Im Jahr 1986 eröffnete Gabriele Heider ihr Atelier auf dem elterlichen Gut Friedrichstein in Sankt Augustin, wo ihr Vater eine große Rinderzucht betrieb. Bekannt wurde Heider mit abstrakten, großformatigen, schwarz-weißen „Kuhbildern“, in denen sie das Prinzip der Fellnotiz, wie sie aus den Herdbüchern bekannt ist, in der Malerei weiterentwickelte.
1995 gewann sie den Kunstwettbewerb für die Gestaltung der Bibliothek im Neubau der Zentrale der Deutschen Telekom AG in Bonn. Neben A.R. Penck und Markus Lüpertz waren u.a. auch Daniel Buren und Mario Merz an der künstlerischen Gestaltung des Neubaus beteiligt. „Ihre immer wieder mit der Ornamentik von Kuhfellzeichnungen arbeitenden Bilder vergrößerte die Meisterschülerin von Daniel Spoerri ins Monumentale: Die Arbeit mit ihrem immanenten Sichtwechsel von Serie und Individuum, Ornament und Masse gehört jedenfalls zu den besseren Errungenschaften für das neue Haus des Großbetriebs.“
Als Malgrund für weitere Arbeiten, insbesondere der „Herdbücher“ (1992–1996), verwendete Heider seit Ende der 1980er Jahre neben Leinwänden zu großen Teilen auch Bettlaken, Kopfkissen und Tafeltücher aus der geerbten Aussteuer ihrer Vorfahren, die sie zuvor in den Kuhställen ausgebreitet hatte, damit die Rinder darauf ihre Spuren aus Mist und Dreck hinterlassen.
Mitte der 90er Jahre begann bei Gabriele Heider unter einer starken Hinwendung zur Farbe mit den sogenannten „Kreisbildern“ eine neue Schaffensphase hin zur geometrischen Abstraktion, die sich ab 2001 im Bereich des Action Painting fortführt. Die komponierten Untergrundstrukturen sind noch vorhanden, wenn auch meist nur schemenhaft angedeutet oder übermalt. In den jüngsten Arbeiten treten an Stelle der ursprünglichen Rechteckstruktur Drucke von alten vergrößerten Stichen wie z. B. des Kölner Doms oder von Tempelanlagen aus der Antike als Hintergrund und Kontrast für die Farbe, die tropft, platzt oder sich auf der Leinwand ergießt.
Auszeichnungen
1987 Kunstpreis Stipendium der Stadt Bonn
1990 Stipendium des Landes NRW für einen Künstleraufenthalt in Civitella d’Agliano, Italien
1995 Erster Preis im Künstlerwettbewerb für die Gestaltung der Bibliothek im Neubau der Zentrale der Deutschen Telekom AG in Bonn
1995 Gestaltung des Renault Twingo als „Art Car“, Produktion in limitierter Auflage und Ausstellung des Objekts auf der Düsseldorfer Art Multiple
1998 Auftragsarbeit für das großformatige Gemälde „Idol“ für den Ratssaal im Rathaus der Stadt Sankt Augustin
Wibke von Bonin, Filmbeitrag, Künstlerportrait Gabriele Heider, gesendet am 7. Juli 1994 auf WDR 3, Kulturreihe Linie K
Andreas Denk, Kunst im Haus des Hoffnungsträgers. Die Telekom und die Kunst: Ein Neubau in Bonn und seine Ausstattung, in: Kunstforum international, Bd. 132, November–Januar 1996, S. 452, ISSN0177-3674
Deutsches Hygiene-Museum Dresden (Hrsg.) Kennst du dein Herz? Fragen und Antworten – nicht nur für Kinder, München/Berlin 1995, ISBN 3-87405-237-0
Gert Fischer (Hrsg.), Gabriele Heider – Arbeiten 1988–1993, Siegburg 1994, ISBN 3-925551-62-X
Eckhard Fuhr, Auf der Suche nach der Fleischeslust. Ein Besuch beim World Meat Congress: Im Berliner Estrel tröstet die Kunst, Welt Online, 29. Mai 2002
Susanne Hahn (Hrsg.) im Auftrag des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, Und der Tod wird nicht mehr sein, Darmstadt 1997, ISBN 3-7985-1088-1
Herz- und Diabeteszentrum NRW (Hrsg.), Reise(n) ins Herz, Lemgo 2000, ISBN 3-9806933-2-5
Hartmut Jahn, „Die Kuh kommt – das Kuhltur-Magazin“, TV-Beitrag mit Gabriele Heider im arte-Themenabend „Nicht dumm, die Kuh“, gesendet am 24. Januar 1999, vgl. ARTE Magazin, 4/1999, 23.–29. Januar 1999, S. 51 ff., ISSN1288-3263
Marlies Kamps, Grenzen überschreiten. Briefwechsel mit Gabriele Heider, in „Ab 40“, Heft 4/97, Oktober, November, Dezember 1997, S. 94–103, ISSN0937-6887
Kulturamt Stadt Fellbach (Hrsg.), La Vache Qui Rit. Europa, der Stier und die Kuh in der Plastik und Fotografie des 20. Jahrhunderts, Fellbach 1994, S. 64, ISBN 3-9802150-3-2
↑Andreas Denk, Kunst im Haus des Hoffnungsträgers. Die Telekom und die Kunst: Ein Neubau in Bonn und seine Ausstattung, in: Kunstforum international, Bd. 132, November-Januar 1996, S. 452, ISSN0177-3674
↑Jürgen Raap, in Gert Fischer (Hrsg.), Gabriele Heider – Arbeiten 1988-1993, Siegburg 1994, ISBN 3-925551-62-X
↑Jürgen Raap, Kunstverein zeigt Heider-Werke, in: Emsdettener Volkszeitung, 3. Mai 1997
↑Annette Schoeder, Rote Farbwolken über dem Dom, in: Kölnische Rundschau, 8. Oktober 2011, S. 45