Fundteilung

Als Fundteilung bezeichnet man eine Regelung, nach der die Hälfte archäologischer Fundstücke in das Land gehen, das die Ausgrabung finanziert und organisiert hat, die andere Hälfte bleibt in dem Land, in dem die Ausgrabung stattfand.

Im späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert wurden vom Ägyptischen Staat Lizenzen für Ausgrabungsmissionen erteilt, die von reichen Finanziers (z. B. James Simon, Lord Carnarvon) wahrgenommen und mit Hilfe von professionellen Grabungsleitern (z. B. Ludwig Borchardt, Howard Carter) durchgeführt wurden. Der Ägyptische Staat bekam die eine Hälfte der ausgegrabenen Artefakte, der Finanzier die zweite Hälfte zur freien Verwendung, was den legalen Export aus Ägypten einschloss. Größtenteils befinden sich Werke aus Fundteilungen heute in europäischen und amerikanischen öffentlichen Sammlungen/Museen.

Beispiele

Kritik

Es wird debattiert, ob die Fundteilung, die koloniale Besatzungsmächte einführten, heute noch für legales Recht gehalten werden kann. Der Historiker Jürgen Zimmerer argumentiert: „Die Fundteilung ist ein koloniales Recht, die Diebe gaben es sich untereinander. […] Niemand sollte sich auf das Recht der Kolonialmächte von damals berufen. Wir halten ja auch die Enteignungen durch die Nationalsozialisten nicht für legal, obwohl das einst geltendes Recht war.“

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Bernhard Schulz: „Die bunte Königin“. In: Der Tagesspiegel Online. 3. Dezember 2012, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 1. September 2022]).
  2. ↑ Staatliche Museen zu Berlin: Staatliche Museen zu Berlin: Der Fund und die Fundteilung. Abgerufen am 1. September 2022.
  3. ↑ IRAQ – Ein Rundgang durch die Menschheitsgeschichte. Neue Zürcher Zeitung, 26 APRILE 2003 auf PatrimonioSOS.it.
  4. ↑ Jürgen Schmidt: Vorläufiger Bericht über die von dem Deutschen Archäologischen Institut und der Deutschen Orient-Gesellschaft aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft unternommenen Ausgrabungen in Uruk-Warka. XXVIII : 1970. In: Archive of Mesopotamian Archaeological Reports. Band 296, 1978, S. 12.
  5. ↑ Eva-Maria Schnurr: Raubkunst-Debatte: „Die Nofretete gehört nach Ägypten“ – Der Spiegel – Geschichte. Der Spiegel, abgerufen am 25. September 2020.
  6. ↑ Thomas Vitzthum: Humboldt-Forum: Bilderstürmerei überwindet den Kolonialismus nicht. In: Die Welt. 20. August 2017 (welt.de [abgerufen am 25. September 2020]).