In der praktischen Messtechnik sind die Fehlergrenzen (auch: Fehlermarge, englisch margin of error) vereinbarte oder garantierte Höchstwerte für positive oder negative Abweichungen der Anzeige (Ausgabe) einer Messeinrichtung vom richtigen Wert. Fehlergrenzen sind begrifflich streng zu unterscheiden von den tatsächlichen Messabweichungen und von der Messunsicherheit.
Bei Messgeräten werden im Allgemeinen eine Abweichung innerhalb einer Fehlergrenze unter festgelegten Bedingungen vom Hersteller garantiert. Fehlergrenzen hängen ab vom technischen Aufwand und von prinzipiellen Grenzen. Der Betrag der zufälligen Messabweichungen ist häufig gegenüber der Fehlergrenze vernachlässigbar klein; sonst muss er bei der Festlegung der Fehlergrenze berücksichtigt werden.
In einer neueren messtechnischen Norm wird statt des Begriffs Fehlergrenze der Begriff Grenzabweichung verwendet. Außerhalb der Messtechnik entspricht dem Begriff Fehlergrenze der Begriff Abweichungsgrenzbetrag.
Es gibt eine obere und eine untere Fehlergrenze. Meistens sind beide gleich groß und werden dann als symmetrischen Fehlergrenzen bezeichnet. Die Fehlergrenzen sind stets Beträge und werden daher ohne Vorzeichen angegeben.
Es gilt für die (absolute) Abweichung bzw. den (absoluten) Fehler
Entsprechend gibt es eine relative Fehlergrenze derart, dass für die relative Abweichung bzw. den relativen Fehler gilt:
Die Bezugsgröße für die relative Fehlergrenze ist wie beim relativen Fehler der richtige Wert
Der angezeigte (ausgegebene) Wert liegt dann in einem Bereich
Dieses wird verkürzt zur Schreibweise
was keineswegs so gedeutet werden darf, als ob nur zwei Werte annehmen könnte.
Soll die relative Fehlergrenze im Ergebnis vorkommen, so ist das möglich, indem ausgeklammert wird:
Keineswegs darf geschrieben werden, weil dann ein Wert mit der Einheit der Messgröße und ein Wert mit der Einheit Eins zu addieren wären.
Bei der quantitativen Angabe von Unsicherheiten und Fehlergrenzen ist die Qualität einer Angabe im Blick zu behalten.
Aus einer „groben“ Ausgangsposition lassen sich keine „feinen“ Ergebnisse ableiten, denn aus den Regeln zur Fehlerfortpflanzung von Fehlergrenzen bei voneinander unabhängigen Werten ergibt sich (siehe unten: Rechnen mit Fehlergrenzen):
Diese Forderung entspricht der Forderung in DIN 1333: Unsicherheiten werden mit einer signifikanten Stelle angegeben, ausgenommen bei den Ziffern 1 oder 2, dann werden zwei signifikante Stellen angegeben.
Eine führende Null ist nicht signifikant.
Es liegt im Begriff des Grenzwertes, dass nur auf- und nicht abgerundet werden darf; entsprechendes gilt für die Unsicherheit nach DIN 1333. Eigentlich wäre eine Fehlergrenze 5 %·6,2 V = 0,31 V auf 0,4 V auf- und nicht auf 0,3 V abzurunden; doch sollte man hier ein gewisses Augenmaß behalten, denn bereits 4,8 %·6,2 V < 0,3 V.
Es ist nicht falsch, in Zwischenschritten genauer zu rechnen, damit sich Rundungsfehler nicht aufschaukeln, und erst im Ergebnis dessen Fehlergrenzen zu beachten, siehe auch Signifikante Stellen.
Angaben und Beispiele zu Messgeräte-Fehlergrenzen findet man
In der Statistik und Meinungsforschung bezeichnet die Fehlergrenze den maximalen zu erwartenden Unterschied zwischen dem Ergebnis einer Stichprobenerhebung und dem wahren Wert in der Grundgesamtheit. Die Fehlergrenze errechnet sich aus der Größe der Stichprobe, dem zugrunde gelegten Konfidenzniveau sowie dem Stichprobenanteil – also dem Anteil der Befragten, welche die betrachtete Ausprägung ausgewählt haben. Das Konfidenzniveau gibt die Präzision einer Lageschätzung eines Parameters (z. B. eines Mittelwerts) an. Häufig werden Konfidenzniveaus von 90, 95 oder 99 Prozent verwendet.
Eine häufig verwendete Formel ist die Standardfehlerformel, die die Standardabweichung der Stichprobe und die Quadratwurzel des Stichprobenumfangs nutzt. Für einen Stichprobenanteil p bei einem Stichprobenumfang n und dem zum Konfidenzniveau gehörigen z-Wert:
Je größer die Stichprobe, desto kleiner die Fehlergrenze – und desto präziser die Schätzung.
Die Fehlergrenze ist besonders wichtig in Bereichen wie der politischen Meinungsforschung, Marktforschung und sozialwissenschaftlichen Forschung, da sie hilft, die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Ergebnisse zu bewerten.
Kann man ein Messergebnis erst aus mehreren voneinander unabhängigen Messwerten ausrechnen, so ist mathematisch gesagt eine Funktion von mehreren unabhängigen Variablen
Änderungen der unabhängigen Variablen um ein kleines werden mit der Funktion übertragen und führen zu einer Änderung der abhängigen Variablen um ein und zwar gemäß den Regeln der Mathematik:
Kennt man nicht die Änderungen (Messfehler oder Messabweichungen) selber, sondern nur ihre Grenzwerte (Fehlergrenzen) so lässt sich damit auch nur die Fehlergrenze des Ergebnisses angeben; dabei ist im Sinne des Grenzwertes die ungünstigste Vorzeichenkombination der Summanden zu Grunde zu legen:
Diese Formel vereinfacht sich für die vier Grundrechenarten zu leicht merkbaren Regeln:
und mit Verwendung der relativen Fehlergrenzen
Beispiel: Mit dem ohmschen Gesetz soll aus und bestimmt werden.
Wenn = 2 mA · (1 ± 2 %) und = 12 kΩ · (1 ± 5 %), dann = 24 V · (1 ± 7 %).