GRACILE-Syndrom

Klassifikation nach ICD-10
E72.9 Störung des Aminosäurestoffwechsels, nicht näher bezeichnet
E83.1 Störungen des Eisenstoffwechsels
G31.81 Mitochondriale Zytopathie
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Das GRACILE-Syndrom ist eine sehr seltene angeborene Erkrankung mit den im Akronym aufgeführten Hauptmerkmalen: GRowth restriction (pränatale Wachstumsstörung), Aminoazidurie, Cholestase, Iron overload (Eisenüberladung), Laktatazidose und Early death (frühes Versterben).

Synonyme sind: Wachstumsverzögerung – Aminoazidurie – Cholestase – Eisenüberladung – Laktatazidose – frühzeitiger Tod; Fellman-Syndrom; englisch Finnisch Lethal Neonatal Metabolic Syndrome (FLNMS); Lactic Acidosis, Finnish, with Hepatic Hemosiderosis

Verbreitung

Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv. Das Syndrom tritt homozygot in Finnland gehäuft mit einer Prävalenz von 1 zu 50.000 auf.

Ursache

Der Erkrankung liegen Mutationen im BCS1L-Gen im Chromosom 2 Genort q35 zugrunde, welches für ein Protein kodiert, das beim Aufbau des Komplexes III der mitochondrialen Atmungskette wesentlich ist.

Klinische Erscheinungen

Klinische Kriterien sind:

Diagnose

Eine deutliche Aminoazidurie, erhöhte Ferritin-Werte im Blutplasma, verringerte Transferrin-Konzentrationen und eine Eisen-Akkumulation in der Leber führen zur Verdachtsdiagnose.

Differentialdiagnose

Abzugrenzen sind andere mitochondriale Hepatopathien wie der Morbus Pearson sowie mitochondriale Fettsäureoxidations-Störungen und Defekte im Zitronensäurezyklus.

Geschichte

Die Erstbeschreibung erfolgte im Jahre 1998 durch den finnischen Pädiater Vineta Fellman und Mitarbeiter.

Im Jahre 2002 wurde von der gleichen Arbeitsgruppe das Akronym vorgeschlagen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Eintrag zu GRACILE-Syndrom. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten), abgerufen am 4. August 2024.
  2. ↑ GRACILE syndrome. In: Online Mendelian Inheritance in Man. (englisch)
  3. ↑ V. Fellman, J. Rapola, H. Pihko, T. Varilo, K. O. Raivio: Iron-overload disease in infants involving fetal growth retardation, lactic acidosis, liver haemosiderosis, and aminoaciduria. In: The Lancet, Februar 1998, Band 351, Nr. 9101, S. 490–493; doi:10.1016/S0140-6736(97)09272-6, PMID 9482441.
  4. ↑ J. Rapola, P. Heikkilä, V. Fellman: Pathology of lethal fetal growth retardation syndrome with aminoaciduria, iron overload, and lactic acidosis (GRACILE). In: Pediatric pathology & molecular medicine, März-April 2002, Band 21, Nr. 2, S. 183–193; doi:10.1080/15227950252852087, PMID 11942535.