befasste er sich bis kurz vor seinem Tod 1985 mit der Geschichte der Geodäsie, Landes- und Ingenieurvermessung und publizierte wissenschaftshistorische Beiträge in Fachzeitschriften.
Im Jahr 1928 erwarb Kobold das Diplom im Fach Bauingenieurwissenschaften mit Schwerpunkt Geodäsie an der ETH Zürich. Von 1929 bis 1931 arbeitete er als einziger Assistent von Prof. Fritz Baeschlin am Geodätischen Institut der ETH Zürich. Hier hatte er Gelegenheit, seine Kenntnisse auf den Gebieten der Geodäsie, Topografie und Kartografie zu vertiefen und erste Erfahrungen im Lehrbereich zu sammeln.

1932 erhielt Kobold eine Stelle als Ingenieur bei der Eidgenössischen Landestopographie L+T in Bern. Er kam zu einem Zeitpunkt an die L+T, als die Triangulation höherer Ordnung für die entstehende Landesvermessung LV03 bereits grösstenteils abgeschlossen war. Unter der Leitung von Chefingenieur Hans Zölly konnte er bei Ergänzungsarbeiten für die Triangulation 3. Ordnung im Berggebiet von Graubünden und im Tessin von der grossen Erfahrung der Triangulationsingenieure der L+T profitieren. In den ersten Jahren erledigte Kobold als junges Teammitglied zu grossen Teilen die mühseligen Signalisationsarbeiten im Berggebiet. Diese führte er jeweils mit einer Gruppe von lokal rekrutierten Messgehilfen aus.
1935 wurde das Kartengesetz über die Erstellung neuer Landeskarten von den Eidgenössischen Räten verabschiedet. In der Folge wurde Kobold hauptsächlich mit fotogrammetrischen Aufnahmen und Auswertungen beauftragt. Die inzwischen zur Reife entwickelten fotogrammetrischen Messmethoden kamen bei den topografischen Aufnahmen der neuen Landeskarte 1:50'000 im Alpenraum zum Einsatz. Die terrestrisch-fotogrammetrischen Aufnahmen wurden jeweils durch Luftbilder (Aerofotogrammetrie) ergänzt. Diese Arbeiten erforderten eine enge Zusammenarbeit zwischen Geodäten und Topografen. Die Triangulationsingenieure waren dabei für die Anlage der Basislinien und die trigonometrische Bestimmung von fotogrammetrischen Passpunkten zuständig. Kobold interessierte sich für die neuen vermessungstechnischen Methoden und konnte wertvolle Kenntnisse im Fachgebiet der Fotogrammetrie sammeln. Er befasste sich unter anderem auch mit technischen Innovationen auf diesem Gebiet, wie z. B. der Röntgen-Fotogrammetrie und später auch mit Infrarotaufnahmen.
Ab 1936 kam Kobold auch bei geodätischen Deformationsmessungen an Staumauern zum Einsatz. Diese Methode war von Ingenieur Werner Lang bei der L+T seit 1929 entwickelt und zur Reife gebracht worden. Dank der Pionierarbeit der Ingenieure der L+T im Zusammenhang mit dem Bau grosser Talsperren vor dem Zweiten Weltkrieg in der Schweiz hatte diese Methode der Ingenieurvermessung internationale Bedeutung erlangt. Auch diese Erfahrung sollte Kobold später bei der Lehrtätigkeit zugutekommen.
Neben Einsätzen beim Landesnivellement LN02 fand Kobold weitere interessante geodätische Aufgaben bei der damals aktuellen Regulierung der Landesgrenze Schweiz-Italien. Dabei ging es um die Umrechnung der Koordinaten der Grenzpunkte vom Schweizerischen ins Italienische Bezugssystem. Mit den damals bekannten Formeln und den verfügbaren Rechenmitteln war die Transformation der grossen Zahl von Grenzpunkten jedoch nicht zu bewältigen, sodass Kobold zunächst ein zweckmässiges Rechenverfahren entwickeln musste.
Während der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 musste Kobold seine Arbeit bei der L+T unterbrechen. Er verbrachte den grössten Teil dieser Zeit im aktiven Militärdienst als Artillerie-Hauptmann und machte schliesslich in der Armee Karriere. 1941 wurde er zum Chef des militärischen Karten- und Vermessungswesen im Armeestab im Rang eines Majors im Generalstab und zum Verbindungsoffizier zur L+T ernannt.

Bereits 1938 unternahm die L+T erste Versuche auf dem Gebiet der Infrarotfotografie. Mithilfe von Fototheodoliten wurden erfolgreich terrestrische Infrarotaufnahmen gemacht. 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg begann die Schweizer Armee mit dem Aufbau eines drahtlosen UKW-Kommunikationsnetzes. Für diese Telekommunikation war Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger erforderlich. Die Sichtfreiheit konnte mithilfe von Höhenprofilen aus Kartendaten jedoch nicht zuverlässig ermittelt werden. Deshalb wurden terrestrische Infrarotaufnahmen hinzugezogen. Im Auftrag der Armee leitete Kobold von 1942 bis 1946 in Zusammenarbeit mit den Richtstrahlpionieren das Infrarotprogramm der L+T. Es entstanden Infrarotpanoramen von 16 Alpengipfeln darunter der Rigi und dem Brienzer Rothorn.
1946 wurde Kobold zum 2. Sektionschef und Adjunkt für Landesvermessung und Kartografie befördert. In dieser Funktion erhielt er Einblick in die verschiedenen Arbeitsgebiete des Amtes.
1947 wurde Kobold durch den Bundesrat als Nachfolger von Fritz Baeschlin zum ordentlichen Professor für Geodäsie und Topografie sowie zum Leiter des Geodätischen Instituts an der ETH Zürich gewählt. Das Institut, dessen Leitung Kobold vom Vorgänger übernommen hatte, verfügte zwar über eine umfangreiche «geodätische Sammlung» von Messgeräten. Neben Instrumenten mit historischer Bedeutung gab es auch eine Anzahl neuerer Geräte schweizerischen Ursprungs, sodass die Bedürfnisse des Lehrbetriebs gut abgedeckt waren. Der Personalbestand umfasste jedoch lediglich eine Professur für Geodäsie und eine für Fotogrammetrie sowie zwei Assistenten und einen Mechaniker.
In den ersten Jahren seiner Professur konzentrierte sich Kobold voll und ganz auf die Lehrtätigkeit, die Vorlesungen und Praktika für die Fachrichtungen Bau-, Vermessungs- und Kulturingenieurwesen umfasste. An grössere Forschungsprojekte war daneben kaum zu denken. Aufgrund seiner früheren Erfahrungen als Student und Assistent versuchte Kobold, die Theorie leichter verständlich darzustellen als sein Vorgänger. Die Ausbildungsgänge wurden der Zeit angepasst und der Unterricht um die Vermittlung neuer Kenntnisse über den Einsatz moderner Messmethoden erweitert.
Ab Mitte der 1950er Jahre wurde das Institut für Geodäsie unter der Leitung von Kobold personell ausgebaut und die Forschungstätigkeit intensiviert. Ein entscheidender Schritt erfolgte in den folgenden Jahren, als es Kobold gelang, die Behörden von der Bedeutung der geodätischen Forschung zu überzeugen und das Institut durch mehrere Professuren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Doktoranden personell zu erweitern. Damit gelang es Kobold, das Institut für Geodäsie und Photogrammetrie IGP, wie es ab 1961 offiziell hiess, zu einem führenden Forschungsplatz im Bereich der Geodäsie in Europa auszubauen.
1951 trat Karl Schneider als Direktor der L+T zurück. Kobold galt als Wunschkandidat für die Wahl seiner Nachfolge durch den Bundesrat. Kobold bekundete Interesse an dieser Direktorenstelle im Eidgenössischen Militärdepartement EMD. Um ihn für die Stelle zu gewinnen, bot ihm die Bundesverwaltung neben annähernd adäquaten Anstellungsbedingungen auch die Möglichkeit an, seinen Titel als Professor und eine nebenamtliche Lehrtätigkeit an der ETH beizubehalten. Mit der Begründung, dass er die Lehre und Forschung einer vorwiegend administrativen Tätigkeit vorziehe, zog sich Kobold schliesslich als Kandidat zurück.
Kobold wurde 1948 Mitglied, Sekretär und Vizepräsident der Schweizerischen Geodätischen Kommission SGK und war von 1958 bis 1971 deren Präsident. Die SGK ist auf dem Gebiet der geodätischen Forschung das planende, koordinierende, teilweise auch finanzierende und die internationalen Beziehungen betreuende Organ der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft SNG (heute Akademie der Naturwissenschaften SCNAT). In dieser leitenden Funktion initiierte und koordinierte Kobold zukunftsweisende Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Gebiet der Geodäsie und Landesvermessung.
Die Erforschung des Schwerefelds im schweizerischen Alpenraum wurde zu einem wichtigen Ziel der SGK. Ausgehend von Kobolds Vorschlag erfolgten astrogeodätische Bestimmungen der Lotabweichung entlang von Nord-Süd- und Ost-West-Profilen durch die Schweiz sowie auf Triangulationspunkten. Das Ziel bestand darin, erste Erkenntnisse über den Verlauf des Geoids in der Schweiz zu gewinnen. In der Folge wurden Studien zur Bestimmung von Geoidmodellen sowie zur Berücksichtigung der Lotabweichungen bei der Berechnung geodätischer Netze initiiert. Diese Arbeiten sollten sich Jahrzehnte später als bahnbrechend für die Entwicklung der modernen Geodäsie und Landesvermessung in der Schweiz erweisen.
Kobold begann sein erstes internationales Engagement in der Forschung 1958 mit der Beteiligung seines Instituts an der «Internationalen Glaziologischen Grönlandexpedition EGIG». Die Expedition stand unter dem Patronat der Internationalen Assoziation für Geodäsie IAG, deren Exekutivkomitee Kobold angehörte und welches er von 1961 bis 1964 präsidierte. Das Hauptziel der Expedition war die Erforschung des Eis- und Wasserhaushalts sowie der Akkumulation und Ablation des Inlandeises Grönlands. Mittels geodätischer und geophysikalischer Messungen entlang eines von der Ost- zur Westküste verlaufenden Profils wurden Daten erfasst, die heute im Zusammenhang mit der Klimaforschung äusserst wertvoll sind.
Assistenten von Kobold waren Mitglieder des Expeditionsteams und massen eine Viereckskette mit der damals neuen Messmethode der Elektronischen Distanzmessung EDM. Zur Anwendung kamen die 1957 von Trevor Lloyd Wadley in Südafrika entwickelten Mikrowellengeräte vom Typ Tellurometer M/RA1. Vorgängig zur Expedition wurde die Messmethode 1958 mittels Testmessungen im Jungfraugebiet auf einer 15 km langen Strecke über Eis und Schnee geprüft. Diese Messungen gelten als die ersten EDM-Anwendungen in der Schweiz. Obwohl die Ergebnisse nur teilweise zufriedenstellend waren, wurde beschlossen, diese Messgeräte bei der Expedition einzusetzen. Kobold erkannte das Potenzial, das sich durch den Einsatz der EDM bei der Messung von geodätischen Netzen eröffnete, und die Bedeutung dieser Innovation für die Entwicklung der Landesvermessung.
An der Generalversammlung der IAG 1954 in Rom wurde der Beschluss gefasst, die bestehenden Landestriangulationen der westeuropäischen Staaten mittels Gesamtausgleichung zu einem europäischen Netz in einem einheitlichen Bezugssystem zusammenzuschliessen. Zu diesem Zweck wurde eine permanente Subkommission ins Leben gerufen, die sog. RETRIG-Kommission (RETRIG steht für «Réseau Européen des Triangulations»). Die Leitung der schweizerischen Arbeiten für das RETRIG-Projekt erfolgte durch die SGK. Kobold vertrat die Schweiz als wissenschaftlicher Delegierter, wurde Vizepräsident und schliesslich von 1967 bis 1979 als Nachfolger von Prof. Max Kneissl Präsident der internationalen Kommission. Der Beitrag der Schweiz zum Projekt RETRIG umfasste Basismessungen, elektronische Distanzmessungen zwischen Punkten der Landestriangulation 1. Ordnung und astrogeodätische Beobachtungen sowie Ausgleichungen der Beobachtungen im schweizerischen Netzteil. Diese Arbeiten wurden unter der Oberleitung von Kobold von Geodäten der L+T und in erster Linie vom Team des Instituts geleistet. Stellvertretend für die Teammitglieder, Assistenten und Doktoranden, sind hier die langjährigen wissenschaftlichen Mitarbeiter, die Ingenieure Werner Fischer und Niklaus Wunderlin, zu erwähnen. Bis mit dem Abschluss der RETRIG Phase 1 erste Ergebnisse im neuen europäischen Referenzsystem vorlagen, sollten rund zwei Jahrzehnte vergehen. Mit dem «European Datum 1950 ED50» und dem 1979 nachfolgenden «ED79» entstanden die ersten brauchbaren länderübergreifenden Bezugssysteme Westeuropas. Ein Jahrzehnt später wurde das auf trigonometrischen Messungen beruhende ED79 durch das «European Terrestrial Reference System ETRS89» ersetzt, das auf der Satellitengeodäsie basiert.
Kobold war aktives Mitglied der Schweizer Berufsorganisationen Schweiz. Verein für Vermessungswesen und Kulturtechnik SVVK (heute GEOSUISSE) sowie der Schweiz. Gesellschaft für Photogrammetrie SGP (heute Schweiz. Gesellschaft für Photogrammetrie und Fernerkundung SGPF). Zwischen 1959 und 1974 war er Chefredaktor der Schweizerischen Zeitschrift für Vermessung, Photogrammetrie und Kulturtechnik (heute Geomatik Schweiz). Er setzte sich dafür ein, dass wissenschaftlichen Beiträgen genügend Raum im redaktionellen Teil gewährt wurde und die Zeitschrift durch ein neues Format und Layout ein ansprechendes Aussehen erhielt.
Kobold pflegte rege internationale Kontakte zu Wissenschaftlern und engagierte sich bei den internationalen wissenschaftlichen Organisationen seines Fachbereichs. 1967 übernahm er mit dem IGP die Organisation und Durchführung der Generalversammlung der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik IUGG in der Schweiz. Dies war ein für die damalige Zeit grosses Ereignis. Da keine Universitätsstadt allein in der Lage war, den Kongress mit über 3’000 Teilnehmern durchzuführen, musste die Veranstaltung auf die Städte Zürich, Bern, Luzern und St. Gallen aufgeteilt werden.
Um Ingenieure und Geodäten mit der Anwendung der Elektronischen Distanzmessung EDM vertraut zu machen, führten die Max Kneissl und Fritz Kobold in den 1950er- und 1960er-Jahren die sog. «Internationalen Streckenmesskurse» an der Technischen Hochschule München (heute Technische Universität München TUM) durch. In enger Kooperation der TUM mit der ETH Zürich und der TU Graz finden diese Kurse seitdem im Turnus von vier Jahren (seit 2004 alle 3 Jahre) unter dem Namen «Internationale Kurse für Ingenieurvermessung» statt und gelten seither als gut besuchte Weiterbildungsveranstaltungen im Fachbereich der Ingenieurgeodäsie.
Unter Kobolds Leitung fanden Studien zur Absteckung des 16,9 km langen Gotthard-Strassentunnels am IGP statt. Kobold war zudem Experte bei der Grundlagen- und Vortriebsvermessung beim Bau dieses Tunnels 1969–1980.
1971 erteilte der Bundesrat den Schweizerischen Bundesbahnen SBB den Auftrag zur Projektierung der Gotthard-Basislinie Erstfeld-Biasca. Im Rahmen dieses Auftrags war die Grundlagenvermessung für den 48,8 km langen Basistunnel durch das Gotthardmassiv auszuführen. Die SBB übertrugen die Durchführung und Oberleitung dieser Arbeiten an den Direktor des IGP, Fritz Kobold. Die Arbeiten für das sog. «Durchschlagsnetz 1972», bestehend aus Entwurf, Präanalyse, Planung und Leitung der geodätischen Messungen, Netzausgleichung und Dokumentation, wurden von D.E. Peter Gerber, Kobolds Assistent und Doktorand von 1971 bis 1974 ausgeführt. Die Messung des klassischen Triangulations-/Trilaterationsnetzes mit Einsatz von Laser-EDM wurde 1972 von den Ingenieuren und Technikern des IGP durchgeführt. Die Ergebnisse der Netzausgleichung und die Präanalyse des Vortriebs bewiesen die Machbarkeit der Tunnelvermessung mit der geforderten Durchschlagsgenauigkeit und -zuverlässigkeit. Das damalige Tunnelbauprojekt wurde unabhängig davon gestoppt und die Realisierung durch die Politik um Jahrzehnte hinausgeschoben. Für das spätere AlpTransit-Projekt des Gotthard-Basistunnels (1999–2016) wurde eine völlig neue satellitengestützte Grundlagenvermessung durchgeführt, die teilweise auf dem Landesvermessungswerk LVW95 von swisstopo basierte. Das «Durchschlagsnetz 1972» diente dabei lediglich als Vorarbeit.
Kobold war Ehrenmitglied der Berufsverbände SVVK und SGP. Nach seinem Rücktritt als Präsident wurde er zum Ehrenpräsidenten der SGK ernannt. Für seine wissenschaftlichen Leistungen bei der Realisierung der europäischen Bezugssysteme erhielt er internationale Anerkennung und wurde unter anderem von der Oesterreichischen Kommission für Internationale Erdmessung geehrt. Bereits 1948 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. 1958 verlieh ihm die Technische Hochschule München die Ehrendoktorwürde (Dr. h. c.).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kobold, Fritz |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Geodät |
| GEBURTSDATUM | 12. August 1905 |
| GEBURTSORT | Zürich |
| STERBEDATUM | 20. April 1985 |
| STERBEORT | Mammern |