GPS-Spoofing

Unter GPS-Spoofing versteht man das Aussenden von Störsignalen, die die Signale von GPS-Satelliten imitieren.

Dabei werden im Gegensatz zur Nutzung von GPS-Jammern die betroffenen GPS-Empfänger nicht blockiert, sondern die von ihnen aus Pseudoenentfernungen zu den Satelliten berechnete Position wird verfälscht. Betroffen hiervon sind sowohl zivile als auch militärische Empfänger. Die Spoofing-Sender werden meistens am Erdboden betrieben. Da sie die Signale von Satelliten nachbilden, sind sie eine spezielle Form von Pseudoliten.

Das Ziel ist, den Empfang von GPS-Signalen nicht nur zu stören, wie es bei GPS-Jammern der Fall ist, sondern GPS-Empfänger derart zu täuschen, dass falsche Positionsangaben die Folge sind. Im Idealfall sind es falsche Positionsdaten, welche vom Empfänger ohne zusätzliche und GPS-unabhängige Navigation nicht einfach erkannt werden können. Bei den technisch wesentlich einfacheren GPS-Jammern ist der Ausfall des GPS-Empfanges am Empfangsgerät einfach erkennbar und der Nutzer kann dann auf den Ausfall reagieren.

Zu diesem Zweck wird beim Spoofing auf der gleichen Frequenz gesendet wie auch die GPS-Satelliten und deren Signale überlagert. Dabei kann entweder nur das Signal eines oder das mehrerer GPS-Satelliten zugleich durch die Fälschungen überlagert werden.

Allgemeines

Da die Positionsbestimmung bei GPS auf einer sehr genauen Zeitmessung (Laufzeitmessung) beruht, ist es nicht einfach, sowohl gültige, falsche als auch plausible Positionsdaten am Punkt des zu beeinflussenden GPS-Empfängers zu erzeugen. GPS-Spoofing ist technisch wesentlich aufwendiger als GPS-Jamming und umfasst neben der für die Erzeugung der GPS-Signale notwendigen digitalen Signalverarbeitung auch eine sehr genaue Zeitbasis, beispielsweise in Form einer Atomuhr. Außerdem ist es nötig, die Abstände zu den zu störenden Empfangsgeräten zu kennen, da nur so plausible Positionsdaten erzeugt werden können.

Laut der britischen BBC betragen die Kosten für die Ausrüstung zum GPS-Spoofing Mitte 2012 nur noch ca. 1000 Dollar. Ein Jahr später bezifferte ein Online-Artikel des Fox News Channels die Kosten auf 3000 US-$. Ab Mitte der 2010er-Jahre reichte neben einem handelsüblichen PC ein Software Defined Radio im Wert einiger hundert Euro, sowie die Open-Source-Software gps-sdr-sim aus. Damit ließ sich anhand der frei verfügbaren Ephemeriden eine komplette Konstellation mit bis zu zwölf virtuellen Satelliten erzeugen und aussenden, bei frei wählbarer Position und Zeitaussendung.

Bis heute hat sich die Technik stetig weiterentwickelt. Leistungsfähige SDR-Modelle sind bereits für 200–300 Euro frei erhältlich. Neben reinem GPS-Spoofing werden RF-Verstärker oder GNSS-Jammer integriert, um multi-konstellationale Empfänger (z. B. Galileo oder GLONASS) gezielt täuschen zu können.

Abhilfe gegen GPS-Spoofing und auch GPS-Jamming bieten unter anderem richtungsempfindliche Empfangsantennen, welche die GPS-Signale nur von den GPS-Satelliten von oben, empfangen und Störsignale, welche von Pseudoliten und aus Bodennähe kommen, stark unterdrücken.

Rechtliche Grundlage

Nach dem Telekommunikationsgesetz (TKG) und dem Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln (EMVG) ist das Senden von Funksignalen auf reservierten GPS- und GNSS-Frequenzen nicht erlaubt. Der Betrieb und Verkauf von Störsendern stellt somit eine Ordnungswidrigkeit dar. Die Bundesnetzagentur zieht entsprechende Geräte ein und verhängt Geldbußen von bis zu 50.000 Euro.

Wer öffentliche Telekommunikationsanlagen stört, kann zudem mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft werden (§ 317 StGB). Kommt es durch das Aussenden entsprechender Signale zu einer Beeinträchtigung des Bahn-, Schiffs- oder Flugverkehrs, handelt es sich um eine schwere Straftat nach § 315 StGB.

Einzig Sicherheitsbehörden wie Polizei, Justiz oder Bundeswehr sind in streng geregelten Ausnahmefällen befugt, Störsender einzusetzen. Dies kann z. B. zur Drohnenabwehr, der Sicherung von Justizvollzugsanstalten oder zur Entschärfung von Funkzündern der Fall sein.

In der Forschung und Industrie gelten ebenfalls strenge Auflagen für das Testen von GNSS-Simulatoren. Diese dürfen ausschließlich in abgeschirmten Räumen stattfinden, damit kein Signal nach außen dringt.

Bekannte Anwendungen

Vereinigte Staaten

Im Juni 2013 führten Forscher der Universität Texas einen erfolgreichen Angriff auf eine 65 Meter lange Luxusjacht aus, welche sich auf dem Weg von Monaco nach Rhodos befand. Der Eigentümer des Schiffes war eingeweiht und erlaubte den Forschern diesen Eingriff. Mit einem ungefähr aktenkoffergroßen Gerät an Bord des Schiffes konnten die beiden GPS-Empfänger getäuscht werden. Die falschen Signale vermittelten dem Navigationssystem eine leicht verschobene Position der Yacht. Daraufhin korrigierte die Crew die Richtung, bis sich das Schiff wieder auf dem laut Navigationssystem korrekten Kurs befand. Da das Schiff aber tatsächlich noch auf Kurs war, führte die vermeintliche Korrektur zum Verlassen des Kurses. Denselben Forschern gelang es bereits im Juni 2012, eine zivile Drohne mithilfe von GPS-Spoofing zu kontrollieren.

Russland

Die in den USA registrierte NGO C4ADS veröffentlichte im April 2019 einen Bericht, dem zufolge zwischen Februar 2016 und November 2018 insgesamt 9983 Spoofing-Vorfälle belegt worden seien, bei denen GNSS-Signale bewusst gestört und verfälscht worden seien. Der Nachweis sei den Forschern im Auftrag durch C4ADS mit der Beobachtung von oben gelungen: Durch die Auswertung von Daten, die auf der Internationalen Raumstation mit einem Spezialsensor aufgezeichnet worden waren.

Laut Medienberichten dokumentiert die Datensammlung, dass Russland das von Satelliten ausgesendete GNSS-Signal mit starken landgestützten Sendeanlagen stört oder zur Manipulation die Positionsinformation gezielt verändert. Dadurch wird die Positionsbestimmung mittels GNSS unbrauchbar gemacht.

Laut der NGO-Quelle C4ADS mussten im Beobachtungszeitraum 1311 Schiffe in russischen Gewässern ihren Kurs korrigieren, weil die satellitengesteuerten Navigationssysteme verfälscht wurden. Besonders häufig sei das Phänomen in Syrien, auf der Krim sowie bei russischen Flughäfen und Häfen registriert worden. Zudem werde der Grenzverlauf zu den NATO-Staaten und die Position militärischer Einrichtungen Russlands verfälscht. So sei die Fälschung des GNSS-Signals unter anderem im März 2018 auf der Krim deutlich zutage getreten, als sich Putin zur Feier des Referendums dort befunden hat. Die tatsächlichen Bewegungen und Aufenthaltsorte habe man durch Augenzeugen, Luftaufklärung und den Spezialsensor der ISS präzise nachweisen können.

Nordkorea

Das südkoreanische Militär warf Nordkorea im November 2024 vor, GPS-Systeme von Schiffen und Flugzeugen im Westen der koreanischen Halbinsel gestört zu haben. Nach Angaben des Generalstabs von Südkorea sei es bei mehreren Schiffen und Dutzenden zivilen Flugzeugen zu Betriebsstörungen gekommen. Demnach seien die Manipulationen in der Nähe der nordkoreanischen Städte Kaesong und Haeju festgestellt worden.

Einzelnachweise

  1. ↑ Nils Ole Tippenhauer, Christina Pöpper, Kasper B. Rasmussen, Srdjan Capkun: On the Requirements for Successful GPS Spoofing Attacks. (PDF) Archiviert vom Original am 25. August 2014; abgerufen am 8. Januar 2016 (englisch).
  2. 1 2 Spiegel Online vom 29. Juni 2012: GPS-Manipulation: Studenten kapern Drohne
  3. ↑ BBC News vom 29. Juni 2012: Researchers use spoofing to 'hack' into a flying drone
  4. ↑ GPS flaw could let terrorists hijack ships, planes (Memento des Originals vom 27. Juli 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., foxnews.com. Abgerufen am 28. Juli 2013.
  5. ↑ Marcus Folkesson: GNSS spoofing using SDR. 15. Januar 2026, abgerufen am 8. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Batoul Achaal, Mohamad Mortada, Ali Mansour, Abbass Nasser: Wireless Communication Attack Using SDR and Low-Cost Devices. 2022, ISBN 978-981-19-3443-8, S. 417–428, doi:10.1007/978-981-19-3444-5_36 (researchgate.net [abgerufen am 8. Oktober 2026]).
  7. ↑ Bundesnetzagentur verbietet Händler Verkauf von Störsender. In: Golem. 24. Juni 2016, abgerufen am 8. Oktober 2026.
  8. ↑ Störung von Telekommunikationsanlagen (§ 317 StGB): Strafen. In: https://www.strafrechtsiegen.de/. Abgerufen am 8. Oktober 2026 (deutsch).
  9. ↑ Jammer und Störsender - Knast oder Geldstrafe? 11. Mai 2026, abgerufen am 8. Oktober 2026.
  10. ↑ GSG-Anechoic. In: Safran - Navigation & Timing. Abgerufen am 8. Oktober 2026 (englisch).
  11. ↑ Anechoic Chamber RF Testing Compliance Guide. In: MiCOM Labs. Abgerufen am 8. Oktober 2026 (englisch).
  12. ↑ golem vom 31. Juli 2013: Forscher lenkt Luxusjacht mit gefälschtem GPS-Signal um
  13. ↑ Center For Advanced Defense
  14. ↑ Above Us Only Stars (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2025. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) Exposing GPS Spoofing in Russia and Syria C4ADS – Reports, 26. März 2019 (PDF, kompletter Report in Englisch)
    Russland manipuliert GPS-Signale mit Funkwellen, futurezone.at, 2. April 2019
    Studie belegt massive GPS-Manipulationen durch Russland, DerStandard, 5. April 2019
  15. ↑ Nordkorea soll Störangriffe auf GPS-Signale in Südkorea verübt haben. In: zeit.de. 9. November 2024, abgerufen am 10. November 2024.