Gabriele Grosse

Gabriele Grosse (* 1942 in Hannover) ist eine deutsche Grafikerin, Malerin und Textilkünstlerin. Sie ist für ihre Transformierungen von Zeichnungen und Grafiken auf großformatige Wandteppiche bekannt. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Leben

Gabriele Grosse absolvierte ihr Abitur 1961 an einem humanistischen Gymnasium in Karlsruhe. Sie studierte danach von 1961 bis 1962 an der Staatlichen Kunstakademie Karlsruhe Freie Malerei bei Klaus Arnold. In der dortigen Gobelinwerkstatt fand sie zum Medium der Tapisserie. Im Studium der Freien Graphik an der Staatliche Kunstakademie Düsseldorf von 1962 bis 1967 nahm sie die Gobelinweberei wieder auf und überwachte zum Ende ihres Studiums 1966/67 als Meisterschülerin bei Joseph Fassbender (1903–1974) die Herstellung eines großen Wandteppichs. Seit Ende ihres Studiums arbeitet sie als Malerin, Zeichnerin, Grafikerin und vor allem Tapisseriekünstlerin freischaffend in Düsseldorf und an der Nordsee.

Werk

Ihre Zeichnungen zeigen eine Entwicklung einer Bildwelt mit konstruktiven und perspektivischen Elementen, collagenhaften Überblendungen und kräftigen Farben zu einer flächigeren, durch zarte Linienführung und weiche Übergänge geprägten Werken, die sich der Monochromie annähern. Von reinen Federzeichnungen entwickelte die Künstlerin sich zu Zeichnungen und Aquarellen weiter, die flüchtige farbige Aquarellflächen mit spitzen Strichen vereinen. Die Farbigkeit ist zurückgenommen auf Grau-, Blau- und Sandtöne, von graphischen Formen durchzogen. Die Künstlerin bezieht sich hierbei auf ihre "innere Notwendigkeit", die zeichnerische und farbliche Abläufe entstehen lässt, die eine Farblandschaft mit einem zeichnerischen Formvorgang ergänzt und durch weiteren Farbauftrag zusammenfasst.

Bei ihren Radierungen geht Gabriele Grosse von kleinen gegenständlichen Details und Formen aus, die sie in ihrem Studium der Natur und Insekten entwickelt hat. Diese Formen arrangiert sie neu, deutet Bilder an, aber führt sie nicht völlig aus, bildet neue Ansatzpunkte und lässt den Betrachtenden ihre Anknüpfpunkte frei wählen. Die Linien und Flächen dieser Bildwelt fügt sie zu abstrahierenden Metamorphosen und Gezeitenspuren zusammen, die an ihre seit 1979 regelmäßigen Aufenthalte an der Nordsee erinnern.

In ihren Collagen befreit sie gefundene Objekte von ihrer Funktion und setzt sie neu zusammen - zu einem Gesamtkunstwerk von Unikaten, die zu einem fröhlichen Chaos mutieren, in Beziehung gesetzt, von Linien verbunden oder stetig mit dem Blickwinkel wandelnd.

Tapisserien

Für ihre Tapisserien greift sie auf ihre graphischen Blätter zurück. Zeichnungen und Radierungen übersetzt sie zum Teil in verschiedenen Ausführungen in die Textilarbeit, auch ihre Tapisserien zeigen Insektenformen und Gezeitenspuren. Neben monochromen Arbeiten in Grau arbeitet Grosse auch mit der Stofflichkeit von ungebleichtem und halbgebleichten Leinen.

Die subtile Farbgebung erlangt sie durch die Verwendung unterschiedlich farbiger Fäden am Hochwebstuhl. Die Hilfsmittel der Webtechnik, Zahlen, Linien und Schraffuren, die als Koordinatensystem für die Skalierung auf großformatige Tapisserien dienen, haben in ihr Werk als gleichwertige graphische Elemente Einzug genommen.

Sammlungen

Viele öffentlichen deutschen Sammlungen verfügen über Arbeiten von Gabriele Grosse, unter anderem das Kunstgewerbemuseum Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin, das Kunstmuseum Düsseldorf, das Museum Ettlingen, das Karl-Ernst-Osthaus-Museum Hagen, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, das Städtische Gustav-Lübcke-Museum Hamm, die Städtischen Kunstsammlungen Karlsruhe, das Kunstgewerbemuseum der Stadt Köln, das Marburger Universitätsmuseum für bildende Kunst, das Städtische Museum Schloss Rheydt Mönchengladbach, die Bayrische Staatsbibliothek München, die Kunsthalle Nürnberg, das Germanische Nationalmuseum Nürnberg, das Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Oldenburg, das Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück, das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth Sögel und die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.

Auftragsarbeiten und Tapisseriewände befinden sich unter anderem in Augsburg, Baden-Baden, Bonn, Braunschweig, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Göttingen, Hamburg, Heidelberg, Husum Köln, Mönchengladbach, Oberhausen, Riad, Stuttgart und Washington DC.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen

Gruppenausstellungen

Auszeichnungen (Auswahl)

Literatur

Lang, Nadja: „Maria als Erscheinung“: Ein textiles Bild in St. Antonius in Kaarst-Vorst, Erzbistum Köln, Objekt des Monats Juli 2025, zuletzt aufgerufen am 2. Oktober 2025

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 Gabriele Grosse, Christine Knupp-Uhlenhaut: Gabriele Grosse. Zeichnungen, Radierungen, Tapisserien 1980 - 1989. Katalogpublikation. Städtische Galerie Peschkenhaus Moers, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottdorf in Schleswig 1989 (ohne Seitenzählung).
  2. 1 2 Gabriele Grosse. Abgerufen am 12. April 2026.
  3. ↑ Gabriele Grosse: Mein Umgang mit Feder und Pinsel... Ausstellungskatalog "Zeichner in Düsseldorf 1955 - 1985. Kunstmuseum Düsseldorf 1985.
  4. ↑ Gudrun Pamme-Vogelsang: Gabriele Grosse. Galerie Pamme-Vogelsang, abgerufen am 13. August 2025.
  5. ↑ Entdeckungsreise. In: Die 1889. Vereinigte Wohnstätten 1889. Vereinigte Wohnstätten 1889 eG, 2014, abgerufen am 13. August 2025.
  6. ↑ Karin Bille: Gabriele Grosse (2006). In: Lotte Hofmann Stiftung für Textilkunst. Berufsverband Handwerk Kunst Design e.V., 2006, abgerufen am 13. August 2025.
  7. ↑ Gabriele Grosse (*1942). In: Museum der 1000 Orte. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2025, 2025, abgerufen am 13. August 2025.
Personendaten
NAME Grosse, Gabriele
KURZBESCHREIBUNG deutsche Graphikerin, Malerin und Textilkünstlerin
GEBURTSDATUM 1942
GEBURTSORT Hannover