Fulvia

Stilisierte Fulvia auf einer kleinasiatischen Münze der Stadt Eumeneia.

Fulvia (* um 84–73 v. Chr.; † Mitte 40 v. Chr. in Sikyon bei Korinth) war eine der politisch einflussreichsten Frauen der späten Römischen Republik. Sie war vermutlich die erste nicht-mythologische Frau, die auf römischen Münzen abgebildet wurde.

Nach ihren Ehen mit Publius Clodius Pulcher und Gaius Scribonius Curio war es vor allem die Ehe mit Marcus Antonius, die Fulvia öffentliche Beachtung brachte. Insgesamt hatte sie mit ihren Ehemännern fünf Kinder. Nach dem Tod Caesars (44 v. Chr.) verschaffte sie sich an der Seite des Antonius eine zunehmende größere Machtstellung und mischte sich auch in militärische Belange ein. Sie sah der Hinrichtung meuternder Soldaten zu und verteidigte 44/43 v. Chr. in Rom trotz heftiger Attacken loyal die Interessen ihres abwesenden dritten Gemahls, als dessen Erklärung zum Staatsfeind drohte. Ferner unterstützte sie die finanziellen Ziele der von den Triumvirn verordneten Proskriptionen, indem sie eine Delegation von Frauen abwies, die sie um Hilfe gegen die neu eingeführte Sondersteuer auf das Vermögen reicher Römerinnen bat. Als Antonius nach dem Sieg über die Caesarmörder 41 v. Chr. am Balkan und in Kleinasien tätig war, engagierte sich Fulvia mit ihrem Schwager Lucius Antonius ebenfalls im Interesse des Machterhalts ihres Gemahls im Perusinischen Krieg gegen Octavian (den späteren Kaiser Augustus). Nach Octavians Sieg reiste sie Antonius nach Griechenland entgegen, starb aber bald.

Das von Fulvia überlieferte Bild einer grausamen, hemmungslos herrschsüchtigen und habgierigen „Furie“ ist teilweise durch die negative Darstellung in den Werken des berühmten römischen Redners und Politikers Cicero sowie die feindliche Propaganda Octavians verzerrt. Heute wird sie als außerordentlich selbstbewusste Frau der römischen Oberschicht und Vorläuferin der mächtigen Frauen am Kaiserhof betrachtet.

Leben

Herkunft und Jugend

Fulvia, deren Geburtsdatum nicht überliefert ist, wurde wohl Ende der 80er v. Chr. oder Anfang der 70 v. Chr. geboren. Sie stammte aus Tusculum in Latium und kam wahrscheinlich auf dem Familiensitz zur Welt. Sie war die Tochter des Marcus Fulvius Bambalio und der Sempronia, Tochter des Sempronius Tuditanus. Fulvias Urgroßvater mütterlicherseits war der Geschichtsschreiber und Konsul von 129 v. Chr., Gaius Sempronius Tuditanus.

Die Fulvier und Sempronii Tuditiani, von denen Fulvia abstammte, waren alte Plebejergeschlechter, die viele politische und militärische Verdienste für die Römische Republik erworben hatten. Bis 125 v. Chr. hatten die Fulvier häufig die höchsten Ämter des Cursus honorum inne. Als Fulvia zur Welt kam, waren aber ihre beiden Familienlinien anscheinend erloschen; daher könnte sie die letzte Nachfahrin gewesen sein. Fulvias Großvater mütterlicherseits, Sempronius Tuditanus, wurde von Cicero als Exzentriker bezeichnet, der Münzen von der Rostra ins Publikum geworfen habe und in höherem Alter geisteskrank gewesen sei. Fulvias Vater wiederum hatte einen Sprachfehler, weswegen ihm das spöttische Cognomen Bambalio („Stotterer“) beigelegt wurde. Für Mitglieder der römischen Nobilität, die nach einer militärischen oder politischen Karriere strebten, waren Beeinträchtigungen ihrer Kommunikationsfähigkeit äußerst hinderlich. Fulvia hingegen war nicht von demselben Hemmnis betroffen, sondern zeigte sich später als wirkungsvolle Rednerin.

Die Historikerin Jane Draycott vertritt die Ansicht, dass Fulvia einen älteren Halbbruder namens Lucius Pinarius Natta hatte. Dieser war ein Stiefsohn des Konsuls Lucius Licinius Murena und wurde durch die Heirat seiner Schwester mit Publius Clodius Pulcher dessen Schwager. Jane Draycott nimmt in diesem Zusammenhang an, dass Fulvias Mutter Sempronia vor ihrer Heirat mit Marcus Fulvius Bambalio mit einem Mann namens Lucius Pinarius Natta vermählt war und mit ihm einen gleichnamigen Sohn, Fulvias Halbbruder, hatte. Andere Althistoriker wie Friedrich Münzer sind hingegen der Meinung, dass Murenas Stiefsohn Lucius Pinarius Natta eine Schwester namens Pinaria hatte, die kurzzeitig Gattin des Clodius Pulcher war, bevor dieser Fulvia ehelichte.

Über die Kindheit und Jugend Fulvias ist wenig bekannt. Wahrscheinlich hatte sie, wie für adlige Kinder üblich, in ihrer frühen Kindheit eine sorgfältig ausgewählte Amme, später außerdem ein u. a. aus Kinderschwestern und Pädagogen bestehendes Gefolge. Zu ihrer Mutter Sempronia scheint sie eine enge Beziehung gehabt zu haben. Über ihr Aussehen liegen keine schriftlichen antiken Beschreibungen vor. Vermutlich erwähnte sie der Dichter Catull unter dem Pseudonym Quintia, die er als strahlend weiß, groß und gerade gewachsen beschrieb. Er stellte in Abrede, dass Quintia schön sei, da sie keinen Charme besitze. Fulvia erhielt wohl einen fundierten Unterricht durch eigene Tutoren, die ihr eine umfassende Bildung (griechisch Paideia) vermittelten. Wahrscheinlich erhielt sie auch Rhetorik-Unterricht, obwohl dies für römische Mädchen unüblich war. Hierdurch vermochte sie später mit Männern etwa in politischen Debatten auf Augenhöhe zu streiten. Da ihre Söhne mit Marcus Antonius Namen mit mythologischer und historischer Bedeutung erhielten, dürfte Fulvia auf dem Gebiet der griechisch-römischen Literatur bewandert gewesen sein. Sie entsprach nicht dem weiblichen römischen Erziehungsideal der Pudicitia, das neben der Sittsamkeit von Frauen auch forderte, nicht unnötig oft und nur in Begleitung aus dem Haus zu gehen, in der Öffentlichkeit zurückhaltend aufzutreten und zu Hause nur ausgewählte Personen, vor allem Frauen, zu empfangen. Hingegen scheute Fulvia sich nicht, ihre Anliegen lautstark öffentlich zu äußern. Dies trug später zu ihrer negativen Charakterisierung bei.

Ehe mit Clodius

In erster Ehe war Fulvia seit etwa 62 v. Chr. mit dem einer alten Patrizierfamilie entstammenden Publius Clodius Pulcher, dem Volkstribun des Jahres 58 v. Chr., verheiratet. Die Historikerin Jane Draycott vertritt den Standpunkt, dass Clodius nach dem Bona-Dea-Skandal – er hatte sich im Dezember 62 v. Chr. verkleidet beim Bona-Dea-Fest eingeschlichen, obwohl Männern die Teilnahme verboten war – für die meisten Familien der römischen Nobilität als Schwiegersohn unattraktiv geworden sei. Da Fulvias Vater Bambalio nur über ein relativ geringes Ansehen und politisches Gewicht verfügte, könnten Fulvias Eltern indessen Clodius als Gemahl für ihre Tochter ausersehen haben, um sie in dessen einflussreiche Adelsfamilie einheiraten zu lassen und so ihren gesellschaftlichen Aufstieg zu fördern. Für Clodius wiederum war Fulvia wohl eine attraktive Braut, da sie wahrscheinlich als letztes Familienglied väterlicher- und mütterlicherseits einiges Vermögen als Mitgift in die Ehe einbringen konnte. Es ist nicht überliefert, ob Fulvia ihre Ehe cum manu schloss, bei der die Frau aus der Gewalt des Vaters (patria potestas) in jene des Ehemanns überging, oder sine manus, bei der sie nach dem Tod ihres Vaters relativ unabhängig wurde, etwa bezüglich ihrer Finanzen, wenn auch unter der Kontrolle eines Vormunds. Die letztere Form der Vermählung war aber in der Spätphase der Römischen Republik vorherrschend.

Fulvia lebte mit Clodius in seinem am Clivius Victoriae auf dem Nordwesthang des Palatin gelegenem stattlichem Haus in einer sehr vornehmen Wohngegend Roms. Aus ihrer Ehe, die sehr harmonisch verlaufen sein soll, gingen zwei Kinder hervor: ein nach seinem Vater benannter Sohn Publius Clodius Pulcher und eine um 54 v. Chr. geborene Tochter Clodia. Fulvia verbrachte mit ihrem Gemahl offenbar viel Zeit und soll ihn überallhin begleitet haben. Cicero empfand es als ungewöhnlich, wenn er Clodius ohne dessen Gattin sah. Falls ihr Gemahl längere Zeit nicht in Rom weilte, war Fulvia die Ansprechperson für seine um Hilfe ansuchenden Klienten. Sie stand wohl häufig mit ihrer Schwägerin Clodia in Kontakt. Auch warb sie eine Schar von Gefolgsleuten (collegia) für ihren Ehemann an. Cicero scheint anzudeuten, dass Fulvia während ihrer Ehe mit Clodius eine Liaison mit Marcus Antonius hatte, was wohl eine Verleumdung darstellt.

Rolle nach Clodius’ Ermordung

Clodius wurde am 18. Januar 52 v. Chr. bei einer Straßenschlacht in Bovillae außerhalb Roms auf Betreiben seines politischen Rivalen Titus Annius Milo getötet. Der Senator Sextus Teidius fand Clodius’ Leichnam und ließ ihn abends auf einer Sänfte nach Rom zu Clodius’ Haus bringen. Die Leiche wurde im Atrium von Clodius’ Haus aufgebahrt. Fulvia schwor Rache an den Mördern ihres Gatten. Sie erhob laute Wehklagen, öffnete die Türen ihres Hauses und stellte den in großen Mengen hineinströmenden Passanten die zahlreichen Wunden ihres ermordeten Gatten, dessen Leiche sie zu diesem Zweck entkleidet hatte, zur Schau. So versuchte sie die Anwesenden gegen Milo und dessen Anhänger aufzuhetzen.

Am folgenden Morgen trug die Menge Clodius’ Leichnam in feierlichem Zug über die Heilige Straße den Palatin hinab zum Forum, was den Regeln traditioneller römischer Begräbnisprozessionen widersprach. Auf der Rostra wurden Clodius’ sterbliche Überreste einer noch größeren Menschenmenge gezeigt, und zwei Gegner Milos, die Volkstribunen Titus Munatius Plancus Bursa und Quintus Pompeius Rufus, hielten aufreizende Reden. Der Leichnam wurde auf einem hastig aus Bänken und Tischen errichteten Scheiterhaufen in der Curia Hostilia verbrannt, doch ergriffen die Flammen das Gebäude selbst und setzten es und die angrenzende Basilica Porcia in Brand. Nach weiteren Unruhen wurde Pompeius zum alleinigen Konsul ernannt, um die Ordnung wiederherzustellen.

Als Witwe trug Fulvia würdevolle und angemessene Trauerkleidung ohne Prunk und Schmuck. Dazu gehörte u. a. das sog. ricinium, ein dunkler quadratischer Umhang, der über den Kopf gelegt wurde. Fulvia verstärkte die Zeichen ihrer Trauer durch Verzierungen der Fassade ihres Anwesens; schwarze Zypressenzweige auf der Schwelle wiesen auf den Todesfall hin. Unterdessen bereiteten zwei Neffen von Clodius, Appius Claudius Pulcher und dessen gleichnamiger Bruder, gemeinsam mit Clodius’ Freund Marcus Antonius die Anklage gegen Milo vor. Der Prozess dauerte vom 4. bis zum 8. April 52 v. Chr. Fulvia und ihre Mutter Sempronia wurden am 6. April vernommen. Laut Ciceros Kommentator Asconius Pedianus waren Fulvias schmerzbekundenden Aussagen und Tränen entscheidend für Milos mit 38 zu 13 Stimmen gefälltem Schuldspruch. Milo musste in die Verbannung nach Massilia gehen.

Cicero, der bereits zuvor ein Feind von Clodius gewesen war, hatte Milo in dem Prozess verteidigt. Wie bereits in seiner Rede Pro Caelio 56 v. Chr., in der er seine Verteidigung vor allem auf der Diffamierung des Clodius und dessen Schwester Clodia Metelli wegen ihrer angeblich inzestuösen Beziehung aufgebaut hatte, hatte er auch in Pro Milone Clodius’ Ansehen durch die Anklage des Inzests, diesmal mit einer anderen Schwester, zu zerstören versucht. Cicero glaubte, dass er wegen Fulvias Auftritt keinen Freispruch für Milo erreichte, und war seither ihr erbitterter Gegner, so dass er sie oft unter der Gürtellinie angriff. Auch die beiden weiteren Männer, die Fulvia noch heiraten sollte, waren Ciceros Feinde. Fulvia erlangte durch ihre Rolle in dem Mordprozess erstmals nachweislich breite öffentliche Bekanntheit.

Ehe mit Curio

Wahrscheinlich übernahm Fulvia, da ihr Sohn noch minderjährig war, die Kontrolle über Clodius’ Nachlass, wenn auch unter Aufsicht von Clodius’ Brüdern. Außerdem wurde sie Schirmherrin der Anhänger ihres verstorbenen Gatten und regte sie an, ihre beiden weiteren Ehemänner zu unterstützen. Um 50 v. Chr. heiratete sie Gaius Scribonius Curio, einen talentierten und einflussreichen Volkstribun, der in mancherlei Charakterzügen Clodius ähnelte. Angeblich von Caesar bestochen, unterstützte Curio diesen 50 v. Chr. entscheidend im Kampf gegen den Senat. Nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges betraute Caesar Curio Ende März 49 v. Chr. mit einem Feldzug in Afrika. Bei einem voreiligen Vorstoß geriet Curio aber im August 49 v. Chr. in einen Hinterhalt des numidischen Königs Iuba; seine Truppen wurden in der Schlacht am Bagradas größtenteils vernichtet und er selbst getötet – die einzige ernsthafte Niederlage, die Caesar während des Bürgerkriegs erlitt. Trotz der kurzen Ehe hatte Fulvia auch von ihrem zweiten Gatten einen Sohn, Gaius Scribonius Curio, der 31 v. Chr. als Anhänger ihres dritten Gemahls Marcus Antonius in dessen Vernichtung verwickelt wurde.

Frühe Ehejahre mit Antonius

Die Eheschließung Fulvias mit Marcus Antonius erfolgte um 46 v. Chr., da Cicero mitteilt, dass Antonius zuvor mit seiner Cousine Antonia verheiratet gewesen war, von der er sich um 47 v. Chr. wegen einer angeblichen ehebrecherischen Beziehung mit Dolabella hatte scheiden lassen.

Fulvia kannte ihren nunmehrigen Gemahl wohl seit gut 15 Jahren, da er mit ihren beiden früheren Ehemännern eine enge Freundschaft unterhalten hatte. Sie brachte in die Ehe ihr wahrscheinlich beträchtliches Vermögen ein; außerdem sicherte sie Antonius die Unterstützung durch Clodius’ ehemalige populare Gefolgschaft unter den Einwohnern Roms. Cicero beschuldigte Antonius später, Fulvia nur deshalb zur Ehefrau genommen zu haben, um seine Schulden in der Höhe von sechs Millionen Sesterzen zurückzahlen zu können. Vermutlich übernahm Fulvia die Rolle der Stiefmutter für die aus Antonius’ voriger Ehe stammende Tochter Antonia und brachte ihre eigenen drei Kinder aus ihren früheren Ehen, Publius, Clodius und Gaius, in ihren neuen Haushalt mit. Antonius hatte auch außereheliche Beziehungen, vor allem mit der Schauspielerin und Tänzerin Volumnia Cytheris. Etwa Ende 45 v. Chr. beendete er aber seine Beziehung zu Volumnia und versprach Fulvia eheliche Treue.

Eine von Plutarch überlieferte Episode belegt ebenfalls, dass die Heirat Fulvias mit Antonius vor 45 v. Chr. stattfand: Als sich Antonius nämlich auf den Weg zu Caesar nach dessen Sieg im Bürgerkrieg in Spanien machte, aber in Italien das Gerücht vom Ableben des Diktators und dem Anmarsch von dessen Gegnern auftauchte, kehrte Antonius nach Rom zurück und begehrte in der Verkleidung eines Sklaven in Fulvias Haus Einlass, da er ihr einen Brief von ihrem Gatten zu übergeben hätte. Als Fulvia, die ihn anscheinend in seiner Maskerade nicht erkannte, unruhig wurde, gab er sich zu erkennen und küsste sie.

Plutarch sagt, dass Fulvia kein Interesse an den für eine Matrone üblichen Tätigkeiten im Haushalt hatte und ebenso wenig an Männern ohne politischem Ehrgeiz, sondern einen mächtigen Mann als Gatten haben und beherrschen wollte. Eine Einflussnahme Fulvias auf die Politik des Antonius ist zu vermuten, muss aber immer in den Kontext der augusteischen Propaganda gestellt werden. Ciceros Unterstellungen sind zwar der Invektive zuzuordnen, Fulvias Verhalten widersprach jedoch der späteren Politik des Kaisers Augustus, der, an altrömische Traditionen anknüpfend, die Rolle der Frauen auf Haushalt und Mutterschaft beschränken wollte.

Aus Fulvias dritter Ehe gingen zwei Söhne hervor: Marcus Antonius Antyllus (* 45; † 30 v. Chr.), der nach dem Selbstmord seines Vaters auf Octavians Veranlassung ermordet wurde, und Iullus Antonius (* 42; † 2 v. Chr.), der in der Folgezeit großes Ansehen bei Augustus genoss und mit dessen Nichte Marcella Maior verheiratet wurde.

Steigender politischer Einfluss nach Caesars Tod

Fulvias politische Karriere begann nach Caesars Ermordung am 15. März 44 v. Chr. Antonius wurde zu einem der mächtigsten Männer des Römischen Reiches und dadurch rückte auch seine Gattin in den Fokus der Öffentlichkeit. Überliefert sind vor allem Topoi, mit denen sie charakterisiert wird: Grausamkeit, Habgier, Eifersucht. Nach Plutarch war sie so herrschsüchtig, dass sie einen Regenten regieren wollte; die spätere Geliebte des Antonius, die ägyptische Königin Kleopatra VII., schulde ihr das Lehrgeld dafür, dass Antonius es gelernt habe, Frauen zu gehorchen. Fulvia soll auch am Handel mit von Antonius gefälschten Akten Caesars rege mitgewirkt haben. Für letztere Behauptung ist nur der Fall des Galaterkönigs Deiotarus bekannt, dem Antonius angeblich unter Fulvias Einfluss die Annexion eines Territoriums gegen Zahlung von 10 Millionen Sesterzen durch die Acta Caesaris bestätigte. Dass Fulvia mit ihrem Gatten im Oktober 44 v. Chr. nach Brundisium reiste und dort der Exekution meuternder Soldaten zuschaute, wobei sie vom Blut der abgeschlagenen Köpfe bespritzt worden sein soll, trug ihr den Vorwurf der Herzlosigkeit ein. Sicherlich war die Präsenz einer Frau bei der Hinrichtung von Soldaten ungewöhnlich. Der Althistoriker Helmut Halfmann glaubt, dass Antonius den Hinzurichtenden damit eine besondere Demütigung habe zufügen wollen.

Eintreten für Antonius vor dem Senat

Fulvia stand – wie von einer Römerin erwartet – in Rom loyal hinter ihrem Gatten, als dieser, von der Hauptstadt abwesend, militärisch und politisch in die Defensive geriet. Antonius hatte nämlich seit Ende 44 v. Chr. den Caesarmörder Decimus Iunius Brutus Albinus in Mutina belagert, der aber nach Erhalt von militärischer Hilfe durch den Senat und Octavian seinerseits Antonius immer mehr in die Bredouille brachte. Seit Anfang 43 v. Chr. versuchte Cicero durchzusetzen, dass Antonius zum Staatsfeind erklärt wurde. Fulvia stellte die Frage, ob eine solche Verurteilung einer Person, die keine Rechtfertigungsmöglichkeit hatte, überhaupt juristisch möglich sei, da sie wusste, dass die Senatoren darüber gespaltener Meinung waren. Sie besuchte deshalb mit ihrem kleinen Sohn Antyllus und Antonius’ Mutter Iulia in der Nacht vor dem entscheidenden Senatsbeschluss alle Senatoren. Am nächsten Morgen stand sie mit ihrer Mutter Sempronia in Trauerkleidern am Weg zum Senat und jammerte laut, um die Senatoren in ihrem Sinne zu beeinflussen. Diese verurteilten Fulvias Gatten jedoch mehrheitlich und verbannten ihn aus Italien.

In der Folgezeit war Fulvia in Rom weitgehend isoliert, bemühte sich aber, dort weiterhin die politischen und ökonomischen Interessen ihres Mannes durchzusetzen. Sogar ihre Kinder wurden bedroht. Einem Bericht des Cornelius Nepos zufolge leistete ihr in dieser Zeit (fast) nur der politisch relativ neutrale Titus Pomponius Atticus Hilfe. Cicero hingegen brachte Fulvia durch eine von ihm initiierte Untersuchung von Antonius’ Konsulat in Bedrängnis. Atticus unterstützte Fulvia bei Gerichtsverfahren, wohl in dem mit jener Untersuchung zusammenhängenden Prozess. Als vermögender Mann lieh er ihr auch Geld für den von ihr schon länger anvisierten Erwerb eines Anwesens. Wegen ihrer prekären Situation erhielt sie nämlich dafür keinen Kredit, und Atticus gewährte ihr ein zinsenloses Darlehen. Möglicherweise schlug sich Atticus aber nicht von Anfang an, sondern erst später auf Fulvias Seite, als sich eine Versöhnung zwischen Octavian und Antonius abzeichnete und er als Freund Ciceros dann persönlich in Gefahr zu geraten drohte.

Anteil an den Proskriptionen

Ende 43 v. Chr. wechselte Octavian die Seiten und bildete mit Antonius und Lepidus das Zweite Triumvirat. Diese drei Machthaber beherrschten damit den Westen des Römischen Reichs (und die Caesarmörder einstweilen den Osten). Um die politische Allianz zu stabilisieren, heiratete Octavian Clodia, die gerade ins heiratsfähige Alter gekommene Tochter Fulvias und Clodius'.

Fulvia soll, so berichtet wenigstens Appian, in die Ereignisse um die von den Triumvirn verordnete Proskription von deren politischen Gegnern involviert gewesen sein. Er gibt an, dass Fulvia reges Interesse an dem Gebäude eines gewissen Rufus gehabt habe, das an ihr Grundstück angrenzte. Rufus habe sich geweigert, ihr das Gebäude zu verkaufen, und sei von ihr auf die Proskriptionsliste gesetzt worden. Daraufhin sei er bereit gewesen, es ihr zu schenken, doch Fulvia habe kein Einsehen gehabt: Rufus wurde enthauptet und sein Kopf dem Antonius gesandt. Dieser habe den Kopf mit der Bemerkung, er kenne ihn nicht, weiter zu Fulvia schicken lassen, die ihn vor Rufus’ Haus der Öffentlichkeit gezeigt habe. Valerius Maximus berichtet nur, dass Antonius über einen geächteten Senator namens Caesetius Rufus äußerte, diesen nicht zu kennen; in dieser Version wird Fulvia überhaupt nicht genannt. Cassius Dio wiederum, dessen Geschichtswerk 250 Jahre nach den Ereignissen entstand, behauptet ganz allgemein, dass Fulvia bei den Proskriptionen den Tod vieler Menschen aus Hass oder Habsucht verschuldet habe, darunter auch von Männern, die ihr Gatte nicht kannte.

Fulvias Vergeltung, Gemälde von Francisco Maura y Montaner, 1888, Museo del Prado.

Besonders drastisch ist Cassius Dios Darstellung über Fulvias Agieren beim Vorgehen gegen den ebenfalls proskribierten Redner Cicero. Antonius sandte Suchtrupps zum Landhaus seines Erzfeinds, um ihn aufzuspüren. Im Dezember 43 v. Chr. wurde Cicero gefunden und von dem Centurio Herennius und dem Militärtribun Gaius Popilius Laenas, den Cicero einige Jahre zuvor in einem Mordprozess erfolgreich verteidigt hatte, geköpft. Antonius stellte Ciceros Kopf und Hände auf der rostra des Forum Romanum aus. Fulvia soll aufgrund ihrer Ehemänner Clodius und Antonius glücklich über die Rache gewesen sein und laut Cassius Dio das Haupt Ciceros misshandelt sowie die Zunge mit ihrer Haarnadel durchstochen haben. Keiner der anderen erhaltenen antiken Autoren, die Ciceros Ermordung schildern, darunter Plutarch und Appian, erwähnen ein derartiges Verhalten Fulvias.

Diese Episode regte Künstler späterer Epochen an. Auf dem Gemälde Fulvias Rache (1888) des spanischen Malers Francisco Maura y Montaner beugt sich die Protagonistin vor, um das ihr auf einem Tablett präsentierte Haupt Ciceros anzuschauen. Drastischere Darstellungen schufen Gregorio Lazzarini (1692), Francesco Maria Bassi (vor 1728) und der italienische Kupferstecher Bartolomeo Pinelli (1819). Die Porträts dieser Künstler zeigen Fulvias Schändung von Ciceros Kopf mit ihrer Haarnadel. Besonders schaurig wirkt das vom russischen Historien- und Porträtmaler Pawel Alexandrowitsch Swedomski entworfene Werk Fulvia mit dem Haupt des Cicero (1898), auf dem Fulvia liegend gehässig den verwesenden Kopf des Redners mustert.

Um den Kampf gegen die Caesarmörder finanzieren zu können, wollten die Triumvirn eine Sondersteuer von den 1400 reichsten Römerinnen erheben. Eine von Hortensia angeführte Delegation der Matronen erreichte mit ihrer Bitte um Fürsprache bei Octavians Schwester Octavia Minor und Antonius’ Mutter Iulia Unterstützung, wurde aber von Fulvia schroff abgewiesen. Fulvia unterstützte somit die Politik ihres Ehemannes und wandte sich von der traditionellen Funktion der Frau als Vermittlerin zwischen Konfliktparteien ab.

Münzporträts

In der Forschung ist umstritten, ob Fulvias Porträt auf römischen Münzen abgebildet wurde. In diesem Fall wäre sie wohl die erste Römerin gewesen, der diese Ehre widerfuhr. Ein im Namen des Antonius 43/42 v. Chr. in Lugdunum (heute Lyon) geprägter silberner Quinar zeigt auf seiner Vorderseite den Kopf der römischen Siegesgöttin Victoria. Manche Historiker nehmen an, dass auf der Münze Fulvia in der Gestalt der Victoria abgebildet wurde. Einige Numismatiker stehen dieser Identifikation aber ablehnend gegenüber, da der Kopf dem bereits 40 Jahre früher auf römischen Münzen erschienenen Haupt einer unpersönlichen Göttin Victoria ähnelt. Außerdem prägten offenbar einige kleinasiatische und syrische Städte Münzen mit dem Bild Fulvias, so etwa Eumeneia (beim heutigen Işıklı) in Phrygien. Auf der betreffenden Münze aus Eumeneia wird die kleine Stadt als Fulvia bezeichnet; Antonius hatte sie wohl bei seinem Aufenthalt in Kleinasien 41 v. Chr. nach seiner Gemahlin umbenannt.

Streit mit Lucius Antonius

42 v. Chr. setzten Antonius und Octavian nach Makedonien über und konnten die Caesarmörder in der Schlacht bei Philippi entscheidend schlagen. Dann teilten sie das Römische Reich in neue Machtbereiche auf, wobei Antonius den Osten und Octavian den Westen erhielt. Dem jungen Erben Caesars fiel aber auch die undankbare Aufgabe zu, zur versprochenen Ansiedlung von etwa 50.000 bis 60.000 Veteranen die Bevölkerung aus mehreren Städten Italiens auszutreiben, als wenn sie Kriegsbeute geworden wären. Dies musste Octavian den Hass der zu Enteignenden zuziehen, während sich Antonius in Ägypten mit Kleopatra vergnügte.

Während Antonius’ Abwesenheit von Italien war Fulvia die Hauptvertreterin seiner Interessen in Rom. Am 1. Januar 41 v. Chr. wurde Lucius Antonius, der jüngere Bruder des Triumvirn, Konsul und wollte einen Triumph über besiegte Alpenvölker feiern. Laut Cassius Dio lehnte Fulvia dieses wenig berechtige Begehren ihres Schwagers zunächst ab. Erst nachdem sie umgestimmt worden sei und ihr Einverständnis gegeben habe, soll der Senat den Triumph bewilligt haben. Da auch Plutarch angibt, dass sich Fulvia und Lucius Antonius zuerst stritten, dann aber einigten, geht der Althistoriker Friedrich Münzer davon aus, dass Fulvia tatsächlich erst nach anfänglicher Ablehnung des Wunsches ihres Schwagers nachgab. Doch obwohl hochstehende römische Frauen einen gewissen Einfluss auf den Senat ausüben konnten, ist die Behauptung von Cassius Dio, dass Fulvia in Rom die ganze Macht an sich gerissen hätte, sicher übertrieben.

Rolle im Perusinischen Krieg

Als Octavian nach Italien zurückkehrte, befasste er sich damit, die seinen Veteranen versprochenen Landgüter zusammenzubringen. Diese Aktivitäten erzeugten politische und soziale Unruhen. Fulvia und Lucius Antonius wollten Octavians Schwierigkeiten bei den Landverteilungen ausnutzen, um dessen politische Position zu schwächen. Die dadurch erzeugten Spannungen bewirkten den Ausbruch des Perusinischen Krieges. Welchen konkreten Anteil Fulvia hieran hatte, ist wegen der teilweise widersprüchlichen Darstellungen der Hauptquellen Cassius Dio und Appian nicht genau zu ermitteln. Zudem ist die antike Historiographie tendenziell Lucius Antonius etwas gewogener als der sehr negativ dargestellten Fulvia.

Cassius Dio zufolge suchten Fulvia und Lucius Antonius zunächst keinen Konflikt mit Octavians, als dieser wieder in Italien ankam. Da sie aber bei der Landverteilung nicht an dem Antonius’ Veteranen zustehenden Anteil mitwirken durften, kam es zum Zerwürfnis. Octavian schickte Clodia mit der eidlichen Versicherung, die Ehe nicht vollzogen zu haben, zu ihrer Mutter Fulvia zurück. Nun trat Fulvia zusammen mit Lucius Antonius in Aktion und schürte die Unzufriedenheit der durch Octavians Landzuweisungen enteigneten Italiker. Sie lehnten auch Octavians Vermittlungsangebote ab und nahmen ihren Stützpunkt im gut gesicherten Praeneste, wo Fulvia mit einem Schwert umgürtet Befehle an die Soldaten erteilt haben soll.

Nach der Darstellung Appians, die vielleicht auf Gaius Asinius Pollio zurückgeht, schenkte Fulvia anfangs durchaus den Anliegen der Veteranen ihres Gatten bezüglich der Landverteilungen Gehör. Auch erschien sie mit ihren Söhnen von Antonius bei den altgedienten Soldaten und appellierte an sie, die Verdienste ihres Gatten nicht zu vergessen, da allein ihm der Sieg über die Caesarmörder bei Philippi zu verdanken sei. Sie widersetzte sich dem Bestreben des Lucius Antonius, die vertriebenen Italiker zu unterstützen. Doch dann soll sie von Antonius’ Sachwalter in Italien, Manius, eifersüchtig gemacht worden sein. Dieser soll ihr zum Krieg mit Octavian geraten haben, da sie so wieder Antonius' Aufmerksamkeit erregen könne und er Kleopatra verlassen würde. Durch dieses geschickte Manöver habe Manius bei Fulvia einen Sinneswandel herbeigeführt, sodass sie nun Lucius Antonius in den offenen Konflikt mit Octavian getrieben habe. Der Althistoriker Jochen Bleicken hält dieses von Appian überlieferte Eifersuchtsmotiv für unwahrscheinlich; es sei nachträglich aus dem Wissen um Antonius’ erst nach Fulvias Tod enge Beziehung mit Kleopatra herausgesponnen worden. Als sich ihr Schwager dann nach Praeneste begab, suchte Fulvia zunächst bei Lepidus Zuflucht.

Die weniger ausführlichen, wohl auf Livius zurückgehenden Quellen beschreiben aber Fulvia als Spiritus rector des Krieges gegen Octavian und werfen ihr unweibliches Verhalten vor, weil sie ein Schwert getragen und die Soldaten kommandiert haben soll. Dass Fulvia jedenfalls auf die Soldaten einen für eine aristokratische Römerin ungewöhnlich großen Einfluss ausüben konnte, liegt auch an den durch die letzten Bürgerkriege geänderten politischen und gesellschaftlichen Bedingungen. Die Heere dachten bereits dynastisch und sahen in Fulvia die Gemahlin und Interessensvertreterin des von ihnen verehrten und am meisten geachteten Feldherrn Antonius. Fulvia war also eine Vorläuferin der einflussreichen imperialen Frauen der wenig später beginnenden Monarchie.

Als Lucius Antonius im Verlauf des nun ausbrechenden Kriegs von Octavian und seinen Feldherrn in Perusia (Perugia) eingeschlossen wurde und die antonianischen Generäle, die dem Belagerten Entsatz bringen sollten, nur zögerlich vorgingen, forderte Fulvia vergeblich energischeres Vorgehen zum Durchbrechen von Octavians Sperrwällen. Die Unerbitterlichkeit der Auseinandersetzung zeigte sich u. a. daran, dass Octavians Legionäre derbe sexuelle Witze in (teilweise noch erhaltene) Schleuderbleie eingravierten und als Ziel dieser Wurfgeschosse die Scham der Fulvia angaben. Eines der Geschosse trägt die Aufschrift: „Fulvia, spreiz deine Pobacken“ (Fulvia, culum pandite). Die Gegenseite nahm dafür Octavians Hintern ins Visier. Ähnlich niveaulos ist ein angeblich von Octavian selbst gedichtetes obszönes Epigramm, nach dem ihn Fulvia ultimativ aufgefordert habe, zur Bestrafung von Antonius’ Untreue mit ihr zu schlafen, da sie ansonsten Krieg gegen ihn führen würde.

Schließlich musste sich Lucius Antonius, der den gesamten Winter des Jahres 41 v. Chr. auf 40 v. Chr. in Perusia belagert worden war, im Februar 40 v. Chr. wegen Hungers ergeben. Octavian wollte trotz seines Sieges offenbar keinen völligen Bruch mit seinem Triumviratskollegen, der während des gesamten Krieges bei Kleopatra in Ägypten abwesend gewesen war. Daher verschonte der Erbe Caesars Lucius Antonius. Auch Fulvia durfte gemeinsam mit ihren Kindern unbehelligt in Begleitung von 3000 Reitern über Puteoli und Brundisium reisen, wo sie Antonius’ Feldherrn Lucius Munatius Plancus traf und mit ihm auf einer aus fünf Schiffen bestehenden Kriegsflotte nach Griechenland segelte.

Tod

Marcus Antonius war schließlich auf die Meldung der Niederlage seines Bruders und seiner Gattin auf den Weg von Ägypten nach Italien begriffen, um sich endlich selbst um seine Interessen in Italien zu kümmern. In Athen traf er im März 40 v. Chr. seine Gattin. Danach reiste Antonius nach Italien weiter. Fulvia aber blieb krank in Griechenland und war tief gekränkt, weil Antonius sich im Orient zahlreichen Liebesabenteuern hingegeben hatte und sie auch noch wegen ihrer Einmischung in seine politischen Angelegenheiten tadelte. Sie starb noch Mitte 40 v. Chr. in Sikyon.

Ihr für Octavian wie für Antonius zur rechten Zeit erfolgter Tod gab den beiden Triumvirn Gelegenheit, sich zu versöhnen. Antonius heiratete Octavians Schwester Octavia Minor, die sich später um Fulvias Kinder kümmerte. Vielleicht wurde erst jetzt das Gerücht verbreitet, dass Fulvia den Perusinischen Krieg aus Eifersucht begonnen habe, um sie für diesen Krieg hauptverantwortlich machen zu können, während ihn Antonius nicht gewollt und von seinem Ausbruch auch nichts gewusst habe.

Nachkommen

Bewertung

Der römischen Geschichtsschreibung, die der Darstellung bei Cicero und Augustus folgte, galt Fulvia als machtgierig und grausam. Dabei wurde – wie auch bei anderen politisch aktiven Frauen – vor allem der Gegensatz herausgestellt zum idealisierten Bild der tugendhaften domiseda, der auf den eigenen Haushalt beschränkten Matrona, wie es Antonius’ nächste Ehefrau, Augustus’ Schwester Octavia, verkörperte. Diese negative Darstellung der Fulvia in den antiken Quellen wurde von Altertumsforschern des 19. Jahrhunderts sogar noch verschärft und erst im 20. Jahrhundert hat die Forschung im Gefolge der gesellschaftlichen Wandlungen Fulvia eine gerechtere und ausgewogenere Beurteilung zukommen lassen. Ausgehend von den antiken Quellen, in denen Fulvia bis zur Ermordung Caesars nur als Anhängsel ihres jeweiligen Mannes erscheint, beurteilen viele Historiker wie Jane F. Gardner Fulvia vor allem als „Sprachrohr des Ehemannes“. Richard Alexander Bauman (1919–2006) dagegen nimmt an, dass sie wie die späteren Kaiserfrauen in eigenem Interesse gehandelt habe.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Allison Jean Weir: A Study of Fulvia. Masterarbeit. Ontario 2007, S. 2.
  2. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 45 f.
  3. ↑ So Friedrich Münzer: Sempronius 102). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II A,1, Stuttgart 1921, Sp. 1446.; vgl. Cicero, Philippische Reden 2,90; 3,16; Cassius Dio, Römische Geschichte 45,47,4; 46,7,1; 46,28,1.
  4. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 47.
  5. ↑ Cicero, Philippische Reden 3,16; Cicero, Lucullus sive Academicorum priorum 2,89; Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia 7,8,1.
  6. ↑ Cicero, Philippische Reden 3,16.
  7. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 48.
  8. ↑ Cicero, Pro L. Murena 73; Cicero, De domo sua ad pontifices 118; 134; 139.
  9. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 50 f.
  10. ↑ Friedrich Münzer: Pinarius 29). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XX,2, Stuttgart 1950, Sp. 1407.
  11. ↑ Catull, Gedichte 86, 1 f.
  12. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 55–64.
  13. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 85 f., die sich hier auf Celia E. Schultz (Fulvia. Playing for power at the end of the Roman Republic, 2021, S. 34) beruft.
  14. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 65, 86.
  15. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 66 f.
  16. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 89, 92 ff.
  17. ↑ Cicero, Pro T. Annio Milone 28; 55; Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia 3,5,3.
  18. ↑ Sueton, Augustus 62,1; Plutarch, Antonius 20.
  19. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 95 ff.
  20. ↑ Cicero, Philippische Reden 2,48; dazu Friedrich Münzer: Fulvius 113). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,1, Stuttgart 1910, Sp. 281–284 ( hier: Sp. 281).
  21. ↑ Asconius Pedianus, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone 31, Edition Stangl.
  22. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 18 f.; 104 f.
  23. ↑ Asconius, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone 31 f. und 37, Edition Stangl; Cassius Dio, Römische Geschichte 40,49,1f.
  24. ↑ Cicero, Pro T. Annio Milone 12 mit dem Kommentar von Asconius 37, Edition Stangl; Cassius Dio, Römische Geschichte 40,49,2f.
  25. ↑ Asconius, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone 40, Edition Stangl.
  26. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 107–110.
  27. ↑ Vgl. dazu Welch, Antony, Fulvia, and the Ghost of Clodius in 47 B. C., 1995, S. 186.
  28. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 110.
  29. ↑ Einzig sichere Bezeugung dieser Ehe Fulvias durch Cicero, Philippische Reden 2,11.
  30. ↑ Caesar, De bello civili 2,40,1–42,5; u. a.
  31. ↑ Cassius Dio, Römische Geschichte 51,2,5.
  32. ↑ Cicero, Philippische Reden 2,3; 2,99; 3,17; 13,23; Cicero, Epistulae ad Atticum 16,11,1; vgl. Plutarch, Antonius 9, 1f.
  33. ↑ Helmut Halfmann: Marcus Antonius. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-21727-4, S. 54 f.
  34. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 130 ff.
  35. ↑ Cicero, Philippische Reden 2,69; 2,77.
  36. ↑ Plutarch, Antonius 10,7–9; vgl. Cicero, Philippische Reden 2,77.
  37. ↑ Plutarch, Antonius, 10,5.
  38. ↑ Cicero, Philippische Reden 3,4.
  39. ↑ Cicero, Philippische Reden 2,113; 6,4; 13,18.
  40. ↑ Martial, Epigramm 11,20.
  41. ↑ Plutarch, Antonius 10,5f.
  42. ↑ Cicero, Philippische Reden 5,11.
  43. ↑ Cicero, Philippicae 2,93ff.; Epistulae ad Atticum 14,12,1 u. ö.
  44. ↑ Cicero, Philippische Reden 3,4; 5,22; 13,18; Cassius Dio, Römische Geschichte 45,13,2; 45,35,3.
  45. ↑ Helmut Halfmann: Marcus Antonius, 2011, S. 79; ähnlich Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 144.
  46. ↑ Cicero, Philippische Reden 12,2; Appian, Bürgerkriege 3,211f.; 3,242.
  47. ↑ Cornelius Nepos, Atticus 9,2–5.
  48. ↑ Cicero, Epistulae ad familiares 11,14,1.
  49. ↑ Cornelius Nepos, Atticus 9,4f.; dazu Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 145 f.; Robert Feger: Pomponius 102). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband VIII, Stuttgart 1956, Sp. 503–526 (hier: Sp. 514).
  50. ↑ Siehe dazu die Analyse bei Sven Günther: Femme fatale oder femina oeconomica? Fulvia und ökonomisches Kalkulieren in der späten Römischen Republik. In: Krešimir Matijević (Hrsg.): Wirtschaft und Gesellschaft in der späten Römischen Republik. Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Aspekte (= Scripta Mercaturae-Beihefte. Band 2). Scripta Mercaturae, Gutenberg 2020, ISBN 978-3-89590-184-3, S. 93–104.
  51. ↑ Clodias Alter erschließen Arthur Stein (RE, Bd. III, 2, Sp. 2887) und Jochen Bleicken (Augustus, S. 706) aus Sueton, Augustus 62,1.
  52. ↑ Sueton, Augustus 62,1; Plutarch, Antonius 20,1; Cassius Dio, Römische Geschichte 46,56,3.
  53. ↑ Appian,Bürgerkriege 4,124.
  54. ↑ Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia 9,5,4.
  55. ↑ Cassius Dio, Römische Geschichte 47,8,2.
  56. ↑ Cassius Dio, Römische Geschichte 47,8,3f.
  57. ↑ Plutarch, Cicero 49,1; Appian, Bürgerkriege 4,80 f.
  58. ↑ Friedrich Münzer: Fulvius 113). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,1, Stuttgart 1910, Sp. 281–284 (hier: Sp. 282).
  59. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 155 f.
  60. ↑ Appian, Bürgerkriege 4,136f.
  61. ↑ Edward Allen Sydenham: The Coinage of the Roman Republic, London 1952, S. 189, Nr. 1160; dazu Michael Grant: Kleopatra. Lübbe, Bergisch Gladbach 1998, ISBN 3-404-61416-X, S. 162; Jochen Bleicken (Augustus, 1998, S. 712) wendet sich beispielsweise entschieden gegen die Identifizierung des weiblichen Münzporträts mit Fulvia.
  62. ↑ Michael Grant: Kleopatra, 1998, S. 162; Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 150.
  63. ↑ Jochen Bleicken: Augustus, 1998, S. 179; Helmut Halfmann: Marcus Antonius, 2011, S. 126.
  64. ↑ Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 164 f.
  65. ↑ Cassius Dio, Römische Geschichte 48,4,1–6;. Plutarch, Antonius 30,1; dazu Friedrich Münzer: Fulvius 113). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,1, Stuttgart 1910, Sp. 281–284 (hier: Sp. 282 f.).
  66. ↑ Jochen Bleicken: Augustus, 1998, S. 182; Helmut Halfmann: Marcus Antonius, 2011, S. 127.
  67. ↑ Vgl. zu diesem Krieg z. B. Jochen Bleicken, Augustus, 1998, S. 182–194.
  68. ↑ Friedrich Münzer: Fulvius 113). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,1, Stuttgart 1910, Sp. 281–284 (hier: Sp. 283).
  69. ↑ Jochen Bleicken: Augustus, 1998, S. 182; Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 171.
  70. ↑ Cassius Dio, Römische Geschichte 48,5,1ff.; Sueton, Augustus 62,1.
  71. ↑ Cassius Dio, Römische Geschichte 48,6,4–7,1.
  72. ↑ Cassius Dio, Römische Geschichte 48,10,1–4.
  73. ↑ Appian, Bürgerkriege 5,54ff.
  74. ↑ Appian, Bürgerkriege 5,75.
  75. 1 2 Jochen Bleicken, Augustus, 1998, S. 194.
  76. ↑ Appian, Bürgerkriege 5,82.
  77. ↑ Velleius Paterculus. Historia Romana 2,74,3; Plutarch, Antonius 28,1; 30,2f.; Orosius, Historiae adversus paganos 6,18,17f.; u. a.
  78. ↑ Diese Züge werden von Cassius Dio (Römische Geschichte 48,10,4) am ausführlichsten geschildert.
  79. ↑ Appian, Bürgerkriege 5,130f.
  80. ↑ CIL XI 6721, 3–5. 14; dazu Manfred Clauss, Kleopatra, 1995, S. 40; Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 173 f.
  81. ↑ Martial, Epigramme 11,20,3–8; dazu Clauss, Kleopatra, S. 50.
  82. ↑ Appian, Bürgerkriege 5,210f.; Cassius Dio, Römische Geschichte 48,15,1; Velleius Paterculus, Historia Romana 2,76,2; dazu Jane Draycott: Fulvia, 2026, S. 176 f.
  83. ↑ Appian, Bürgerkriege 5,217; Cassius Dio, Römische Geschichte 48,27,4.
  84. ↑ Appian, Bürgerkriege 5,230; 5,249f.; 5,266; Cassius Dio, Römische Geschichte 48,28,2f.; Livius, Ab urbe condita, periochae 127; Plutarch, Antonius 30,5.
  85. ↑ Darstellung bei: Sabine Tausend: Macht der Frauen – Macht durch Frauen. Die Frauen der Triumvirn, in: Irmtraud Fischer, Christoph Heil: Geschlechterverhältnisse und Macht: Lebensformen in der Zeit des frühen Christentums; Münster 2010; S. 33–52
  86. ↑ Jane F. Gardner: Frauen im antiken Rom. Familie, Alltag, Recht, München 1995, S. 265
  87. ↑ Richard A. Bauman: Women and Politics in Ancient Rome. Routledge 2002; S. 89
Personendaten
NAME Fulvia
KURZBESCHREIBUNG römische Matrona, Ehefrau des Marcus Antonius
GEBURTSDATUM um 80 v. Chr.
STERBEDATUM 40 v. Chr.
STERBEORT Sikyon