Garou (Roman)

Garou ist der zweite Roman der Schriftstellerin Leonie Swann, der 2010 im Goldmann Verlag veröffentlicht wurde.

Handlung

Garou ist gewissermaßen eine Fortsetzung des Romans Glennkill. Die Erzählperspektive wie auch die meisten Charaktere sind übernommen, der Handlungsort liegt hier jedoch in Frankreich: Die Schafherde wurde von Rebecca, der Tochter ihres verstorbenen Schäfers, von Irland dorthin ins Winterquartier gebracht, wo sie sich nun auf Einladung des Schlossherrn im Schatten eines alten Schlosses aufhält. Zunächst von der französischen Sprache abgeschreckt, in der man sich tatsächlich mit „Bon Schur“ begrüßt, liegen die eigentlichen Gefahren an anderen Stellen.

Dort treibt sich ein Wesen mit Namen Loup Garou (französisch für Werwolf) herum, das nicht nur die Schafe in Angst und Schrecken versetzt. Handelt es sich etwa – nach den Prophezeiungen eines fremden Schafes und den Andeutungen der chaotischen Ziegen auf der Nachbarweide sowie der Menschen – um einen „Mensch im Wolfspelz“ oder gar um einen richtigen Werwolf, der ein Reh brutal zerfetzte? Oder geht die eigentliche Gefahr von den Jägern des Werwolfs aus? Miss Maple, Mopple the Whale, Othello und vor allen Dingen das Winterlamm gehen gemeinsam mit den anderen Schafen der Herde der Sache auf den Grund, denn in der Vergangenheit ist aller Wahrscheinlichkeit nach ihre Vorgängerherde vom Garou ermordet worden. Dass das Chateau einst ein Irrenhaus mit gefährlichen Psychopathen beherbergte, erweitert den Kreis der möglichen Verdächtigen.

Schließlich finden die Schafe eines Tages einen erschossenen Menschen auf ihrer Weide. Auch wenn er gnädigerweise nach einer Weile wieder vom Schnee verhüllt wird, sind die Schafe doppelt beunruhigt, da sie zunächst Rebecca als Tatverdächtige in diesem Fall sehen. So stellen die Schafe dem Garou eine Falle, wobei ihnen die Ziegen, insbesondere die wagemutige kleine Madouc auf ihre eigene Art helfen, um schließlich einen überraschenden Täter zu stellen.

Hintergrund

Der Roman erschien entgegen den vorangegangenen Meldungen des Verlags nach fünf Jahren etwas später als ursprünglich beabsichtigt, da die Autorin mit dem ersten Ergebnis nicht ganz zufrieden war, oder wie sie es selbst ausdrückte, „Schafe ein ausgeprägtes Eigenleben entwickeln“. Dank der Fristverlängerung habe sie „neue Figuren, neue Szenen und Zusammenhänge“ hinzufügen können. Als reellen Hintergrund für das düstere Schloss und den Obstgarten nannte Swann „ein kleines bretonisches Schloss mitten im Wald von Brocéliande, komplett mit Schlossturm und Schafsweide und flackernden Lichtern, die sich im Burggraben spiegelten“.

Nachdem die Schriftstellerin bereits für ihr Erstlingswerk Feldforschung betrieben hatte, absolvierte sie wie im Vorfeld angekündigt für ihren zweiten Roman ein Schäferpraktikum in Frankreich, durch das sie laut eigenen Wort viele „sinnliche kleine Dinge“ gelernt habe: „Heugerüche, helles Lämmerblöken, das beruhigende Murmeln eines Mutterschafs, den Rhythmus eines Lebens mit Schafen, das fettige, warme Gefühl von Wolle, die Lebendigkeit und den unglaublichen Lebenswillen der Lämmer, Scheu und Misstrauen und Schafsmut.“

Im Unterschied zu Glennkill ist Garou aus der Perspektive Leonie Swanns jedoch kein Kriminalroman mehr, sondern vielmehr ein Thriller.

Die Parallelen zu der Bestie des Gévaudan und Bei Einbruch der Nacht von Fred Vargas wurden von mehreren Rezensenten gesehen. Als parodistisches Zitat lässt Swann das Schaf Cloud im Zusammenspiel mit der idealistischen Cordelia den Jungschafen ausgerechnet Das Schweigen der Lämmer von Thomas Harris nacherzählen, um es hierbei in steter Abwandlung zur beliebten Gutenachtgeschichte werden zu lassen.

Ausgaben

Hörbuch

Rezensionen

Einzelnachweise

  1. 1 2 Elke Kreil, Goldmann Verlag: Das Wachsen des Grases ist kein Geräusch, es ist ein Geruch
  2. ↑ Roland Krüger: Die Welt aus der Schafsperspektiv. - dradio.de - 26. Juli 2010
  3. ↑ Petra Pluwatsch: Mit den Augen der Schafe. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im September 2026. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) in: Naumburger Tageblatt, 20. August 2010.
  4. ↑ Katherina Granzin: Schafe ermitteln. In: die tageszeitung, 28. August 2010.
  5. ↑ hr1-Tipp: Buch - Leoni Swann: ‚Garou‘, 23. Juni 2010 (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  6. ↑ Sylvia Staude: Leonie Swanns Schafe ermitteln wieder. Was tun gegen den Mehrwolf?. In: Frankfurter Rundschau, 3. Juli 2010.