Gabriele Scheler (geboren 1960 in Göttingen) ist eine deutsch-amerikanische Informatikerin und Neurowissenschaftlerin.
Scheler wuchs in Göttingen auf, als Tochter von Fritz Scheler und Elisabeth Scheler, geb. Correns, der Tochter von Carl Wilhelm Correns, der prägenden Einfluss auf seine Enkelin hatte. Sie schloss das Theodor-Heuss-Gymnasium in Göttingen als Jahrgangsbeste im Jahr 1977 ab. Nach einem Jahr an der Eberhard Karls Universität Tübingen wechselte sie an das Institut für Logik und Wissenschaftstheorie der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1982 erhielt sie ein Ph.D.-Stipendium für die Stanford University. 1983 wurde sie entführt und war lange unter Drogen in einem bewusstlosen Zustand, bevor sie aufgefunden und behandelt werden konnte. Daran schloss sich eine lange Zeit der Rekonvaleszenz und Rehabilitation an. Schließlich musste sie ihr Studium in Deutschland fortsetzen.
Sie promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München in Logik und Wissenschaftstheorie bei Godehard Link über ein Prolog-basiertes Sprachinterpretationssystem unter Verwendung eines Fragments des Englischen. Das System nutzte eine mittel-tiefe lexikalische Analyse von Oberflächenlexemen in semantische Primitive, kombiniert mit der Übersetzung von NL-Sätzen in Prädikatenlogik erster Stufe (Horn-Klauseln). Diese Arbeit wurde am Institut für Informatik der Technischen Universität München (Wolfgang Bibel) 1988–1989 durchgeführt. 1990–1992 war sie wissenschaftliche Assistentin an der Universität Heidelberg am Institut für Computerlinguistik. Danach hat sie am Max-Planck Institut für Biochemie im Bereich Bioinformatik gearbeitet (Munich Institute for Protein Sequences – MIPS, Hans-Werner Mewes), wo sie ein neues Tool zum Vergleich von Proteinsequenzen, das adaptive Distanzmetriken verwendet, entwickelt und implementiert hat. Sie setzte dann ihre Arbeit am Institut für Informatik der Technischen Universität München (Wilfried Brauer) (1993–1998) fort, aus Interesse an Neuroinformatik, zusammen mit Sepp Hochreiter und Jürgen Schmidhuber.
Scheler wandte neuronale Netzforschung zunächst auf linguistische Probleme an, wie Phonologie, Wortsemantik und grammatische Kategorien. und war Herausgeberin eines Konferenzbandes über maschinelles Lernen in Natural Language Processing. Während ihrer Tätigkeit in der Gruppe von Wilfried Brauer an der Technischen Universität München erhielt sie ein Stipendium der TU und ein 2-jähriges DFG Stipendium im Bereich „Sprache und Neuronale Netze“ und setzte ihre Arbeit an adaptiven Distanzmaßen fort, der später von Yann LeCun und seiner Gruppe aufgegriffen wurde. 1995 und 1996 verbrachte sie Zeit am ICSI der UC Berkeley, und erhielt 1998 eine Einladung an das Salk Institute, wo sie anfing sich mit realen neurobiologischen Grundlagen zu befassen. Sie arbeitet an Themen wie Dopamin und Neuromodulation, neuronaler Synchronisation und neuronaler (intrinsischer) Plastizität arbeitete.
Von 2001 bis 2004 kehrte sie an das ICSI an der UC Berkeley zurück. Von 2005 bis 2010 war sie an der Stanford University im Department of Computer Science tätig, wo sie den Biological Modelling Club leitete. Dies führte zu ihrer Arbeit über Signaltransduktion (Protein signalling networks).
Sie erfand eine Methode zur Berechnung von Dosis-Wirkungs-Matrizen in Proteinsignalkaskaden mit Anwendungen in der Medikamentenentwicklung. Seit ihrer Arbeit mit der Carl Correns Foundation nahm sie frühere Arbeiten zu lognormalen Verteilungen neuronaler Frequenzen und synaptischer Stärken aus dem Jahr 2006 wieder auf.
Scheler war 2011 Mitbegründerin der Carl Correns Foundation for Mathematical Biology, einem gemeinnützigen Institut zur Förderung von Forschung und Wissenschaft auf dem Gebiet der Mathematik in der Biologie, das 2016 seinen Betrieb aufnahm. Es wurde nach ihrem Urgroßvater Carl Erich Correns benannt, der der Begründer der Genetik unter Anwendung statistischer Methoden in der biologischen Forschung war. Bis heute wurden u. a. Arbeiten zu Booleschen neuronalen Netzwerken gefördert, sowie Vorarbeiten zur neuron-centric theory" of plasticity. Scheler veröffentlichte mit der Carl Correns Foundation auch Arbeiten zur symbolischen Abstraktion durch neuartige non-Hopfield Modelle, die statt einfachen Vektorräumen mit Attraktoren (Hopfield-Netz, Assoziativspeicher) hierarchische Muster entstehen lassen mit automatisch erzeugter Indizierung durch high impact Neuronen. Dies stellt einen Bezug her zum Feld der Neuro-symbolic AI.
Signifikant ist ihre Entwicklungsarbeit zu einer neuen Theorie neuronaler Plastizität (neuron-centric: „There is room on the inside“ vs. synapse-centric, LTP/LTD: „Neurons that fire together, wire together“), die das Neuron als biologische Zelle mit interner Signalverarbeitung und adaptiver Membranplastizität in das Zentrum stellt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Scheler, Gabriele |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-amerikanische Informatikerin und Neurowissenschaftlerin |
| GEBURTSDATUM | 1960 |
| GEBURTSORT | Göttingen |