Galmei ist eine mineralogisch heute historische, weil nicht eindeutige Bezeichnung für Mineralgemenge verschiedener schwefelfreier Zinkerze. Im Wesentlichen unterscheidet man
Der Name Galmeistein (lateinisch Lapis calaminaris) bzw. Galmei (früher auch der oder die Galmey) und Kalemin (mittelhochdeutsch auch kalemīn) wurde abgeleitet aus Lapislazuli calaminaris, einer lateinischen Korruption des griechischenκαδμίαCadmia, was der gemeinschaftliche Name für Zink-Erze jeglicher Art war. Man unterschied zudem Cadmia lota und Cadmia usta (gebrannter Galmei, Zinkkalk, Zinkoxid).
Geschichte
Bereits in römischer Zeit wurde Galmei abgebaut und mit Kupfer und Kohlenstaub vermengt zu Zink reduziert, welches sich dann mit dem Kupfer sofort zu Messing legierte. Die Herstellung reinen, nicht mit Kupfer legierten Zinks gelang dagegen erst in der Neuzeit.
Der Galmei war von der Antike bis ins18.Jahrhundert wichtig für die Herstellung von Messing, da metallisches Zink in der Natur nicht vorkommt und keine Technik bekannt war, es zu produzieren.
Im18.und19.Jahrhundert gab es große Galmei-Zinkerz-Minen u.a. mit:
Der Name der belgischen Gemeinde Kelmis, französisch La Calamine, leitet sich von Galmei ab. An dieser Lagerstätte gab es überwiegend silikatisches Galmei, also Kieselzinkerz, Hemimorphit, das in dieser Gegend als Kelms oder Kelmes bekannt ist und seit dem frühen Mittelalter dort abgebaut wurde.
Der Reichtum und die Größe von Iserlohn, bis zum vorletzten Jahrhundert größer als Dortmund, gründete auf den Galmeivorkommen und deren Abbau; die Lager waren bis zu40Meter mächtig.
Im frühen19.Jahrhundert wurde entdeckt, dass das als Galmei bezeichnete Erz eigentlich aus zwei verschiedenen, oft zusammen auftretenden Zinkmineralen besteht:
Zinkcarbonat – Zn[CO3] bzw. Smithsonit
Zinksilikat – Zn4[(OH)2|Si2O7]·H2O bzw. Hemimorphit, oder Kieselzinkerz H2Zn2SiO5, vielleicht auch Zinkblüte (Hydrozinkit, Zn5[(OH)3|CO3]2).
Obwohl chemisch und kristallographisch ziemlich verschieden, weisen die beiden o.g. Minerale ähnliche äußere Form auf und sind ohne detaillierte chemische oder physikalische Analyse nicht leicht zu unterscheiden. Der britische Chemiker und Mineraloge James Smithson war 1803 der erste, der die Minerale trennen konnte. Historisch wurde der Begriff Galmei in der Bergbauindustrie wahllos für beide Minerale verwendet. In der Mineralogie ist Galmei heute keine offizielle Bezeichnung mehr.
Galmei entsteht überwiegend durch Metasomatose vorhandener Zinkerzlager. Durch Verwitterung kann Galmei auch als Erdgalmei, als erdige Masse (Mulm) vorkommen. Für die Legierung von Messing kann Galmei so direkt mit Kupferaufgeschmolzen werden, eine vorherige Fraktion des Zinkes aus dem Galmei oder auch nur ein Mahlen ist nicht erforderlich.
Johann Georg Krünitz:Galmey. In: Oekonomische Encyklopädie. Band15, 1786, S.800 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 18.September 2025]).
Wilhelm Hassenstein, Hermann Virl:Das Feuerwerkbuch von 1420. 600 Jahre deutsche Pulverwaffen und Büchsenmeisterei. Neudruck des Erstdruckes aus dem Jahr 1529 mit Übertragung ins Hochdeutsche und Erläuterungen von Wilhelm Hassenstein. Verlag der Deutschen Technik, München 1941, S.104f.
Gundolf Keil:Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (=Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band2). Stadtarchiv, Ulm 1961, S.385, Galmey (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960).
Weblinks
Commons: Galmei– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Calamine.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy;abgerufen am 9.November 2024(englisch).
Friedrich Holtz:Stolberger Alphabet der Heimatkunde – G.In:stolberg-abc.de.Zinkhütter Hof, Museum für Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Stolberg,2001,abgerufen am 18.September 2025(Stichwort „Galmei“).
Einzelnachweise
↑Wouter S. van den Berg (Hrsg.):Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Voorwoord Sophie J. van den Berg. N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S.232 (niederländisch, online verfügbar bei archive.org– Internet Archive).
↑Dieter Lehmann:Zwei wundärztliche Rezeptbücher des 15. Jahrhunderts vom Oberrhein. Teil I: Text und Glossar (=Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band34). Horst Wellm, Pattensen (jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg) 1985, ISBN 3-921456-63-0, S.201.
↑Otto Zekert, Österreichischer Apothekerverein, Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie (Hrsg.):Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S.137, Cadmia und ebenda Calaminaris lapis: Geriebener Galmei (Latein, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑Hildegard von Bingen:Heilkraft der Natur - "Physica". Hrsg.: Basler Hildegard-Gesellschaft. 3. Auflage. Herder, Freiburg / Basel / Wien 1991, ISBN 3-451-04159-6, S.224.
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Jürgen Martin:Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts (=Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band52). Königshausen & Neumann, Würzburg 1991, ISBN 3-88479-801-4, S.129und146 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990): Galmei, Galmeistein bzw. Lapis calaminaris, dort „lapis kalami“ und „kalmis“ bzw. „kalmis stain“: Zinkspat, Zinkkarbonat mit Kieselzinkerz; vielleicht auch Zinkblüte
↑Wolfgang Schneider:Pharmazeutische Chemikalien und Mineralien. Ergänzungen (zu Band III des Lexikons zur Arzneimittelgeschichte). Govi Verlag, Frankfurt am Main 1975, S.209.
↑George Brown Goode:The Smithsonian Institution, 1846–1896, The History of Its First Half Century. De Vinne Press, Washington, D.C. 1897, S.12–13 (englisch).